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Europäische Bankenaufsicht: Luxemburg wirbt mit mietfreien Büros
Die EBA hat ihren Sitz in London und muss nach dem Brexit umziehen.

Europäische Bankenaufsicht: Luxemburg wirbt mit mietfreien Büros

AFP
Die EBA hat ihren Sitz in London und muss nach dem Brexit umziehen.
Wirtschaft 1 2 Min. 31.07.2017

Europäische Bankenaufsicht: Luxemburg wirbt mit mietfreien Büros

Laurent SCHMIT
Geht es nach dem Willen der Regierung, bekommt Luxemburg eine weitere EU-Institution: die Europäische Bankenaufsicht. Luxemburg sei die "natürliche Wahl", heißt es in einer Broschüre. Ein Gebäude gibt es auch bereits.

(las) - Luxemburg hat seine offizielle Bewerbung für den Sitz der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) eingereicht, teilte die Regierung am Montag mit. Die EU-Behörde muss im Zuge des Brexit ihren aktuellen Sitz in London verlassen. Die Bewerbungsfrist lief am 31. Juli ab.

Die Regierung meint es ernst: Sie schlägt der EU ein konkretes Bürogebäude an der Route d'Arlon vor. Es umfasst 4.200 Quadratmeter auf fünf Etagen und bietet Platz für 200 bis 244 Mitarbeiter. Die EBA beschäftigt aktuell knapp 190 Mitarbeiter in London. Das Gebäude "Moonlight" an der Route d'Arlon soll Ende 2018 fertig sein. Die EBA wird frühestens im März 2019 umziehen müssen.

Die EBA werde das Gebäude nutzen können ohne Miete zahlen zu müssen, betont die Regierung in der Pressemitteilung. Ein Team stehe zu Verfügung, um das Gebäude an die Bedürfnisse der Bankenaufsicht anzupassen.

Der Vorschlag: Das Gebäude "Moonlight" an der Route d'Arlon.
Der Vorschlag: Das Gebäude "Moonlight" an der Route d'Arlon.
Foto: Felix Giorgetti

Premierminister Xavier Bettel hatte bereits Ende März Anspruch auf den Sitz der EBA angemeldet. Sein Brief an Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erreichte Brüssel zwei Tage nach dem offiziellen Austrittsgesuch Großbritanniens.

"Die natürliche Wahl"

"Luxemburg ist eine der drei europäischen Hauptstädte und der Sitz der Finanz- und Justiz-Institutionen der EU seit 1965. Luxemburg ist die natürliche Wahl, um die EBA zu beherbergen", betonte Finanzminister Pierre Gramegna.

Die EU-Kommission organisiert eine Art Wettbewerb unter den Ländern, die am EBA-Sitz interessiert sind. Neben Luxemburg sind dies unter anderen auch die Städte Brüssel, Frankfurt, Paris, München und Prag. Ausschlaggebend werden eine Reihe von Kriterien sein, wie etwa die Arbeitsbedingungen, die Verkehrsanbindung, die bisherige Zahl der EU-Agenturen und die Möglichkeit eines schnellen und problemlosen Umzugs.

In einer Hochglanzbroschüre und in einem Video bringt die Regierung ihre Argumente in Stellung - auch in Bezug auf diese Kriterien. Luxemburg sei eine Flugstunde von den wichtigsten EU-Städten entfernt. Dazu kommen aus der Sicht der Regierung eine sehr gute Infrastruktur an Konferenzzentren und über 6.000 Hotelzimmer.

Auch das Wohl der EBA-Mitarbeiter und dere Familien liegt der Regierung am Herzen. Sie betont eine breite Auswahl an internationalen Schulen und ein großzügiges Gesundheitssystem.

Entscheidung im November

Am Dienstag soll der Rat der EU laut Brüsseler Quellen eine Liste mit allen Kandidaturen für den Sitz der EBA und der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) veröffentlichen. Die endgültige Entscheidung wird im November fallen.

Luxemburg wird Alliierte brauchen, um den EBA-Sitz zu bekommen, etwa indem die Regierung die Kandidatur eines Landes für die Arzneimittel-Agentur unterstützt. Noch sei es für solche Allianzen zu früh, heißt es von einer regierungsnahen Quelle.

In der Zwischenzeit wird die EU-Kommission bis Ende September die Kandidaturen nach den genannten Kriterien bewerten ohne jedoch ein Rangfolge zu erstellen. Diese Analyse wird den Vertretern der EU-Staaten im September oder Oktober vorgestellt. Die Staats- und Regierungschefs werden voraussichtlich anlässlich des Europäischen Rates am 19. Oktober über die Sitz-Frage diskutieren.


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