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Erleichterung im Friseursalon: "Wir sind ausgebucht"
Wirtschaft 4 Min. 11.05.2020

Erleichterung im Friseursalon: "Wir sind ausgebucht"

Immer mit Mundschutz: Im Friseursalon Tendrelle hat Luc Olinger alle Hände voll zu tun.

Erleichterung im Friseursalon: "Wir sind ausgebucht"

Immer mit Mundschutz: Im Friseursalon Tendrelle hat Luc Olinger alle Hände voll zu tun.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 4 Min. 11.05.2020

Erleichterung im Friseursalon: "Wir sind ausgebucht"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Nach acht Wochen wird in Luxemburgs Friseursalons trotz strenger Auflagen wieder gearbeitet.

Völlig aus der Form geratene Frisuren, versteckt unter Basecaps, oder der viel verspottete "Corona-Scheitel" nach einem missglückten Selbstversuch im Badezimmer. Nach acht Wochen Wildwuchs ist die Erleichterung bei den Luxemburgern groß: Die Friseure dürfen wieder arbeiten. Und auch die Inhaber und Angestellten der Salons atmen nach der Corona-Zwangspause durch: "Die Kundschaft ist da, wir sind in den kommenden Wochen ausgebucht", freut sich beispielsweise Simone Pires, die in Howald den Salon "Sim 1" betreibt.

Foto: Chris Karaba


Allerdings: Es gelten strenge Hygienevorschriften, die es nicht leichter machen, so die Inhaberin. Denn ohne Terminabsprache, Mund-Nasen-Maske, Trennwände und regelmäßigem Desinfizieren von Arbeitsmitteln und Frisierplätzen geht nichts. Und durch den notwendigen Abstand können auch weniger Kunden bedient werden. "Das wirkt sich natürlich nicht positiv auf den Umsatz aus", erklärt Simone Pires. "Während man etwa eine Haarfarbe 20 Minuten lang einruhen lässt, hätte man Zeit, dem nächsten Kunden die Haare zu schneiden oder ein Brushing zu machen. In der Damenabteilung stehen normalerweise sechs Stühle zur Verfügung, jetzt werden nur drei genutzt."

Traditionell haben Friseure an Montagen zwar geschlossen, aber viele haben darauf verzichtet, um den Kundenansturm bewältigen zu können. "Die Sonderöffnungszeiten sind durchaus positiv, aber dafür braucht man auch Mitarbeiter, die bereit sind, länger zu bleiben", relativiert Pires. "Friseure müssen während des Arbeitstags überwiegend stehen, in einem warmen Raum. Dazu kommt, dass wir bei der Arbeit stundenlang Masken und Gesichtsvisiere tragen müssen, das ist eine Herausforderung." 


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Dennoch freut sich Simone Pires, dass sie nach sieben Wochen wieder arbeiten darf. "Die Nachfrage ist sehr hoch. Seit letztem Montag war ich damit beschäftigt, alle Kunden zu kontaktieren, die seit dem 17. März eigentlich einen Termin gehabt hätten; ich musste nicht weniger als 650 Anrufe machen, um am ersten Arbeitstag etwas Freiraum zu haben, weil sonst das Telefon nicht eine Minute stillgestanden hätte."

Auch Anjana Studer, Geschäftsführerin des Intercoiffure La Coiffe in Leudelingen, ist erleichtert – endlich wieder öffnen, endlich wieder Einnahmen. "Wir haben den Vorteil, dass wir bereits vorher auf Termin gearbeitet haben. Das ist für uns keine große Umstellung. Neu ist, dass die acht Mitarbeiter jetzt in zwei Gruppen arbeiten. Der Friseursalon ist groß, wir haben uns aufgeteilt und können uns aus dem Weg zu gehen."

Beschränkungen beim Angebot gibt es derzeit keine, aber: "Ich hatte gleich morgens zwei Kundinnen, bei denen normalerweise eine Dauerwelle hätte gemacht werden müssen; wegen des Geruchs und der Maskenpflicht wollten es die Damen aber nicht. Aber ansonsten machen wir alles, auch Dienstleistungen nahe am Gesicht wie Rasieren oder Bartpflege. Dann schützen wir uns mit einem Gesichtsvisier – und sehen schön verkleidet aus", scherzt die Inhaberin.

Erleichterung auch für Kunden

Monica Martins betreibt einen Salon mit fünf Angestellten in Mertzig und freut sich wie ihre Kolleginnen, wieder arbeiten zu können: "Nach Wochen des Wildwuchses ist es eine Erleichterung für viele Kunden; alle sind begeistert und halten sich an alle Regeln." 

Für Kunden, die auf ihren Termin warten, hat sie den Eingang überdacht, damit sie nicht im Regen stehen. Und auch bei der Terminvergabe klappt es reibungslos: "Wir haben uns darauf eingerichtet, länger pro Tag und in Schichten zu arbeiten, um des Andrangs einigermaßen Herr zu werden. Aber natürlich haben wir weniger Kunden. Von den sechs Waschbecken werden nur drei genutzt." 

Wir haben mit dem Verband ausgemacht, dass wir pro Kunde bis zu drei Euro mehr verlangen können.

Corinne Lesch

Zudem wird es bei ihr in den ersten Wochen nach dem Neustart weder Dauerwellen noch Strähnchen geben, weil dann die Verweildauer der Kunden im Salon relativ hoch ist: "Das verstehen wirklich alle. Einige lassen sich jetzt erst mal die Haare schneiden und kommen dann in 14 Tage für die Strähnchen wieder."


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Mehrkosten werden weitergegeben

Stressig und ungewohnt, so beschreibt Corinne Lesch ihren ersten Arbeitstag in ihrem Salon in Moutfort. "Das Ganze zu koordinieren, ist nicht so einfach, man darf eben nicht so viele Kunden gleichzeitig im Laden haben. Aber wir kennen unsere Kunden, das macht es einfacher." Auch bei Corinne Lesch ist diese Woche voll ausgebucht. Dass Haarschnitte etwas teurer werden, bestreitet sie nicht. "Wir haben mit dem Verband ausgemacht, dass wir pro Kunde bis zu drei Euro mehr verlangen können." Denn die vorgeschriebenen Umbauten, Schutzwände, Schutzmasken oder Desinfektionsmittel müssen laut Lesch die Betriebe selbst bezahlen.

Auch Luc Olinger, Präsident des Friseurverbands, hat in seinem Salon in Esch/Alzette die Preise erhöht. "Wir haben viele Investitionen tätigen müssen, zum Schluss müssen wir die Kosten auffangen können." Zumal die Friseure noch die entgangenen Einnahmen der letzten Wochen verkraften müssen. 

Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen, wird es einigen endgültig das Genick brechen.

Luc Olinger

"Gleich am ersten Tag ist zwar alles sehr gut gelaufen, aber man kann nicht so viele Kunden bedienen wie vorher", beschreibt er die Situation. "Scheren und Bürsten kommen nach jedem Kundenkontakt ins Desinfektionsbad, auch der Sitzplatz wird nach jedem Kunden desinfiziert. Das alles kostet sehr viel Zeit und muss ausgeglichen werden." Der Aufschlag werde freilich zurückgenommen, sobald die Maßnahmen nicht mehr nötig seien, versichert er.

Luc Olinger sind keine Corona-bedingten Betriebsschließungen bekannt, aber: "Wenn wir keinen Schwung in das Geschäft bringen, kann ich mir vorstellen, dass einige schließen oder Personal entlassen müssen. Das Schwierigste im Moment ist, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht. Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen, wird es einigen endgültig das Genick brechen", davon ist er überzeugt.

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