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EZB beendet Anleihenkäufe und kündigt erste Zinserhöhung an
Wirtschaft 2 Min. 09.06.2022
Rekordinflation

EZB beendet Anleihenkäufe und kündigt erste Zinserhöhung an

Die EZB strebt für den Währungsraum der 19 Länder mittelfristig stabile Preise bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent an.
Rekordinflation

EZB beendet Anleihenkäufe und kündigt erste Zinserhöhung an

Die EZB strebt für den Währungsraum der 19 Länder mittelfristig stabile Preise bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent an.
Foto: dpa / Frank Rumpenhorst
Wirtschaft 2 Min. 09.06.2022
Rekordinflation

EZB beendet Anleihenkäufe und kündigt erste Zinserhöhung an

Lange hat die Europäische Zentralbank gezögert, nun geht plötzlich alles ganz schnell. Im Juli steigen die Leitzinsen um 25 Basispunkte.

(dpa) – Mit der ersten Zinserhöhung seit elf Jahren reagieren Europas Währungshüter auf die Rekordinflation. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kündigte am Donnerstag an, im Juli die Leitzinsen im Euroraum um jeweils 25 Basispunkte anheben zu wollen. Zunächst bleibt der Leitzins aber auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen für geparkte Gelder bei der EZB weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in Aussicht gestellt, die Negativzinsen bis Ende September zu beenden.


The European Central Bank, ECB is pictured in Frankfurt am Main, Germany, on March 9, 2017.
The European Central Bank on Thursday raised its eurozone economic growth forecasts for this year and next, said ECB president Mario Draghi. / AFP PHOTO / Daniel ROLAND
Leitzinsen könnten bis Jahresende über Null steigen
Nach Einschätzung des französischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau sind positive Zinsen bis Ende des Jahres „realistisch“.

Zugleich beschloss der EZB-Rat bei seiner auswärtigen Sitzung in Amsterdam, die milliardenschweren Netto-Anleihenkäufe zum 1. Juli einzustellen. Das Ende dieser Käufe hatte die Notenbank in ihrem längerfristigen geldpolitischen Ausblick („Forward Guidance“) zur Voraussetzung für eine Zinserhöhung erklärt.

Druck hat deutlich zugenommen

In den vergangenen Wochen hatte der Druck auf Europas Währungshüter deutlich zugenommen, nach Jahren des ultralockeren Kurses umzusteuern und mit Zinsanhebungen die rekordhohe Teuerung einzudämmen. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im Mai 2022 um 8,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonates, in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland sprang die jährliche Inflationsrate im Mai vorläufigen Zahlen zufolge mit 7,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren.


President of the European Central Bank (L) Christine Lagarde talks with Spain's Economy and Business Minister Nadia Calvino (R) ahead of a Eurogroup meeting at the EU headquarters in Brussels on March 14, 2022. (Photo by John THYS / AFP)
EZB-Präsidentin Lagarde signalisiert Zinsanhebung im Juli
Die Zinswende im Euroraum rückt näher: Europas Währungshüter bereiten die Märkte auf die erste Zinsanhebung im Juli vor.

Die EZB strebt für den Währungsraum der 19 Länder mittelfristig stabile Preise bei einer jährlichen Teuerungsrate von zwei Prozent an. Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Getrieben wird die Inflation seit Monaten vor allem von steigenden Energiepreisen, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nochmals kräftig anzogen. Auch Probleme in den Lieferketten sorgen für steigende Preise.

EZB versucht Gratwanderung 

Volkswirte rechneten vor der EZB-Sitzung vom Donnerstag mit einer Serie von EZB-Zinsschritten nach oben im laufenden Jahr. Bis zum Ende des Jahres könnte der Einlagensatz demnach auf plus 0,5 Prozent steigen und der Hauptrefinanzierungssatz ein Niveau von 0,75 Prozent erreichen. Andere Notenbanken wie die Federal Reserve in den USA oder die Bank of England haben ihre Leitzinsen bereits mehrfach erhöht. Bis höhere Zinsen bei Sparerinnen und Sparern ankommen, dauert es allerdings erfahrungsgemäß eine Weile.

Europas Währungshüter hatten lange an der Einschätzung festgehalten, die steigende Inflation sei von Sonderfaktoren getrieben und daher vorübergehend. Nun versucht die EZB eine Gratwanderung zwischen hoher Teuerungsrate und gestiegenen Risiken für die konjunkturelle Erholung aus dem Corona-Tief wegen des Ukraine-Krieges.

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