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Encevo verdient mehr trotz höherer Energiepreise
Wirtschaft 4 Min. 11.05.2022
Jahreszahlen

Encevo verdient mehr trotz höherer Energiepreise

Die Encevo-Gruppe ist mit einem kräftigen Gewinnzuwachs in das Jahr gestartet.
Jahreszahlen

Encevo verdient mehr trotz höherer Energiepreise

Die Encevo-Gruppe ist mit einem kräftigen Gewinnzuwachs in das Jahr gestartet.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 4 Min. 11.05.2022
Jahreszahlen

Encevo verdient mehr trotz höherer Energiepreise

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Die Preise für Gas und Strom sind 2021 explodiert. Wie wird das im laufenden Jahr weitergehen?

Die Encevo-Gruppe ist mit einem kräftigen Gewinnzuwachs in das Jahr gestartet. Der Nettogewinn habe im vergangenen Jahr mit 79,7 Millionen Euro wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht, teilte die Gruppe am Mittwoch mit. Vor einem Jahr hatte ein Gewinn von 38,2 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Das Ebitda steigt auf 238,6 Millionen Euro nach 223,3 Millionen Euro im Jahr 2020. Die Gruppe zeige damit „eine gute Leistung in einem Umfeld, das größtenteils von einer wirtschaftlichen Erholung geprägt ist“, sagte der Präsident des Verwaltungsrats, Marco Hoffmann. Das verkaufte Volumen von Gas ging 2021 um 12,45 Prozent zurück. Der Grund dafür liege vor allem an den abgebauten Volumina im Ausland, insbesondere in Belgien. Beim Strom liege der Anstieg bei 22,2 Prozent.

Die große Herausforderung war wie erwartet der Anstieg der Energiepreise, insbesondere der Erdgaspreise. Auf dem Großhandelsmarkt nach der Sommerpause schwankten die Preise um bis zu 500 Prozent des Vorjahresniveaus. Dank seiner Einkaufspolitik habe Enovos die Auswirkungen für die Kunden „in Grenzen halten können“, obwohl gegen Ende des Jahres Preiserhöhungen unumgänglich waren. Von Erik von Scholz, Mitglied des Exekutivkomitees, hieß es dazu, dass die Strompreise im Durchschnitt für die Kunden um 2,5 Prozent gestiegen seien, die Gaspreise um 50 Prozent. Durch die aktuelle geopolitische Lage bleibe die Stimmung auf den europäischen Großhandelsmärkten sehr angespannt und die Preise auf einem sehr hohen Niveau. 


ARCHIV - 23.11.2021, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Ein Drehstromzähler, aufgenommen in einem Haushalt. Mit einem Plus von 21,1 Prozent zum Vorjahr gehören die Stromkosten neben den Ausgaben für Kraftstoffe zu den Preistreibern auch in Mecklenburg-Vorpommern. 
(zu dpa-lmv: «Verbraucherpreise steigen weiter kräftig - Inflation bei 5,3 Prozent») Foto: Uli Deck/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Auch vor dem geopolitischen Hintergrund des Krieges in der Ukraine sei es derzeit „sehr schwierig“, Prognosen über die weitere Preisentwicklung zu erstellen. „Wenn man sich die Krise in der Ukraine und das derzeitige Niveau der Gaspreise ansieht, glauben wir nicht, dass es kurz- oder mittelfristig zu einer Senkung der Energiepreise kommen wird, wobei ein Anstieg nicht auszuschließen ist“, sagte Erik von Scholz.

Erik von Scholz, Claude Seywert, Marco Hoffmann, Marc Reiffers und Marc Schroeder (v. l.n.r.) ziehen eine positive Bilanz.
Erik von Scholz, Claude Seywert, Marco Hoffmann, Marc Reiffers und Marc Schroeder (v. l.n.r.) ziehen eine positive Bilanz.
Foto: Guy Jallay

Claude Seywert meinte dazu, dass „Energiesparen helfen kann“. „Die Perspektiven für den nächsten Winter können wir heute nicht geben und wir wissen nicht, wie hoch die Preise sein werden. Ich denke aber schon, dass sich die Menschen auch überlegen sollten, wie sie Energie sparen können. Das ist insgesamt für die europäische und luxemburgische Energieversorgung von entscheidender Bedeutung.“ 

Man werde nach dem Sommer Energiesparmaßnahmen vorstellen, um Kunden verstärkt dafür zu sensibilisieren; man sehe noch Potenzial nach oben, etwa bei kleinen und mittleren Unternehmen, sagte Erik von Scholz. Im vergangenen Jahr konnte landesweit bereits 181 Gigawatt Energie gespart werden. 4.755 Fälle von Energiesparmaßnahmen wurden im Rahmen des „enoprimes“-Programms bearbeitet.

Die Diskussionen über ein Gasembargo würden für Nervosität an den internationalen Märkten sorgen. Claude Seywert verweist darauf, dass Luxemburg Gas nicht direkt aus Russland importiere, die Encevo-Gruppe habe keine direkten Verträge mit Russland. Luxemburg importiere den Großteil seines Gasbedarfs aus Belgien. Aus dieser Sicht sei man hierzulande „sicher“. Entscheidend dabei sei aber die europäische Solidarität und „darauf haben wir keinen Einfluss“. Bilanzmäßig sei man insgesamt „gut aufgestellt“.

Encevo investiert Rekordsumme

Trotz hoher Unsicherheiten führe das Unternehmen die ambitionierte Investitionspolitik weiter. Rund 268 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr investiert, der größte Teil davon in die Netzaktivitäten. Diese Investitionen aufseiten von Creos betreffen vor allem die Modernisierung der Stromnetze, die Digitalisierung sowie die Infrastruktur für Elektromobilität. Das Netz der öffentlichen Ladestationen (Chargy, SuperChargy) sei weiter auf 538 Stationen gewachsen. Die Einführung der intelligenten Zähler sei abgeschlossen und werde zur Entwicklung intelligenter Netze beitragen. All diese Maßnahmen würden dazu beitragen, „die Energiewende weiterzubringen, die Encevo-Gruppe und das Land so aufzustellen, dass künftig die nationale Energieversorgung auf modernste Art und Weise gesichert ist“, so Marco Hoffmann.


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Weitere große Investitionsprojekte sind geplant, wie etwa das Projekt 380, bei dem eine neue Hochspannungsleitung gebaut werden soll, um die bestehende Infrastruktur zu ersetzen. Ebenso arbeiten Encevo und ihre Tochtergesellschaften, insbesondere Creos Deutschland, an Projekten zur Modernisierung der bestehenden Gasnetze, aber auch an der Frage, ob die Netze mehr grüne Gase aufnehmen können. 

Mehr grüne Energie

Im Bereich der erneuerbaren Energien stieg die installierte Produktionskapazität auf 374 MW, wovon etwa 184 MW auf Luxemburg entfielen. Die Produktion von Windenergie sei im vergangenen Jahr rückläufig gewesen. Ein Grund dafür sei – neben den Wetterbedingungen – die Tatsache, dass große Windkraftrepowering-Projekte laufen, das heißt, dass bestehende Windkraftanlagen abgebaut werden, ohne dass sie bereits durch neue, leistungsstärkere Anlagen ersetzt wurden. Solche Repowering-Projekte werden derzeit in Luxemburg durchgeführt und somit die Windenergiekapazität erhöhen. 

Die Photovoltaik-Kapazität habe sich in Luxemburg bis 2021 verdoppelt, insbesondere durch innovative Projekte wie die erste schwimmende PV-Anlage des Landes, ein Carport und die Erweiterung der größten „Ground-Mounted-Anlage“ sowie neue Aufdachanlagen. Erwähnt wurden ebenfalls neue Projekte in den Niederlanden sowie der erste Park eines großen PV-Projekts in Deutschland. Beim Übergang zu einer nachhaltigen Energiewelt seien in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen erforderlich, die Encevo-Gruppe verfüge über „eine solide Basis, um diese Herausforderungen zu bewältigen“. 

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