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Europa verbannt den Boeing-Unglücksflieger
Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max müssen in vielen Ländern (im Bild Singapur) vorerst am Boden bleiben.

Europa verbannt den Boeing-Unglücksflieger

Foto: AFP/Roslan Rahman
Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max müssen in vielen Ländern (im Bild Singapur) vorerst am Boden bleiben.
Wirtschaft 3 Min. 13.03.2019

Europa verbannt den Boeing-Unglücksflieger

In ganz Europa sind Starts und Landungen von Maschinen der Bauart 737 Max 8 vorerst verboten. Auch Luxemburg reagiert, selbst wenn die Flugzeuge auf Findel nur selten zu sehen sind.

(dpa/jt) - Nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate wenden sich viele Airlines und Luftfahrtbehörden aus Furcht vor einem technischen Problem vom neuen Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 ab. Fast die Hälfte der rund 350 seit 2017 ausgelieferten Maschinen bleibt infolge des Flugzeugabsturzes in Äthiopien am Sonntag mit 157 Toten inzwischen am Boden. 

Wie viele andere europäische Länder hat auch Luxemburg seinen Luftraum für Flugzeuge dieses Typs gesperrt. "Angesichts der Umstände des Unfalls in Äthiopien hat die Direction de l'Aviation civile (DAC) vorsorglich beschlossen, alle kommerziellen Flüge mit einer Boeing 737 Max nach, von oder über Luxemburg zu verbieten", teilte die luxemburgische Luftfahrtbehörde am Dienstagabend mit.

Auf dem Flughafen Findel sind die Maschinen aus der Baureihe derzeit nur sehr selten zu sehen. Die einzige Airline, die nach unseren Informationen die 737-Max 8 sporadisch nach Luxemburg einsetzt, ist Turkish Airlines.

Turkish Airlines fliegt zeitweise mit einer Boeing 737 Max 8 den Flughafen Luxemburg an.
Turkish Airlines fliegt zeitweise mit einer Boeing 737 Max 8 den Flughafen Luxemburg an.
Foto: Serge Braun



A photo shows debris of the crashed airplane of Ethiopia Airlines, near Bishoftu, a town some 60 kilometres southeast of Addis Ababa, Ethiopia, on March 11, 2019. - Airlines in Ethiopia, China and Indonesia grounded Boeing 737 MAX 8 jets Monday as investigators recovered the black boxes from a brand-new passenger jet that crashed outside Addis Ababa a day earlier, killing all 157 people on board. (Photo by Michael TEWELDE / AFP)
„Safety first“: Schlimmer Verdacht nach Boeing-Absturz
Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien mit 157 Toten hat die Suche nach der Unglücksursache eingesetzt. Ein schlimmer Verdacht drängt sich auf. Denn vor wenigen Monaten gab es bereits einen Unfall mit der relativ neuen Boeing-Reihe.

Am Dienstag erklärte dann die europäische Luftfahrtbehörde EASA den gesamten europäischen Luftraum zur "Sperrzone" für Maschinen des Typs Boeing 737 Max. Das Verbot gelte als „Vorsichtsmaßnahme“ für die Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, erklärte die EASA. 

Ein Überblick über die Flugverbote:

  • Die europäische Luftfahrtbehörde EASA sperrte am Dienstagabend den gesamten europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max, kurz nachdem bereits mehrere EU-Länder reagiert hatten. 
  • Mehrere Länder hatten zuvor ein Startverbot gegen den Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 oder die gesamte Serie der 737 Max-Flieger verhängt – einige haben auch den gesamten Luftraum für das Modell gesperrt. Zu den Ländern mit Verboten gehören neben Luxemburg auch Deutschland, Frankreich, Österreich, Irland, Italien, die Niederlande, Großbritannien, Polen, Belgien, China, Indonesien, Singapur, Australien, Malaysia und der Oman. Allein in China sind von dem Verbot knapp 100 Flugzeuge betroffen. Am Mittwoch verkündeten auch Hongkong und die Türkei, dass ihr Luftraum für den Problemflieger gesperrt sei. 
  • Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell 737 Max gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt am Dienstagabend. 

  • Die US-Luftfahrtbehörde FAA, in deren Aufsichtsbereich Dutzende Boeing 737 Max 8 im Einsatz sind, hat kein Startverbot ausgesprochen. Seit Montag haben sich mehrere Fluggesellschaften freiwillig entschieden, die Maschinen vorsichtshalber am Boden zu lassen. 

  • Mehr als 60 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 sind daher zeitweise nicht im Betrieb. Dazu gehören: Norwegian (18 Flugzeuge), der Reisekonzern Tui (15), die mexikanische Airline Aeroméxico (6), Aerolíneas Argentinas (5), Ethiopian Airlines (4), Icelandair (3), Cayman Airways (2) aus der Karibik, die südkoreanische Airline Eastar (2), die brasilianische Gol (7) und Südafrikas Comair (1). Andere Airlines wie die US-Fluggesellschaften Southwestern Airlines, American Airlines und auch die kanadische Air Canada halten bisher an den Flugzeugen fest.

Boeing kündigt Software-Update an

Bereits nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 im Oktober in Indonesien mit 189 Todesopfern Jahr gab es der FAA zufolge bereits zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen. Im Zentrum der Untersuchungen stand bislang ein umstrittenes System zur Flugkontrolle, das laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Crash in Indonesien gespielt haben könnte. Boeing versprach nun eine Verbesserung der Steuerungssoftware, die in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen aufgespielt werde.

Boeing beharrt auf der Sicherheit seiner stark in die Kritik geratenen Baureihe 737 Max. „Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit“, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das Unternehmen äußerte Verständnis dafür, dass Aufsichtsbehörden und Airlines „Entscheidungen treffen, die sie am angemessensten für ihre Heimatmärkte halten“.

Das Unternehmen arbeite weiter mit Regulierern und Kunden zusammen, damit diese die nötigen Informationen erhielten, um Vertrauen in den Betrieb der Flotte zu haben. Boeing verwies erneut darauf, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA derzeit keine weiteren Maßnahmen fordere. Auf Basis der derzeit verfügbaren Informationen gebe es keine Grundlage, neue Anweisungen für den Betrieb der 737-Max-Flotte auszugeben.


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