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Energie vom eigenen Dach
Wirtschaft 3 Min. 04.10.2019

Energie vom eigenen Dach

Insgesamt wurden 2 800 Solarpanels auf dem Dach des Postgebäudes installiert.

Energie vom eigenen Dach

Insgesamt wurden 2 800 Solarpanels auf dem Dach des Postgebäudes installiert.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 04.10.2019

Energie vom eigenen Dach

Mara BILO
Mara BILO
Enovos und Post Luxembourg haben am Freitag die neue Photovoltaikanlage des Verteilungszentrums in Bettemburg eingeweiht.

Sei es durch Wasser, Sonne oder Wind – das Großherzogtum hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 elf Prozent seiner Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen zu schöpfen. Ein ambitiöses Ziel, denn: Angaben des europäischen Statistikamtes Statec zufolge ist Luxemburg mit 6,4 Prozent noch weit davon entfernt (Stand: 2017).


Inauguration of the ÒWattwayÒ, the new solar street equipped with solar collector cells in Belval. Belval, Luxembourg - 12. 11. 2018 photo: Matic Zorman / Luxemburger Wort
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Dennoch fördert die Regierung mittlerweile die Entwicklung bestimmter erneuerbaren Energiequellen, wie Photovoltaik – der technische Prozess, um Sonnenenergie in Stromenergie umzuwandeln. Wirtschaftsminister Etienne Schneider hatte im März 2018 eine Ausschreibung zur Errichtung von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als 500 Kilowatt angekündigt.

Darauf hat die Firma Enovos geantwortet: Der Energieanbieter installiert derzeit mehrere Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 13,9 Megawatt Peak, was dem Energieverbrauch von rund 3 400 Haushalten entspricht. Ein erstes Projekt wurde nun am Freitag in der Gewerbezone Krakelshaff in Bettemburg vorgestellt – auf dem Dach des Verteilungszentrums der Post hat Enovos 2 800 Solarpanels anbringen lassen.

Strom für 170 Haushalte

„Durch diese Installation können etwa 680 Megawattstunden Strom erzeugt werden“, freut sich Claude Seywert, der Chef der Encevo-Gruppe, zu der Enovos gehört, bei der Präsentation des Projektes im Postgebäude. „Dadurch kann der Bedarf von mehr als 170 Haushalten gedeckt werden.“

Die neue Photovoltaikanlage wurde auf dem Dach des Verteilungszentrums der Post in Bettemburg installiert.
Die neue Photovoltaikanlage wurde auf dem Dach des Verteilungszentrums der Post in Bettemburg installiert.
Foto: Post

Wie alle Verbraucher, die durch eine private Photovoltaikanlage Strom erzeugen, muss der auf dem Dach des Postgebäudes erzeugte Strom in das landesweite Stromnetz eingespeist werden, so Seywert. Damit sollte es aber bald vorbei sein; die Regierung hatte im März des vergangenen Jahres ein Gesetzesvorschlag vorgelegt, um Konsumenten die Möglichkeit zu geben, den selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen oder gar zu teilen. „Was den Gesetzesentwurf für den Verbrauch von persönlich erzeugter Energie betrifft, so erwarten wir die Stellungnahme des Staatsrates“, sagt Energieminister Claude Turmes.


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„Das Verteilungszentrum brauchte eine zweite Berufung“, erklärt Claude Strasser, Chef der Post, den Schritt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gebäudes zu installieren. Die Post habe die Dachfläche für einen „symbolischen Preis“ – wie es Strasser bezeichnet – für die Anlage zur Verfügung gestellt. Es ist dem Unternehmen wichtig, die Energiebilanz des Gebäudes in Bettemburg zu verbessern. „Wir legen insgesamt großen Wert darauf, dass unsere Neubauten sogenannte Null-Emissions-Gebäude sind“, sagt Strasser. Als Beispiel nennt er den zukünftigen Sitz im hauptstädtischen Bahnhofsviertel, dessen erster Spatenstich am Montag geplant ist: „Das Gebäude wird energietechnisch eines der besten in Luxemburg sein.“

Um den Aufbau der Solarpanels hat sich die Firma Paul Wagner et Fils gekümmert, die vor Kurzem von Enovos übernommen wurde. Dadurch war der Stromversorger seinerzeit in die Kritik der „Fédération des artisans“ geraten. Durch die Übernahme von Paul Wagner et Fils werde Enovos jetzt gleichzeitig Auftraggeber und Konkurrent, der darüber hinaus noch durch seine dominante Position eine konkurrenzverzerrende Situation schaffen könne, sowohl bei Privathaushalten als auch bei Großanlagen und öffentlichen Ausschreibungen, lautete die Kritik. Claude Seywert versicherte aber am Freitag, dass nur etwa die Hälfte der geplanten Großprojekte mit Photovoltaikanlagen von der Firma Paul Wagner et Fils übernommen wurden: „Wir haben für jedes Projekt eine europaweite Ausschreibung angekündigt“, so der Chef der Encevo-Gruppe. „Paul Wagner et Fils hat einige Projekte gewonnen, andere nicht.“ Weitere Photovoltaikanlagen sollen demnächst auf den Geländen von Firmen wie Cactus oder Panelux installiert werden.

Der Chef der Encevo-Gruppe Claude Seywert, der Direktor der Post Claude Strasser und Energieminister Claude Turmes (v.l.n.r.).
Der Chef der Encevo-Gruppe Claude Seywert, der Direktor der Post Claude Strasser und Energieminister Claude Turmes (v.l.n.r.).
Foto: Guy Jallay

Nächste Ausschreibung läuft

Die Regierung hat nach der Ausschreibung des vergangenen Jahres rund zehn Projekte erhalten, wie das Ministerium für Energie und Raumentwicklung auf Nachfrage erklärt. „Das Ziel ist, jedes Jahr zusätzliche 100 Megawatt Strom durch Photovoltaik zu erzeugen“, so der Energieminister Claude Turmes. Bis 2030 will er eine jährliche photovoltaische Energieproduktion von mehr als 1 000 Megawatt erreichen.

Um diesem Ziel nachzukommen, hat er im September bereits eine neue Ausschreibung für den Bau und Betrieb neuer, größerer Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 40 Megawatt veröffentlicht.


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