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EU einigt sich auf härtere Steuerregeln für Unternehmen
Wirtschaft 02.06.2021 Aus unserem online-Archiv

EU einigt sich auf härtere Steuerregeln für Unternehmen

Durch das Verschieben von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen sparen Konzerne Milliarden an Steuern - das soll sich ändern.

EU einigt sich auf härtere Steuerregeln für Unternehmen

Durch das Verschieben von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen sparen Konzerne Milliarden an Steuern - das soll sich ändern.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 02.06.2021 Aus unserem online-Archiv

EU einigt sich auf härtere Steuerregeln für Unternehmen

Wie viel Steuern zahlen große multinationale Konzerne überhaupt? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Neue Regeln sollen das ändern.

 (dpa) - Große Unternehmen in der Europäischen Union müssen künftig offenlegen, wie viel Steuern sie in welchem Land zahlen. Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments einigten sich am Dienstagabend auf Regeln für das sogenannte Country-by-Country-Reporting. Dies bestätigten Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Das Vorhaben soll helfen, Steuersparmodelle von Firmen zu begrenzen. Mit der Einigung endet ein fünfjähriger Streit.


French economist Gabriel Zucman gives a press conference on the launch of the European Tax Observatory, on June 1, 2021 in Brussels. (Photo by Fran�ois WALSCHAERTS / various sources / AFP)
Gabriel Zucman leitet das neue EU-Steuerobservatorium
Die Europäische Steuerbeobachtungsstelle nimmt ihre Arbeit auf. Ihr Leiter hatte einst den EU-Ausschluss Luxemburgs ins Spiel gebracht.

Die EU-Kommission hatte schon 2016 den Vorschlag zur Änderung der Rechnungslegung gemacht. Die Country-by-Country-Regeln sollen für multinationale Unternehmen mit weltweit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz gelten. In einem länderbezogenen Bericht sollen sie unter anderem die Nettoumsätze, Gewinn oder Verlust vor Steuern und die tatsächlich gezahlten Ertragssteuern veröffentlichen.

Die Daten sollen für alle EU-Staaten aufgeschlüsselt werden. Dies gilt auch für Länder auf der sogenannten Schwarzen Liste der Steueroasen sowie für Staaten, die mindestens zwei Jahre hintereinander auf der sogenannten Grauen Liste stehen, derzeit zum Beispiel die Türkei.

Verschiebung von Gewinnen

Einige große Unternehmen nutzen Tochterfirmen, um Gewinne in Länder mit möglichst niedrigen Steuersätzen zu verschieben und so die Zahlungen an den Fiskus zu drücken. Das geschieht innerhalb der EU, aber auch weltweit.


Was eine globale Mindeststeuer für Luxemburg bedeuten würde
Ein globaler Mindestsatz für Unternehmenssteuern könnte beträchtliche Folgen für Luxemburg haben. Ob es soweit kommt, ist aber fraglich.

Das Europaparlament hatte sich schon 2017 für das öffentliche Country-by-Country-Reporting stark gemacht und seine Verhandlungsposition festgelegt. Die EU-Staaten akzeptierten das Prinzip jedoch nach jahrelanger Debatte erst in diesem Frühjahr mit der nötigen Mehrheit. In den Verhandlungen mit dem Europaparlament ging es um die letzten Details des Plans.

EU-Finanzkommissar Paolo Gentiloni hatte schon am Dienstagvormittag in Erwartung einer Einigung gesagt: „Es ist ein Schritt voran, man kann natürlich nie alles erreichen, was man wollte.“    


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