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Exodus aus der City: Goldman Sachs halbiert Präsenz in London
Goldman Sachs will Personal aus London abziehen und unter anderem an den Hauptsitz nach New York verlagern.

Exodus aus der City: Goldman Sachs halbiert Präsenz in London

Foto: REUTERS
Goldman Sachs will Personal aus London abziehen und unter anderem an den Hauptsitz nach New York verlagern.
Wirtschaft 19.01.2017

Exodus aus der City: Goldman Sachs halbiert Präsenz in London

Laurent SCHMIT
Die US-Großbank will 1.000 Mitarbeitern nach Frankfurt umziehen lassen. Die Finanzakteure forcieren ihre Anpassung nachdem die britische Regierung klargestellt hatte, dass sie den EU-Binnenmarkt verlassen wird.

(las/AFP/dpa) - Die Umzüge im großen Stil häufen sich: Nach HSBC am Mittwoch bestätigte nun auch Goldman Sachs Pläne sein Personal in der Londoner City von 6.000 auf 3.000 zu reduzieren. Tausend Arbeitsplätze sollen davon nach Frankfurt verlagert werden, schreibt die Wirtschaftszeitung "Handelsblatt".

Standorte in Polen, Frankreich, Spanien sowie der Hauptsitz in New York sollen weitere Mitarbeiter aus London aufnehmen. Frankfurt ist als wichtigster europäischer Standort ausgewählt worden, aufgrund der Nähe zur Europäischen Zentralbank.

Auch UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber kündigte an, etwa 1.000 Jobs an andere Standorte zu verschieben, sollte Großbritannien keinen Zugang zum Binnenmarkt erhalten. Noch gelte es abzuwarten, was bei einem Brexit-Deal herauskomme, doch man müsse für alle Fälle planen. „Wir haben das größtenteils bereits gemacht“, sagte Weber der BBC.

Die Commerzbank hat ihr Investmentbanking in London schon stark gekürzt und die US-Bank Citigroup will hunderte Arbeitsplätze nach Dublin verlagern. Als beliebte London-Alternativen gelten außerdem Frankfurt und Paris.

Die Banken forcieren ihren Exodus

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos soll die britische Premierministerin Theresa May die Bosse von Morgan Stanley und Goldman Sachs treffen. Es ist ungewiss, ob sie die Banker überzeugen wird können, in London zu bleiben. Die Großbanken würden ihre seit dem Brexit-Referendum aufgestellten Notfallpläne nun forcieren, betont das "Handelsblatt".

Premierministerin Theresa May sagte am Dienstag in einer Grundsatzrede zum Brexit, Großbritannien werde aus dem EU-Binnenmarkt ausscheiden. May will stattdessen einen umfassenden Freihandelsvertrag mit der EU schließen. Auch der Zollunion in ihrer bisherigen Form will Großbritannien nicht mehr angehören.

Banken brauchen für Dienstleistungen in der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend größtenteils frei agieren. Der geplante Brexit lässt aber - je nach Deal - zweifeln, ob Banken ihre Geschäfte künftig uneingeschränkt von der Insel aus weiterführen können.


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