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„European Microfinance Week“: Digitale Transformation im Fokus
Zu Gast in Luxemburg: Vor 20 Jahren hat Graham Wright eine Beratungsgesellschaft für Finanzintegration – MicroSave – gegründet, die heute Projekte in mehr als 50 Entwicklungsländern betreut.

„European Microfinance Week“: Digitale Transformation im Fokus

Foto: Guy Jallay
Zu Gast in Luxemburg: Vor 20 Jahren hat Graham Wright eine Beratungsgesellschaft für Finanzintegration – MicroSave – gegründet, die heute Projekte in mehr als 50 Entwicklungsländern betreut.
Wirtschaft 9 2 Min. 15.11.2018

„European Microfinance Week“: Digitale Transformation im Fokus

Mara BILO
Mara BILO
Drei Tage diskutieren Fachleute aus der ganzen Welt in Luxemburg, einem der wichtigsten Standorte für Mikrofinanz, während der „European Microfinance Week“ über das Zusammenspiel moderner Technologien und inklusiver Finanzierung.

Bereits mit kleinen Beiträgen Menschen in Entwicklungsländern helfen, wirtschaftlich auf die Beine zu kommen – das ist das Ziel der sogenannten Mikrofinanz. Ein Problem, das es dabei zu lösen gilt, ist der Weg, auf dem es auch in nicht entwickelten Dritte-Welt-Ländern schnellen Zugang zu Kleinkrediten geben kann. Über die Antwort darauf sind sich die Experten bei der europäischen Woche der Mikrofinanz einig: Die digitale Transformation und die neu entwickelten Technologien können den Zugang zu diesen Kleinkrediten, die Menschen aus schwachen Verhältnissen bei Mikrofinanzinstitutionen (MFI) beantragen können, fördern.


Interview Christoph Pausch, Executive Secretary of the European Microfinance Platform, le 27 Novembre 2017. Photo: Chris Karaba
Luxemburg ist „Zentrum der Mikrofinanz“
Am Mittwoch beginnt die „European Microfinance Week“, die jährlich von der europäischen Plattform für Mikrofinanzierung (e-MFP) organisiert wird. Christoph Pausch, Generalsekretär der e-MFP, blickt auf die Entwicklung der Kleinstkredite zurück.

Für drei Tage steht der Schwerpunkt Technologien und ihr Nutzen für die inklusive Finanzierung – also den Finanzmarktzugang für jedermann – im Mittelpunkt der Diskussionen, an denen bis am Freitagabend rund 500 Teilnehmer aus der ganzen Welt in der Abtei Neumünster teilnehmen. „An modernen Technologien kommt man heute nicht mehr vorbei“, stellt Christoph Pausch, Generalsekretär der „European Microfinance Platform“, in Bezug auf die Entwicklung des Mikrofinanzmarktes fest und bezieht sich dabei beispielsweise auf elektronische Zahlungs- und Überweisungssysteme.

Graham Wright, Geschäftsführer des internationalen Beratungsunternehmens für Finanzintegration MicroSave, warnt vor einer „digitalen Kluft“ zwischen denjenigen, die digitale Transformation nutzen werden und denjenigen, die sich verweigern. Auch sieht er das Geschäftsmodell der Mikrofinanzinstitutionen in Gefahr; immerhin wird ihre Funktionsweise zunehmend von FinTechs, modernen Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen, in Frage gestellt: „Viele Institutionen funktionieren noch nach einem veralteten, unflexiblen und ineffizienten Geschäftsmodell. Und das in einem Zeitalter, in dem FinTechs auf die Kunden zugeschnittene Produkte und flexible Finanzinstrumente anbieten können, die schneller und einfacher zur Verfügung stehen.“

Chancen für die Zukunft


Alvaro Aguilar Ayon der mexikanischen Kreditgenossenschaft Tosepantomin hat einen Geldpreis in Höhe von 100 000 Euro gewonnen.
Europäische Woche des Kleinstkredits: Lösung für Urbanisierung
Weltweit leben mehr als vier Milliarden Menschen in Städten. Schätzungen zufolge soll bis zum Jahr 2030 eine weitere Milliarde dazukommen. Wie kann man eine geeignete Wohnsituation für diese Menschen schaffen? Die Mikrofinanz bietet eine Lösung an.

Graham Wright sieht aber auch neue Chancen, die mit der digitalen Transformation verbunden sind und das Mikrofinanzgeschäft weltweit fördern können. „Digitale Instrumente können dabei helfen, den Umsatz der Institutionen zu steigern und ihre Betriebskosten zu senken.“ Und: Aus seiner Sicht haben traditionelle Mikrofinanzinstitutionen im Wettbewerb mit FinTech-Unternehmen den entscheidenden Vorteil, dass sie schon seit Jahren in Kontakt mit ihren Kunden sind und deren Finanzverhalten kennen.

Der Mikrofinanzexperte hofft darauf, die modernen, digitalen Instrumente nutzen zu können um die Finanzdienstleistungen, die von den Mikrofinanzinstitutionen angeboten werden, besser mit der „realen Weltwirtschaft“ zu verknüpfen.


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Mikrofinanz-Preis geht an ivorische Finanzinstitution

Gute Stimmung am Donnerstagabend im Atrium der Europäischen Investitionsbank: Albert Sié Dah, Vertreter der ivorischen Mikrofinanzinstitution „Advans Côte d'Ivoire“, hat den „European Microfinance Award“ gewonnen. Der von der europäischen Plattform für Mikrofinanz organisierte Preis würdigt besonders innovative Finanzinstitutionen. Bei der diesjährigen, bereits neunten, Auflage stand die Frage im Mittelpunkt, wie moderne Technologien inklusive Finanzierung fördern können. „Advans Côte d'Ivoire“ vergibt unter anderem digitale Kleinstkredite an Bauern aus einfachen Verhältnissen. Mit der Auszeichnung ist ein Geldpreis in Höhe von 100 000 Euro verbunden, die zweiten und dritten Plätze sind jeweils mit 10 000 Euro dotiert.



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