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Elektroautos: Die kommende Revolution
Wirtschaft 3 Min. 31.01.2017

Elektroautos: Die kommende Revolution

Das Reichweiteproblem der Elektroautos soll bald der Vergangenheit angehören.

Elektroautos: Die kommende Revolution

Das Reichweiteproblem der Elektroautos soll bald der Vergangenheit angehören.
Foto: Daimler AG
Wirtschaft 3 Min. 31.01.2017

Elektroautos: Die kommende Revolution

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Noch fehlt ein ordentliches Angebot an Elektroautos, so das Fazit von Experten. Gleichzeitig hat der Diesel-Abgasskandal eine Wende gebracht. Der Nachhaltigkeitsminister warnt gar vor dem Kauf eines Dieselautos.

Von Laurent Schmit

„Fahrer von Elektroautos kennen das Problem: die Reichweiten-Angst“, scherzt der deutsche Automobilexperte Stefan Bratzel. Zwar fahre ein Autofahrer durchschnittlich täglich kaum mehr als 50 Kilometer. Doch er will ein Auto, das mit einer Ladung 300 bis 500 Kilometer weit kommt – im Luxemburger Fall etwa ein Ausflug an die belgische Küste.

Genau daran krankt das aktuelle Angebot an Elektroautos aus der Sicht des Professors und Gründers des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Aufgrund einer mangelnden Auswahl an E-Modellen sei die Nachfrage ernüchternd: 2016 wurden weltweit nur knapp eine Million Elektroautos neu zugelassen – davon die Hälfte in China.

Elektromobilität muss Spaß machen.

2016 – ein entscheidendes Jahr

Doch die Wende steht bevor: Bei den Faktoren Reichweite, Preis und Infrastruktur gäbe es eine rasante Entwicklung, so Bratzel. Die Batterien der Elektroautos bestehen zum größten Teil aus Lithium. Der Preis dieses Metalls ist im Sinkflug. Deshalb könne die Autoindustrie künftig deutlich größere Batterien einbauen und damit die Reichweite erhöhen, ohne dass der Preis der Elektroautos steigt, betonte der grüne Europa-Abgeordnete Claude Turmes. Es brauche auch andere Modelle: "Elektromobilität muss Spaß machen", meinte Turmes.

Nachhaltigkeitsminister François Bausch stellte am Montag bei einer Konferenz von déi Gréng weitere steuerliche Anreize für Elektroautos in Aussicht.
Nachhaltigkeitsminister François Bausch stellte am Montag bei einer Konferenz von déi Gréng weitere steuerliche Anreize für Elektroautos in Aussicht.
Foto: Gerry Huberty

Luxemburg ist bei der Infrastruktur Vorreiter, wie Nachhaltigkeitsminister François Bausch ausführte. Bis 2020 steht ein öffentliches Netz von 800 Schnellladestationen. Es bestehe ein großes Interesse von Gemeinden und privaten Akteuren wie etwa Supermärkten, um selbst Ladesäulen zu errichten, so Bausch.

Der Nachhaltigkeitsminister stellte für 2018 weitere steuerliche Anreize für den Kauf von Elektroautos in Aussicht. Seit Januar gilt ein Steuerfreibetrag von 5.000 Euro.

Ich kann nur davor warnen, heute ein Dieselauto zu kaufen!

Die Zeichen für Elektroautos stehen demnach gut – umso mehr da der Abgasskandal das Vertrauen in die Verbrennungsmotoren tief erschütterte. „Die Dieselautos haben in den Innenstädten keine Zukunft“, sagte Claude Turmes. Falls Dieselautos die geltenden Stickoxid-Grenzwerte tatsächlich berücksichtigen würden, statt sie wie bisher mehr oder minder zu umgehen, dann würden sie deutlich teurer und mehr Sprit verbrauchen.

Noch drastischer formulierte es der grüne Minister Bausch: „Ich kann nur davor warnen, heute ein Dieselauto zu kaufen!“ Der Grund: In den nächsten drei bis fünf Jahren werden viele Städte ein Verbot für Dieselfahrzeuge einführen. Das habe drastische Konsequenzen für den Wiederverkaufswert.

Mittelfristig sei der Umstieg auf Elektroautos unumgänglich, meint Turmes. Um über das Verbot von Diesel-Neuzulassungen zu diskutieren, sei es noch zu früh. Erst müssten die Politik und die Industrie „ihre Hausaufgaben“ machen. Die Rifkin-Studie schlug vor, ab 2025 nur Neuzulassungen von Elektroautos zu ermöglichen.

Das (un)saubere Auto

„Elektroautos sind nicht per se besser für die Umwelt“, warnte jedoch Bartzel. Sie sind zwar gut für die Luftqualität in den Städten, aber sie sind nur gut für das Klima, wenn sie mit grünem Strom gefahren werden.

Claude Turmes forderte deshalb, dass die kommende EU-Richtlinie zu erneuerbaren Energien eine Verpflichtung enthält, dass eine steigende Anzahl von Elektroautos auch mit einem Ausbau der Kapazität von erneuerbarer Energie einher geht.

Dazu kommt das Problem der Rohstoffe. Lithium sei ausreichend vorhanden, doch nur ein Prozent des Hauptbestandteils der Batterien wird wiederverwertet. Das ebenfalls nötige Kobalt und Nickel stammt zu großen Teilen aus Konfliktregionen wie etwa dem Kongo, warnt Bartzel.

Der deutsche Professor Stefan Bratzel warnt vor einem großen Strukturwandel in der Autoindustrie und der Zuliefererbranche.
Der deutsche Professor Stefan Bratzel warnt vor einem großen Strukturwandel in der Autoindustrie und der Zuliefererbranche.
Foto: Gerry Huberty

Boom ab 2020

In den nächsten drei bis vier Jahren erwartet der deutsche Autoexperte wenig Bewegung im Markt der Elektroautos. Die Autoindustrie beginne erst die Modelle zu entwickeln. Die große Nachfrage in China setzt die westlichen Autohersteller unter Zeitdruck. Zudem plant die chinesische Regierung eine Elektroauto-Quote: 2020 sollen die E-Modelle 12 Prozent aller neuen Autos ausmachen.

Für 2025 erwartet Stefan Bartzel sich, dass ein Viertel der neuen Autos mit Strom betrieben werden. Ab 2030 könne sich die Entwicklung deutlich beschleunigen.

Für Länder mit einer großen Autoindustrie (oder Luxemburg mit seiner Zulieferindustrie) bedeute dies jedoch auch einen „riesigen Strukturwandel“, warnte der Professor. Die Wertschöpfung falle bei Elektroautos um ein Viertel geringer aus, weil sie deutlich weniger Teile enthalten und keinen teuren Verbrennungsmotor mit Abgassystem.


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