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ETFs werden günstiger
Wirtschaft 3 Min. 05.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Geldanlage

ETFs werden günstiger

Oliver Trienes über die Bedeutung des Luxemburger Fondssektors für den ETF-Markt.
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ETFs werden günstiger

Oliver Trienes über die Bedeutung des Luxemburger Fondssektors für den ETF-Markt.
Foto:Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 05.05.2015 Aus unserem online-Archiv
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ETFs werden günstiger

Oliver Trienes von der Deutschen Bank erläutert die zunehmende Attraktivität von börsengehandelten Fonds, sogenannten Exchange-Traded Funds.

(cdc) - Im Gespräch mit dem Luxemburger Wort erläutert Oliver Trienes, Experte für passives Investieren bei der Deutschen Bank, die zunehmende Attraktivität von börsengehandelten Fonds, sogenannten „Exchange-Traded Funds“ (ETF).

Warum ist Luxemburg wichtig für den ETF-Markt?

Die Deutsche Bank hält mit 66,3 Prozent den größten Marktanteil der in Luxemburg domizilierten „Exchanged-Traded Funds“ (ETF). Dies geht aus einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft PwC hervor. Luxemburg ist als internationales Fondszentrum wichtig für die Deutsche Bank, denn als Plattform in der Mitte Europas ergibt sich durch einen länderübergreifenden Vertrieb eine Multiplikatoren-Wirkung.

Ein bedeutender Anteil unserer ETFs wird deshalb in Luxemburg aufgelegt, wo auch sämtliche Dienstleistungen der Fondsverwaltung erbracht werden. Durch die Infrastruktur, das Know-how und die internationale Ausrichtung des Luxemburger Fondssektors können wir unsere Kunden in den angrenzenden Ländern Belgien, Frankreich und auch den Niederlanden über nur eine Plattform betreuen. Unsere zweite Fondsplattform in Europa ist Dublin.

Außerdem nutzen aktive Investmentfonds zunehmend ETFs in ihrer Anlagestrategie. Denn die ETFs bieten durch ihre geringen Gebühren eine kostengünstige Investitionsmöglichkeit. Außerdem ermöglichen ETFs einen Zugang für Aktienmärkte, für die ein Investor, würde er direkt in einzelne Aktien investieren, ein zusätzliches Konto eröffnen müsste.

Daher ist Luxemburg als internationales Fondsdomizilierungszentrum für die Deutsche Bank nach wie vor ein wichtiger Standort. Des Weiteren stellen die relativ einfachen bürokratischen Hürden und die schnelle Bearbeitung durch die luxemburgischen Behörden einen bedeutenden Vorteil dar um innovative Finanzprodukte schnell auf den Markt zu bringen. Müsste man beispielsweise ein dreiviertel Jahr warten, bis ein neuer Fonds aufgelegt werden kann, dann wäre der Vorteil durch die Innovation nicht mehr gegeben.

Der Markt für passives Investieren hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Der Markt für passives Investieren hat in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum gezeigt, vor allem in Europa. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC soll sich der Markt für passives Investieren bis zum Jahr 2020 verdoppeln, von derzeit etwa 11 Prozent auf 22 Prozent. Generell kann man die Entwicklung damit erklären, dass die Menschen in Europa wohlhabender werden. Sie verfügen also über ein größeres Vermögen.

Mittlerweile könnte man aber anstatt von dem sogenannten „search for yield“ von einer „capital preservation“ sprechen. Das heißt, viele Investoren sind heute schon zufrieden, wenn sie keine Verluste mit ihrem angelegten Vermögen erwirtschaften.

Darüber hinaus erklären auch die niedrigen Zinsen warum die ETFs heute die Futures „outperformen“. Dieses Phänomen lässt sich vermehrt über die vergangenen drei Jahre in einigen Märkten beobachten. Einerseits sind nämlich die Rollkosten der Futures gestiegen und andererseits sind durch die niedrigen Geldmarktsätze die Einkünfte auf das angelegte Kapital geringer geworden. Gleichzeitig sind aus Wettbewerbs- und Effizienzgründen die Gesamtkosten der ETFs gesunken.

Ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank für diese Entwicklung ursächlich?

In der Tat muss sich ein Investor bei dem derzeit niedrigen Zinssatz von um die Null Prozent überlegen, ob er die Kosten für das aktive Portfoliomanagement bezahlen möchte. Durch die niedrigen Zinsen, die niedrige Inflation und die vergleichsweise hohen Kosten des aktiven Portfoliomanagements kann es durchaus sein, dass ein Investor am Ende eine negative Realrendite erzielt. Die Instrumente des passiven Investierens bieten sich hier als eine kostengünstige Anlagealternative an.

Außerdem werden vermehrt festverzinsliche Wertpapiere im ETF-Mantel benutzt. Noch vor ein paar Jahren waren die festverzinslichen Wertpapiere eine Ausnahme unter den ETFs. Aber wegen der aktuellen Zinssituation wird immer mehr über ETFs in festverzinsliche Wertpapiere investiert. Zudem ist das Angebot an Unternehmensanleihen quasi ausgeschöpft: die Unternehmen haben die niedrigen Zinsen genutzt und langfristige Anleihen emittiert. Bei der hohen Nachfrage und dem niedrigen Angebot sowie dem geringen Handelsvolumen auf dem Sekundärmarkt für Unternehmensanleihen wird es für einen Privatinvestor zunehmend schwierig direkt in Unternehmensanleihen zu investieren. Ein ETF bietet hier eine Lösung an: der Investor erwirbt nicht die einzelnen Wertpapiere, sondern investiert in einen ETF der den Markt für Unternehmensanleihen verbrieft.




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