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Experten rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen
Wirtschaft 2 Min. 16.05.2021

Experten rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen

Getreideexperten beobachten derzeit kräftige Preisaufschläge zum Beispiel bei Weizen, Mais und Ölsaaten wie Raps.

Experten rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen

Getreideexperten beobachten derzeit kräftige Preisaufschläge zum Beispiel bei Weizen, Mais und Ölsaaten wie Raps.
Foto: dpa
Wirtschaft 2 Min. 16.05.2021

Experten rechnen mit steigenden Lebensmittelpreisen

Schlechtes Wetter und Fehlernten, geringere Anbaumengen und plötzlich steigende Nachfrage: Ein Cocktail verschiedener Ursachen treibt die Preise für Weizen, Hirse, Raps und Co in die Höhe. Folgen könnten auch im Supermarkt zu sehen sein.

(dpa/jt) - Rohstoffhändler und Experten beobachten „teilweise historische Preisausschläge“ bei Getreide, Mais und Ölsaaten wie Raps - möglicherweise mit Folgen für die Verbraucher. 

„Wenn sich die Preise noch eine Weile so halten für Pflanzenöle und für Getreide, dann wird sich das innerhalb einiger Monate sicherlich in den Lebensmittelpreisen auch im Supermarkt niederschlagen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse, Thorsten Tiedemann.

Zwar haben Rohstoffpreise bei Backwaren nur einen geringen Anteil am Verkaufspreis. „Aber die Fleischproduktion wird sicherlich teurer werden durch Futter“, sagte Tiedemann. Auch bei Produkten wie Mehl und Pflanzenöl dürfte der Weltmarkttrend nach seiner Einschätzung auf die Verbraucherpreise durchschlagen.

Agrarrohstoffe um 31 Prozent verteuert

Die Welternährungsorganisation FAO beobachtet seit geraumer Zeit steigende Preise bei praktisch allen Agrarrohstoffen. Unter dem Strich lag der FAO-Preisindex für Nahrungsmittel nach jüngsten Daten im April 31 Prozent über dem Vorjahreswert, nach elf monatlichen Anstiegen in Folge sei inzwischen der höchste Stand seit sieben Jahren erreicht. Besonders ausgeprägt ist der Trend bei Ölsaaten, wo das Preisniveau gegenüber April 2020 inzwischen doppelte Höhe erreicht hat. Befeuert wird diese Entwicklung aus Sicht der FAO auch von der Nachfrage der Hersteller von Biokraftstoffen.

„Erwartet hat man schon lange, dass irgendwas passieren wird in den Preisen aufgrund der hohen Liquidität und auch teilweise aufgrund der Engpässe, die in der Wirtschaft entstehen durch Corona-Einschränkungen“, sagte Tiedemann. Nach einer „ganz komfortablen Angebots- und Nachfragesituation im Getreide- und Ölsaatenmarkt“ sei nun „durch ein paar schlechtere Ernten mit einhergehendem Bestandsabbau etwas aus den Fugen geraten“.

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Hinzu komme, dass in Regionen mit stärkerem Wachstum nach der Corona-Rezession die Nachfrage anziehe. „Dann kommen noch ein paar Wettermeldungen hinzu, in Brasilien laufen wir auf eine relativ schlechte Ernte hinaus, und dann gehen die Märkte natürlich sehr stark nach oben.“

Der Hamburger Hafen ist die zentrale Drehscheibe für den Getreidehandel in Nordeuropa. Der Verein der Getreidehändler sieht sich seit über 150 Jahren als offizielles Sprachrohr des internationalen Handels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten. 

Sorgen um steigende Inflation

Indes sorgen die steigenden Rohstoffpreise und Probleme in den internationalen Lieferketten für Inflationssorgen. In den USA waren die Verbraucherpreise im April auf den höchsten Stand seit 2008 gestiegen. 

Die Notenbank Fed betrachtet die Entwicklung als übergangsweises Phänomen. Diese Sichtweise wird jedoch kontrovers debattiert, auch in Europa. Befürchtet wird, dass die Fed zur Bekämpfung der Inflation eine schärfere Gangart einschlagen und zum Beispiel die Zinsen früher als gedacht erhöhen könnte.

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