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Es wird kompliziert für belgische Bankkunden
Wirtschaft 2 Min. 23.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Börsensteuer

Es wird kompliziert für belgische Bankkunden

Die Luxemburger Banken müssen dem belgische Fiskus zur Hand gehen.
Börsensteuer

Es wird kompliziert für belgische Bankkunden

Die Luxemburger Banken müssen dem belgische Fiskus zur Hand gehen.
Foto: Pierre Matge
Wirtschaft 2 Min. 23.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Börsensteuer

Es wird kompliziert für belgische Bankkunden

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Belgien will, dass seine Bürger auf ihre Börsengeschäfte auch im Ausland besteuert werden. Für Luxemburger Banken ist das ein Problem, denn sie werden ihre Kunden unterstützen müssen. Noch herrscht Unklarheit.

(las) - Belgien plant die Börsensteuer auf den Kauf und Verkauf von Aktien, Anleihen und Fondsanteilen zu erhöhen und auszuweiten. Aus Luxemburger Sicht ist ein Punkt von Bedeutung: Künftig sollen die „taxe sur les opérations en bourse“ auch auf Geschäfte erhoben werden, die Belgier im Ausland tätigen. Demnach sind Luxemburger Banken direkt betroffen.

Die Erhebung startet am 1. Januar 2017, aber noch ist unklar, ob Luxemburger Börsenmakler und Banken die Steuer für den belgischen Staat erheben müssen. Der belgische Steuerzahler müsse die Abgabe entrichten, der Luxemburger Dienstleister habe keine direkte Verantwortung gegenüber dem belgischen Fiskus, schrieb Finanzminister Pierre Gramegna Anfang Dezember in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CSV-Abgeordneten Diane Adehm und Gilles Roth.

Als Quellensteuer erhoben

Doch so einfach wird es wohl nicht für die Akteure des Finanzplatzes. "Die Berechnung der fälligen Steuer ist sehr kompliziert", erklärt Thibault de Barsy, Administrateur-délégué der Luxemburger Onlinebank Keytrade, die bei Belgiern beliebt ist. Der Kunde ist ohne ausführliche Berichte seiner Bank kaum in der Lage dies zu tun. Dazu kommt, dass die Abgabe spätestens im zweiten Monat nach der Börsentransaktion gezahlt werden muss. Eine jährliche Steuererklärung reiche nicht, sagte das belgische Finanzministerium der Zeitung "L'Echo".

Zwei Optionen bieten sich den Banken laut Thibault de Barsy: Eine Möglichkeit sei, dass die Banken die Abgabe wie eine Quellensteuer erheben und das Geld direkt an den belgischen Fiskus leiten. Die Alternative wäre, dem Kunden alle nötigen Informationen zu liefern, die er braucht, um die Steuer selbst zu zahlen.

Noch sei das belgische Gesetz nicht verabschiedet und deshalb habe sich Keytrade noch nicht für eine Option entschieden, so de Barsy. Der niederländische Makler Degiro wolle auf den Weg der Quellensteuer gehen, berichtet "L'Echo". Konkret sollen die ausländischen Dienstleister einen belgischen Vertreter in Belgien ernennen, der sich um die Abwicklung mit den Behörden kümmert.

Empfindliche Strafen

Und es droht teuer zu werden, wenn sich jemand um die Börsensteuer drücken möchte oder Fehler beim Bezahlen macht. Die Geldbuße für falsche oder lückenhafte Angaben beträgt das Fünffache der hinterzogenen Steuer und mindestens 250 Euro. Jene, die zu spät zahlen, müssen ab 2018 50 Euro pro Woche Verzug zahlen.

Die belgische Regierung will mit der Reform 30 Millionen Euro zusätzlich einnehmen. Bisher hatten zahlreiche Belgier die Steuer umgangen, indem sie ihre Transaktionen etwa über Luxemburg abwickelten.


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