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Eröffnung der "Home & Living Expo": Dritte industrielle Revolution mit Luxemburger Touch
Wirtschaft 20 3 Min. 11.10.2015

Eröffnung der "Home & Living Expo": Dritte industrielle Revolution mit Luxemburger Touch

Staatssekretärin Francine Closener eröffnet die 2. Ausgabe der neuen Herbstmesse "Home & Living Expo".

Eröffnung der "Home & Living Expo": Dritte industrielle Revolution mit Luxemburger Touch

Staatssekretärin Francine Closener eröffnet die 2. Ausgabe der neuen Herbstmesse "Home & Living Expo".
© Claude Piscitelli
Wirtschaft 20 3 Min. 11.10.2015

Eröffnung der "Home & Living Expo": Dritte industrielle Revolution mit Luxemburger Touch

"Lëtzebuerg 3.0" war das übergreifende Thema von Francine Closener. Sie verteidigte die geplante Rifkin-Studie und kündigte Initiativen zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen im digitalen Wandel an.

(las) - Die traditionelle Eröffnungsrede zur Herbstmesse nutzte Francine Closener, um auf die Kritik an der Zusammenarbeit mit dem US-Visionär Jeremy Rifkin zu reagieren. Rifkins Vision einer dritten industriellen Revolution biete ein Modell, die Luxemburger Wirtschaft auf eine rapide und allgegenwärtige Digitalisierung vorzubereiten, so die Staatssekretärin für Wirtschaft.

"Niemand ist so naiv, zu glauben, dass sich die Ideen des amerikanischen Ökonomen eins zu eins auf Luxemburg anwenden lassen", sagte Closener. Sie regierte damit auf die Zweifel des Präsidenten der Handelskammer Michel Wurth, ob Rifkins Modell zu den Besonderheiten der Luxemburger Wirtschaft passe - vor allem den hohen Wachstumsraten. Auch der Präsident der Arbeitnehmerkammer Jean-Claude Reding fragte nach der Umsetzbarkeit in Luxemburg.

Niemand ist so naiv, zu glauben, dass sich die Ideen Rifkins eins zu eins auf Luxemburg anwenden lassen.

"Wir wollen wissen, was realistisch und umsetzbar ist, und wie sich unser Land - mit allen Luxemburger Besonderheiten - am Besten auf ein technisch und wirtschaftlich verändertes Umfeld vorbereiten kann", erklärte Closener. Eine Studie dazu gebe es in Luxemburg bisher nicht. Der Preis für Rifkins Studie - 450.000 Euro - "erscheint mir nicht übertrieben", so Closener. Der Staat trage die Hälfte der Kosten, so dass ihn die Studie pro Einwohner nur 40 Cent kosten werde.

"Gute Vorarbeit geleistet"

Luxemburg sei bereits in den Bereichen gerüstet, die Teil von Rifkins Vision sind - sprich ICT, Mobilität und erneuerbare Energien. Closener erwähnte die Datenzentren, die intelligenten Strom- und Gaszähler sowie die 850 Aufladestationen für Elektroautos, die in den nächsten fünf Jahren aufgebaut werden sollen. Post und Enovos würden sich bereits im Feld des "Smart Home" positionieren.

Die Vernetzung von Menschen, Maschinen, Häusern und Betrieben, die Rifkin vorantrieben wolle, führe zwar zu einem größeren Risiko von Cyberattacken, aber auch in der Cybersicherheit sei Luxemburg mit Initiativen wie BEE Secure, CASES und CIRCL gut vorbereitet.

Fit für die Digitalisierung

Auf dem Weg zum "Lëtzebuerg 3.0" sieht Francine Closener aber auch noch Herausforderungen. Um der Wirtschaft bei den Herausforderungen einer fortschreitenden Digitalisierung zu helfen, werde der 4. Aktionsplan für kleine und mittlere Unternehmen noch dieses Jahr verabschiedet. Darin enthalten sind Maßnahmen, um einfacher ein Unternehmen gründen und finanzieren zu können sowie die Überarbeitung von staatlichen Beihilfen.

Besonders betroffen von der Digitalisierung sei der Einzelhandel. Zwar sei dessen Umsatz zwischen 2007 und 2013 um 15 Prozent gestiegen, doch der Trend, dass immer mehr Menschen im Ausland oder im Internet kaufen würden, sei problematisch. 2013 seien dem Luxemburger Handel aus diesem Grund 660 Millionen Euro an Kaufkraft verloren gegangen, wodurch der Staat 73 Millionen weniger an Mehrwertsteuer eingenommen habe. Mit der Confédération du commerce arbeitet sie deshalb an einem Aktionsplan, um das Internet in das Geschäftsmodell kleiner Läden zu integrieren.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt Closener auf eine "Qualitätsoffensive" im Umgang mit den Kunden. "Die Qualität des Service kommt leider oft zu kurz", kritisiert sie. Dabei sei ein guter Service ein Mehrwert, den man nicht so einfach kopieren könne. In nächsten Wochen starte deshalb ein Qualitätslabel für Bistros.

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