Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Erneuerbare Energie: Bessere Planung per Computer
Der hierzulande produzierte Solarstrom reicht aus, um elf Prozent der Haushalte zu versorgen.

Erneuerbare Energie: Bessere Planung per Computer

Foto: Shutterstock
Der hierzulande produzierte Solarstrom reicht aus, um elf Prozent der Haushalte zu versorgen.
Wirtschaft 2 Min. 13.09.2016

Erneuerbare Energie: Bessere Planung per Computer

Laurent SCHMIT
Solarstrom ist so q wie der Sonnenschein. Luxemburger Forscher haben nun ein Tool entwickelt, um die Produktion der Fotovoltaikanlagen vorherzusagen. Ein weiterer wichtiger Baustein für die künftige Energieversorgung startet bald.

Von Laurent Schmit

Energieunternehmen haben ein Problem: Scheint die Sonne, erzeugen alle Solaranlagen massenweise Strom; regnet es, dann stockt die Produktion. Das macht den Betrieb eines Stromnetzes zur Herausforderung, weil es schwierig ist, den Solarstrom einzuplanen.

Eine Lösung für dieses Problem wurde nun am Forschungsinstitut LIST entwickelt: Das System von Daniel Koster und Frank Minette kann die Produktion der Luxemburger Solaranlagen bis zu drei Tage im Voraus berechnen. Enovos hat das Projekt über dreieinhalb Jahre mit 300.000 Euro finanziert.

"Unsere Prognosen sind detaillierter und näher an der Realität als bestehende Modelle", erklärte Professor Lucien Hoffman, der die Umweltabteilung des LIST leitet. Das System "PV-Forecast" kann stündliche Voraussagen Gemeinde für Gemeinde erstellen. Der Algorithmus wurde auf Grundlage von Luxemburger Daten entwickelt, aber er sei ganz einfach anderswo in Europa einsetzbar, betonte Hoffman.

Der Enovos-CEO Jean Lucius und der Präsident der Fondation Marc Solvi (2. v.l.) betonten die gute Zusammenarbeit mit der Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg Tonika Hirdman und dem Forschungsinstitut LIST und dessen Generaldirektor Gabriel Crean (v.l.n.r.).
Der Enovos-CEO Jean Lucius und der Präsident der Fondation Marc Solvi (2. v.l.) betonten die gute Zusammenarbeit mit der Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg Tonika Hirdman und dem Forschungsinstitut LIST und dessen Generaldirektor Gabriel Crean (v.l.n.r.).
Foto: Luc Deflorenne

Esch/Alzette ... simuliert

Im Oktober startet das LIST ein neues Projekt, das die Energiewende in Städten vereinfachen soll. Am Beispiel Esch/Alzette soll eine digitale Karte den städtischen Verantwortlichen helfen, den Energieverbrauch zu senken und die erneuerbaren Energien zu fördern.

Die Plattform "Secure" zeigt Haus pro Haus, wo Verbesserungen bei der Energieeinsparung möglich sind und auf welchen Dächern eine Solaranlage Sinn machen würde. Weitere Städte sollen nach und nach hinzukommen. Für dieses Projekt braucht es aufgrund der Datenmasse eine große Rechenleistung. Deshalb soll der Supercomputer zum Einsatz kommen, an dem das LIST beteiligt ist.

Allgemeinwohl und Eigennutz

Auch dieses neue Projekt fördert die Fondation Enovos mit 300.000 Euro über die nächsten drei Jahre. Die seit 2010 bestehende Stiftung hat sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben, wie der Präsident Marc Solvi ausführte.

Die beiden LIST-Projekte helfen bei der Energieversorgung des Landes, dienen also dem Allgemeinwohl. Doch sie passen auch zu den Interessen von Enovos: "Die Energiewende und die Digitalisierung sind zwei wichtige Elemente unserer Strategie", erklärte der Generaldirektor von Enovos International Jean Lucius.

Intelligente Stromnetze und erneuerbare Energien seien auch ein Thema in der Rifkin-Studie, betonte er. Hunderte Millionen Euro seien nötig, um die Rifkin-Strategie umzusetzen, glaubt er.

Noch stelle die Einspeisung von Strom der Solar- und Windanlagen kein Problem dar, weil die Anteil noch gering sei, sagte Lucius. Allerdings diskutiert das LIST mit Enovos bereits das System "PV Forecast" im Alltag einzusetzen. Die Plattform "Secure" könne helfen, das Potenzial von Solaranlagen besser einzuschätzen, erklärte Lucius.

Die Fondation Enovos investiert jährlich etwa 200.000 in die Förderung von erneuerbaren Energien über den Fonds Novanaturstroum und 100.000 in Umweltforschung, wie die beiden genannten Projekte. Dazu kommen 40.000 Euro für soziale Programme, erklärte Tonika Hirdmann, Generaldirektorin der Fondation de Luxembourg, die das Tagesgeschäft der Fondation Enovos leitet.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Rifkin-Studie: Die Zukunftsmacher
Im November wird der US-Politikberater Jeremy Rifkin seine Studie über Luxemburgs künftiges Wirtschaftsmodell vorstellen. In den letzten Monaten diskutierten 250 Akteure über seine Ideen – teils begeistert, teils skeptisch.
Jeremy Rifkin war im Mai in Luxemburg und hörte sich die Vorschläge der hiesigen Experten an.
Solarstrom: Vom Dach aufs Feld
Solarzellen war früher sündhaft teuer. Heute sind sie so billig geworden, dass Solarfelder von mehreren Hektar Sinn machen. Noch werden solche Anlagen in Luxemburg nicht gefördert, denn Fotovoltaik auf Dächern gilt als beste Lösung. Doch die Diskussion beginnt.
Fotovoltaikanlagen wie diese diesseits der Mosel gibt es in Luxemburg bisher nicht.
Erneuerbare Energien: Der Solarstrom vor dem Durchbruch
Ein neuer Boom der Fotovoltaik zeichnet sich ab. Es ist eine weitere Etappe in der wechselhaften Entwicklung in Luxemburg. Die Regierung hat eine neue Förderung beschlossen, doch es bleiben einige Hürden für jene, die auf die Energie der Sonne setzen wollen.
In Luxemburg braucht es zwei bis drei Jahre, bis eine Solaranlage die Energie erzeugt hat, die zur Produktion, dem Transport und der Installation der Module nötig war.