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Energieversorgung: Enovos zu 70 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand
Wirtschaft 3 Min. 24.12.2015

Energieversorgung: Enovos zu 70 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand

Zusammen mit Stadt Luxemburg, SNCI und BCEE hält der luxemburgische Staat künftig die Anteilsmehrheit an der Holding des größten luxemburgischen Energieversorgers.

Energieversorgung: Enovos zu 70 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand

Zusammen mit Stadt Luxemburg, SNCI und BCEE hält der luxemburgische Staat künftig die Anteilsmehrheit an der Holding des größten luxemburgischen Energieversorgers.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 24.12.2015

Energieversorgung: Enovos zu 70 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand

Die beiden Aktionäre RWE und E.ON verkaufen ihre Anteile an ein Konsortium unter Führung des luxemburgischen Staates und Ardian. Die Stadt Luxemburg gehört dazu und verdoppelt ihren Anteil. Die BCEE steigt neu mit ein.

(aa) - Die beiden deutschen Enovos-Aktionäre RWE und E.ON wollten bereits seit März 2014 ihre Anteile an der luxemburgischen Energie-Holding Enovos International verkaufen. Beide besaßen zusammen gut 28 Prozent. Der luxemburgische Staat wollte hingegen Mehrheitsaktionär werden. Gut 43 Prozent gehörten zu diesem Zeitpunkt bereits der öffentlichen Hand (Staat, Stadt und Investitionsbank).

Stadt Luxemburg verdoppelt Anteil, BCEE steigt ein

Ende November wurde dann bekannt, dass RWE und E.ON die Offerte eines Konsortiums öffentlich-rechtlicher Investoren abgelehnt hatten. Wirtschaftsminister Etienne Schneider nannte damals keinen Preis, räumte aber ein, dass das Angebot deutlich unter jenen 567,2 Millionen Euro lag, die vor Monaten von der Agentur Reuters für die Gesamtheit der RWE- und E.ON-Anteile ins Spiel gebracht worden war.

Am Mittwochvormittag um 10 Uhr informierte Schneider nun über den Stand der Dinge bei den Verkaufsverhandlungen. Demnach werden RWE und E.ON ihre Anteile an ein Bieterkonsortium unter Führung des luxemburgischen Staates und Ardian verkaufen. Neuer Aktionär wird in diesem Zusammenhang die BCEE mit 12 Prozent. Der Staat hält künftig 28 Prozent, die SNCI 14,2, die Stadt Luxemburg 15,61, Ardian 25,48 und Engie ( vormals GdF Suez - Electrabel) 4,71 Prozent.

Transaktion im ersten Quartal 2016 geplant

Die Transaktion hängt noch von der Zustimmung des RWE-Verwaltungsrates, dem Stadtrat Luxemburg und der deutschen Wettbewerbshüter ab. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Anteile sollen im ersten Quartal 2016 transferiert werden.

„Die Stadt Luxemburg war unser erster und natürlicher Gesprächspartner bei der Bildung des Konsortiums zum Kauf des gesamten Aktienpakets von RWE und E.ON. Dann haben wir geprüft, welchen staatlichen Aktionär wir noch hinzunehmen können. Das wurde dann die Spuerkeess. Immerhin geht es hier um einen dicken Batzen Geld, der aufgebracht werden muss“, so Etienne Schneider.

Es gebe auch einen aktuellen Aktionär, der sich nicht beteilige, so Schneider. „Das ist Electrabel, die derzeit 4,71 Prozent halten, und ich gehe davon aus, dass diese Beteiligung irgendwann in den kommenden Jahren verkauft wird.“ Falls es einen industriellen Partner als Interessenten gäbe, wäre der Staat auch bereit, noch einige Prozent abzugeben. Im Moment laufen aber keine Diskussionen.“

Versorgungssicherheit soll jederzeit garantiert sein

„Die neue Konstellation bei Enovos bedeutet, dass der Staat direkt und indirekt ohne die Stadt bereits 54,2 Prozent hält. Mit der Stadt Luxemburg werden es dann knapp 70 Prozent. Die öffentliche Hand ist damit absoluter Mehrheitsaktionär“, so Schneider.

Zu den Beweggründen für den Kauf des RWE/E.ON-Aktienpaketes verwies der Wirtschaftsminister darauf, dass die im internationalen Vergleich relativ kleine Enovos in Zeiten der Energiewende einen starken Partner brauche, um Erfolg zu haben. Zudem müsse die Versorgungssicherheit in Luxemburg zu jeder Zeit garantiert werden können.

Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer sagte, es sei selbstverständlich gewesen, dass die Stadt hier mitmache. „Alles was die Versorgungssicherheit und Infrastrukturen unserer schnell wachsenden Stadt anbelangt, ist für uns elementar.“ Im Januar werde es hoffentlich eine große Zustimmung im Stadtrat geben.

„Die Regierung und die Stadt Luxemburg sind der Auffassung dass der Energiesektor zu wichtig ist, um ihn einfach der Privatwirtschaft zu überlassen“, so Schneider. Von einer Rückverstaatlichung mochte Schneider dann aber doch nicht sprechen. Enovos bleibe eine private Gesellschaft, aber mit mehrheitlich öffentlich-rechtlichen Eignern.

Enovos International ist die Holding an der Spitze des führenden luxemburgischen Energieversorgers. Unternehmensanteile besaßen bislang der luxemburgische Staat mit 25,44 Prozent, die Ardian (Axa Redilion ManagementCo S.C.A.) mit 23,48 Prozent, die RWE Energy Beteiligungsverwaltung GmbH mit 18,36 Prozent, die Société nationale de crédit et d’investissement mit 10,01 Prozent, die E.ON Ruhrgas International GmbH mit zehn Prozent, die Stadtverwaltung Luxemburg mit acht Prozent und die GdF Suez – Electrabel s.a. mit 4,71 Prozent.



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