Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ellbogen und Küsschen
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 18.03.2020

Ellbogen und Küsschen

Frau mit Schutzmaske in Esch/Alzette.

Ellbogen und Küsschen

Frau mit Schutzmaske in Esch/Alzette.
Foto: Guy Wolff
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 18.03.2020

Ellbogen und Küsschen

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Irgendwann wird auch diese Krise vorbei sein. Eine Rückkehr zum gewohnten Level "Normal" ist nicht mehr möglich.

Jede Krise hat zwei Eigenschaften: a) Sie kommt unerwartet, und b) irgendwann ist sie vorbei. Auch die aktuelle Gesundheitskrise, die dabei ist, zu einer handfesten Wirtschaftskrise zu werden, wird eines Tages überstanden sein. 

Ob es dann wieder „business as usual“ heißt, steht auf einem anderen Blatt. Vieles deutet schon jetzt darauf hin, dass es keine Rückkehr zur bekannten Normalität mehr geben wird. Je länger die verordneten Beschränkungen dauern, desto mehr werden Gepflogenheiten und Gewohnheiten infrage gestellt. 

Um die Verbreitung des Virus zu stoppen, kommen alle Aktivitäten, die menschliche Interaktionen erfordern, zum Stillstand. Reisen sind abgesagt, Flugzeuge bleiben am Boden, Sportveranstaltungen finden nicht mehr statt, Hotels und Gaststätten sind ohne Gäste, Kinos und Theater ohne Publikum. Universitäten arbeiten mit Hochdruck am „Online Learning“. Ob in der Wirtschaft oder im sozialen Leben, alle schalten ein paar Gänge runter

Was aber, wenn die Krise vorüber ist, wenn bislang Selbstverständliches wieder möglich ist? Einiges wird wieder so sein wie gehabt. Fußball und Tennis sind nicht wegzudenken. Die Stadien werden aber vielleicht nicht mehr so voll sein wie eh und je. 

Warteschlange vor einer Apotheke in Esch/Alzette.
Warteschlange vor einer Apotheke in Esch/Alzette.
Foto: Guy Wolff

Gemeinsam feiern, dieses tief verwurzelte menschliche Bedürfnis, lebt mit Sicherheit wieder auf. Begrüßungen wird es immer geben. Nur eben mit Ellbogen statt Küsschen. Einiges kommt wieder ins Lot, vieles andere wird auf den Prüfstein gelegt. 

Zu den dauerhaften Verlierern könnten Kreuzfahrten gehören. Waren diese Luxushotels auf hoher See bislang beliebt, haben Passagiere mittlerweile erlebt, dass sie darin zu Tausenden auf engstem Raum zusammen gepfercht sind. 

Das Homeoffice erhält durch die Krise einen bleibenden Schub

Auch Geschäftsreisen dürften weniger werden, Videokonferenzen dagegen mehr. Musikfestivals, Messen? Wird es weiter geben, nur nicht mehr so häufig, schließlich bietet das Internet immer perfektere Möglichkeiten, Veranstaltungen und Produkte in Szene zu setzen. 

Bleibende Einrichtung, die durch die Krise einen enormen Schub erlebt, wird das Homeoffice sein. Für die meist zentral organisierten Luxemburger Unternehmen könnte sich der Zwang, ihre Mitarbeiter nach Hause zu schicken, auf Dauer als Segen erweisen. Das Großraumbüro hat sich als Geschäftsrisiko gezeigt, dezentralen Arbeitsweisen und flachen Hierarchien gehört die Zukunft. 

All diese Entwicklungen und Tendenzen gab es im Keim schon vor der Krise. Das Corona-Virus wirkt wie ein Beschleuniger – oder, für die, die es poetisch mögen, als Geburtshelfer des Neuen

Eine Krise hilft, vorher unentdeckte Bruchstellen offenzulegen

Noch nie war sich Luxemburg so seiner Abhängigkeit von den Frontaliers bewusst wie jetzt, wo Frankreich und Deutschland ihre Grenzen dicht machen. 


Corona-Virus, Geschlossene Spielplätze in Gasperich, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
Kommentar zum Corona-Virus: Die Party ist vorbei
"Bleift doheem": Die Botschaft von Premier Xavier Bettel ist unmissverständlich. Jetzt ist es überlebenswichtig, dass jeder diese Botschaft auch umsetzt.

Europas Industrie gerät in die Bredouille, weil die Fertigung von Ersatzteilen nach China ausgelagert wurde. Die ganze Welt steht vor der großen Frage, ob die Globalisierung bis zum Äußersten eigentlich eine verkappte Gefahr ist. 

Im Chinesischen setzt sich der Begriff für Krise aus zwei Schriftzeichen zusammen, „wei“ und „ji“. Wei wird mit „Gefahr“ übersetzt, ji hingegen mit „Gelegenheit“.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Corona: Grenzkontrollen mit Lücken
An der Grenze zu Rheinland-Pfalz ist es bisher zu 530 Zurückweisungen gekommen - vor allem an Hauptachsen. An kleineren Übergängen sind die Kontrollen nur sporadisch.
Lok , Autobahn Richtung Trier , hinter Wasserbillig , Raststätte Markusbierg , Deutsche Polizei kontrolliert Autos wegen Coronavirus , Sras-CoV-2 , und schickt alle nichtberechtigten zurück , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.