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Emirates: Nobelairline sucht Strategie

Emirates: Nobelairline sucht Strategie

Emirates: Nobelairline sucht Strategie

Emirates: Nobelairline sucht Strategie


von Marco MENG/ 29.10.2019

Im Aviation Center in Dubai wird das Bordpersonal von Emirates geschult.Foto: Marco Meng

Wiederholt als beste Airline der Welt ausgezeichnet, ist Emirates darauf bedacht, durch Service, Komfort und Luxus zu punkten - doch das allein reicht nicht mehr.

Puh, der erste Teil des Sicherheitstrainings ist geschafft. Die angehenden Flugbegleiter, Stewards und Stewardessen, und auch solche, die bereits seit Jahren in den Emirates-Maschinen mitfliegen und in regelmäßigen Wiederholungen das Sicherheitstraining absolvieren müssen, strömen zur Pause in die Kantine der Fluggesellschaft, nehmen sich ein Getränk oder ein Mittagessen. 

Manche wagen sich zum Rauchen hinaus in die Wüstenhitze auf den Balkon. In Blickweite der Burj Khalifa, der wie eine Nadel aus der Millionenmetropole Dubai heraussticht. 

Emirates hat etwa 23.000 Flugbegleiter. Die meisten davon Anfang 20. Sie kommen aus der ganzen Welt, aus Australien, aus Kenia, aus Island. Und sie alle leben in Dubai, dem Firmensitz: denn wer als Kabinenpersonal bei Emirates unterschreibt, muss auch in Dubai seinen Wohnsitz nehmen

Im „Emirates Aviation College“ üben die Flugbegleiter, was zu tun ist, wenn an Bord ein Feuer ausbricht oder im Falle einer Notlandung die Passagiere evakuiert werden müssen. Dazu hat die Airline drei Modelle ihrer Maschinentypen installiert, in denen möglichst echt Turbulenzen simuliert werden können. 

Neben dem Sicherheitstraining gehört auch das Service-Training dazu: eine Stewardess spielt Fluggast.
Neben dem Sicherheitstraining gehört auch das Service-Training dazu: eine Stewardess spielt Fluggast.
Foto: Marco Meng

Für neue Crewmitglieder ist das ein achtwöchiges Initialtraining. Auch das Servieren wird geübt – und der Umgang mit rüpelhaften Fluggästen. Zudem werden die Stewardessen und Stewards im Verkauf geschult, denn wie jede Airline bieten Emirates zollfreie Waren an, manche davon exklusiv für die arabische Airline hergestellt. 

Interessanterweise läuft dieses Geschäft besonders auf den Strecken in Afrika und Dubai-Karachi gut, wie zu erfahren ist. Wie viel Umsatz insgesamt damit gemacht wird, verrät Emirates allerdings nicht.  

Airline mit gehobenem Service 

Ein Flug mit Emirates ist etwas Besonderes: Keine andere Fluggesellschaft steht so für das, was Fliegen vielleicht einmal in den 1950er oder 1960er Jahre gewesen war: Luxus. Dazu gehört beispielsweise eine Speisekarte und ein Menü, wie man es aus sonst nur aus guten Restaurants kennt – statt in Plastikfolie eingeschweißtes Kantinenessen, das schnell in der Mikrowelle aufgewärmt wurde. 

Die Airline aus Dubai hebt sich dadurch von anderen ab – und ist seit dem Beginn vor dreißig Jahren mit inzwischen 270 Flugzeugen zu einer der größten Airlines weltweit gewachsen. Mit etwa 110 Maschinen hat sie auch die größten Flotte an Riesenfliegern A380. Gerade diese Riesenflieger sind jedoch auch Schuld daran, dass Emirates das Geschäftsmodell überdenken muss: denn dass Emirates, die größte Langstreckenfluggesellschaft der Welt, zuletzt einige A380 abbestellte, veranlasste Airbus, das Aus dieses Flugzeugtyps zu verkünden. 

Verschiedene Sitze der Business- und ersten Klasse.
Verschiedene Sitze der Business- und ersten Klasse.
Foto: Marco Meng

Emirates ist darum gezwungen, ihre Strategie zu überdenken. Immer wieder einmal wird auch von einer möglichen Fusion zwischen Emirates und Etihad, der anderen Fluggesellschaft aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, gemunkelt, was beide Unternehmen stets dementieren. Dubai (Emirates) und Abu Dhabi (Etihad) sind gerade einmal 150 Kilometer voneinander entfernt. 

Während Emirates erfolgreich den eigenen Hub Dubai ausbaute, – auch mit der Weltausstellung nächstes Jahr hofft man auf Millionen zusätzlicher Fluggäste -, scheiterten die Bemühungen von Etihad, Partnerschaften mit anderen Airlines als Zubringer aufzubauen. 

Auf der anderen Seite sind für Emirates die Kerosinkosten mit 32 Prozent an den Gesamtkosten der größte Einzelposten, den die Gesellschaft für den Betrieb aufwenden muss. Abu Dhabi hingegen besitzt Erdöl. 

Foto: Marco Meng

Lange waren die staatlichen Airlines vom Golf der Schrecken der Luftfahrtbranche. Als Emirates im Oktober 1985 mit einer geleasten Maschine von Dubai ins pakistanische Karachi flog, ahnte kaum jemand, wie rasant die Airline wachsen würde. 

Heute zählen zum Emirates-Konzern 52 Unternehmen mit zusammen 105 000 Mitarbeiter. Dazu gehört zum Beispiel auch dnata, einer der Dienstleister für mehr als 400 Fluggesellschaften weltweit, unter anderem für Bodenabfertigungen und Catering-Service. 

Dubai will mit Emirates wachsen 

Die Fluggesellschaft Emirates spielt eine Schlüsselrolle in der Strategie Dubais, die Wirtschaftssektoren Handel und Tourismus anzukurbeln. 

Emirates verbindet den Flughafen Dubai heute mit 156 Städten in 85 Ländern. - wobei Dubai selbst mit bis zu zehnmal geringeren Flughafengebühren wie Frankfurt am Main punktet. Der Flughafen Dubai kann dabei bis zu 300 Großraumflugzeuge gleichzeitig abfertigen. 

Im letzten Jahr transportierte Emirates 58 Millionen Passagieren. 2020 sollen es, auch mithilfe der Expo2020, 70 Millionen sein. Die Lufthansa Group beförderte letztes Jahr 142 Millionen Menschen; Luxair 2,1 Millionen. Auch im Cargogeschäft spielt Emirates eine große Rolle, beförderte doch Emirates SkyCargo letztes Jahr 2,7 Millionen Tonnen Fracht und gehört damit zu den führenden Frachtairlines. Zum Vergleich: Cargolux transportierte 1,05 Millionen Tonnen. 

Junge Flugbegleiter: Auf sie warten in der Kabine verschiedene Turbulenzen.
Junge Flugbegleiter: Auf sie warten in der Kabine verschiedene Turbulenzen.
Foto: Marco Meng

Bei transportierter Fracht in Milliarden Tonnenkilometern liegt Emirates nach FedEx sogar auf Platz 2, Cargolux auf Platz 8. Die Einnahmen des Emirates-Konzerns haben sich im Geschäftsjahr 2018-19 laut eigenen Angaben um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 27 Milliarden Euro erhöht, der Gewinn ist gleichzeitig aber um 44 Prozent auf rund 565 Millionen Euro geschrumpft. Im Airline-Geschäft selbst ging der Gewinn um fast 70 Prozent auf 214 Millionen Euro im Vergleich zum vorherigen Geschäftsjahr zurück. Grund waren unter anderem Investitionen in Höhe von etwa 3,6 Milliarden Euro, zum Beispiel in neue Flugzeuge. 

Passagierboom dank Weltausstellung

Während der Zeit der Weltausstellung überlegt die Gesellschaft, ihre Flugfrequenzen zu erhöhen und auch mehr Luxemburger transportieren. „Angesichts des erwarteten Verkehrsflusses, der während der Expo 2020 in Dubai eintritt, planen unsere Teams sorgfältig den potenziellen zusätzlichen Verkehr”, teilt die Gesellschaft auf Nachfrage mit. 

Zwar ist keine Direktverbindung in Planung – dazu ist die Kapazität ab Luxemburg zu gering – doch wer Business- oder 1. Klasse bucht ab Brüssel, der wird von einer eigenen Limousine am Wohnsitz abgeholt und zum Flughafen gebracht, von wo heute zweimal täglich eine Emirates nach Dubai startet – ausgestattet mit dem sogenannten „Game-Changer“, einer eigenen abschließbaren Suite der ersten Klasse. 

Wiederholt als beste Airline der Welt ausgezeichnet, ist Emirates darauf bedacht, durch Service, Komfort und Luxus für die Fluggäste die Konkurrenz auszustechen. Ein Aushängeschild des Landes sollte sie werden und ist das auch – selbst bei den Schwierigkeiten, die Emirates wie auch die Emirate gleichzeitig haben. Dass Luxus und Langstreckenriesen allein nicht reichen, haben die Scheichs in Dubai inzwischen auch erkannt, weswegen sie 2008 die Billigfluggesellschaft FlyDubai gründeten.


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