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Euro-Space-Day in Saarbrücken: „Uplink“ in die Zukunft
Daten, die zu einem Satelliten geschickt werden, nennt man „Uplink“. Daten von einem Satelliten „Downlink“.

Euro-Space-Day in Saarbrücken: „Uplink“ in die Zukunft

Foto: Shutterstock
Daten, die zu einem Satelliten geschickt werden, nennt man „Uplink“. Daten von einem Satelliten „Downlink“.
Wirtschaft 3 Min. 25.10.2014

Euro-Space-Day in Saarbrücken: „Uplink“ in die Zukunft

Der Markt für Weltraumtechnik boomt. Luxemburg profitiert sehr davon. Das Großherzogtum bietet Firmen aus dieser Branche viel. Das zieht auch Unternehmen aus dem Ausland an.

(jsf) - 200 oder 250 neue Mitarbeiter: Wie viele in den vergangenen acht Jahren neu eingestellt worden sind, kann Erik Markestein auf Anhieb gar nicht sagen. Die Botschaft hingegen ist eindeutig: Euro-Composites boomt. Und nicht nur das Luxemburger Unternehmen, sondern die ganze Branche. Das wurde auch auf dem Euro-Space-Day mit Unternehmensmesse am Mittwoch in Saarbrücken deutlich, auf der sich 28 Firmen präsentierten, die in der Weltraumtechnik tätig sind.

„Die Produktionsfläche haben wir seit 2006 verdoppelt“, sagt Markestein. Sowohl diese als auch die Mitarbeiterzahl wachse jährlich. Das Unternehmen produziert Trägermaterial aus Verbundwerkstoffen. Das können Schlafkabinen für Besatzungsmitglieder in Flugzeugen sein, aber auch Toilettenboxen oder Küchenelemente für die Luftfahrt. Ebenso Inneneinrichtungselemente auf Schiffen. Oder Trägerstrukturen von Satelliten. Kurzum: Strukturen, die stabil und vor allem sehr leicht sein müssen.

Echternach, Bitburg, USA

Der Global Player aus Echternach ist seit 30 Jahren im Geschäft. 815 Mitarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 122,6 Millionen Euro erwirtschaftet. In den Werken in Echternach (gut 700 Mitarbeiter), Bitburg und Culpeper in Virginia, USA.

„Raumfahrttechnik wird immer wichtiger. Wir wollen neue Märkte erschließen“, sagt Euro-Compo- sites-Manager Erik Markestein. Auch um unabhängiger von der schwankenden Auftragslage in der Luftfahrtindustrie zu sein. Und dann sind da noch die begehrten Gelder der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), der Luxemburg gemeinsam mit der Schweiz aktuell vorsitzt. Rund 80 Prozent der 20 Millionen Euro, mit denen Luxemburg die ESA pro Jahr unterstützt, fließen wieder ins Großherzogtum zurück. Vor allem in Form von Forschungsaufträgen. „Geographic Return“ heißt das.

Gute Unterstützung vom Staat

Sieben Forschungseinrichtungen und 23 Firmen für Weltraumtechnik gibt es in Luxemburg. Dazu kommen der Luxembourg Space Cluster und die Groupement Luxembourgeois de l'Aéronautique et de l'Espace (GLAE), welche Austausch und Synergien ermöglichen sowie Ansprechpartner für die Regierung sind. Nicht wenig für so ein kleines Land. „Luxemburg bietet eine gute Basis für Unternehmen, auch was die Unterstützung durch den Staat betrifft“, so Markestein. In Luxemburg könne man schnell Kontakt zu einem Ministerium bekommen, was in großen Ländern wie Deutschland schwierig sei.

„Vor drei Dekaden existierte keine Weltraumindustrie in Luxemburg“, sagt Wirtschaftsminister Etienne Schneider. „Die Entscheidung, im Jahr 2005 der Europäischen Raumfahrtagentur beizutreten, war ein Beweis der Entschlossenheit, die Entwicklung dieses innovativen Sektors voranzutreiben.“ Besonders Luxinnovation hebt der Minister dabei hervor, die nationale Agentur für Innovation und Forschung.

Vier Prozent des BIP

„Der Weltraumsektor macht vier Prozent des Bruttoinlandproduktes aus“, sagt Marc Serres aus dem Wirtschaftsministerium, der verantwortlich für die Beziehungen mit der ESA ist. Das Potenzial sei groß. Luxemburg ist an mehreren ESA-Programmen beteiligt, beispielsweise am 29 Millionen Euro schweren LuxIMPULSE, welches bis 2017 läuft und Unternehmen hilft, innovative Ideen in der Weltraumtechnik zu finden und daraus Produkte zu entwickeln. Das kann in vielen Bereichen geschehen. Raumfahrt heißt nicht nur Satellitentechnik, sondern auch Materialforschung, Elektrotechnik oder Telekommunikation.

Luxemburg als Standort interessiert auch Unternehmen aus anderen Ländern. Seit April dieses Jahres ist die Firma Mirad Systems hier vertreten. Die Schweizer Firma baut Sende- und Empfangselemente für Satellitenantennen, sogenannte Feedsysteme. Ihr Hauptkunde ist die Satellitengesellschaft SES. Vor allem bei Sonderanfertigungen ist Mirad gefragt. Auch auf der Internationalen Raumstation ist Technik von Mirad installiert.

Seit bereits drei Jahren in Luxemburg vertreten ist die deutschen Firma TST Kommunikationstechnik, die den Aufbau von Satelliten-Bodenstationen plant und umsetzt und Satellitenübertragungen anbietet. „Es ist ein boomender Markt“, sagt Projektmanager Roland Reiter. Das denken sich auch Cyril Walle und Alain Foulon. Die französischen IT-Studenten haben sich am Mittwoch auf der Messe und der Space-Day-Tagung in Saarbrücken umgesehen. Eine Karriere in der Raumfahrtindustrie, das fänden beide ziemlich interessant.


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