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Einkommensbericht: Wer verdient was am Luxemburger Finanzplatz?
Wirtschaft 3 Min. 06.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Einkommensbericht: Wer verdient was am Luxemburger Finanzplatz?

Wie hoch die Gehälter am Luxemburger Finanzplatz sind, bleibt schwer einzuschätzen – in den Berechnungen sind nicht die Boni und andere Nebenleistungen inbegriffen.

Einkommensbericht: Wer verdient was am Luxemburger Finanzplatz?

Wie hoch die Gehälter am Luxemburger Finanzplatz sind, bleibt schwer einzuschätzen – in den Berechnungen sind nicht die Boni und andere Nebenleistungen inbegriffen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 06.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Einkommensbericht: Wer verdient was am Luxemburger Finanzplatz?

Mara BILO
Mara BILO
Ein Einkommensbericht der weltweit aktiven Personalvermittlungsfirma Robert Half gibt Auskunft über die Gehälter am Luxemburger Finanzplatz.

Niemand redet gerne offen darüber und dennoch interessiert es die meisten – die Rede ist von Geld und wie viel am Ende des Monats auf dem Bankkonto landet. Luxemburg ist zwar international für seine hohen Löhne bekannt – doch so genau weiß niemand, wie viel der Nachbar verdient.

Die mit mehr als 300 Niederlassungen weltweit vertretene Personalvermittlungsfirma Robert Half hat nun das Thema aufgegriffen und gibt im jüngst veröffentlichten „Salary Guide 2020“ Auskunft darüber, wer am Luxemburger Finanzplatz was verdient. Immerhin ist der Finanzsektor einer der wichtigen Wirtschaftszweige des Landes; dem Einkommensbericht zufolge macht der Finanzplatz gar 36 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. „Der traditionelle Finanzdienstleistungssektor entwickelt sich weiter“, heißt es in der Studie. „Es wurden bemerkenswerte Fortschritte in neuen Bereichen wie die sogenannte grüne Finanz und die FinTechs gemacht.“


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Im Einkommensbericht der Personalvermittlungsfirma wird klar: Erfahrene Fachkräfte im operativen Bereich können mehr als 98 000 Euro im Jahr verdienen – das ist laut Studie der Fall für „Controller“; am Anfang ihrer Karriere verdienen sie weniger als 62 000 Euro. Dagegen erhalten 25 Prozent der Buchhalter („Accountant“) mehr als 48 000 Euro jährlich, fünf Prozent mehr als 54 000 Euro im Jahr.

Eindeutige Topverdiener gibt es bei den Führungspositionen. So verdienen fünf Prozent der Finanzdirektoren („Chief Financial Officer“ CFO) mehr als 140 000 Euro jährlich, 25 Prozent erhalten weniger als 85 000 Euro im Jahr. 25 Prozent der Accounting Manager verdienen weniger als 62 000 Euro jährlich, erfahrene Account Manager dagegen aber 96 000 Euro und mehr. Die Perspektiven für die Posten „Head of Controlling“ und „Finance Manager“ sind ebenfalls gut: 110 000 Euro und mehr können diese Führungskräfte pro Jahr am Ende ihrer Karriere verdienen. Dazu kommt: Boni, Nebenleistungen und andere Formen der Vergütung sind nicht in den Berechnungen inbegriffen.

Schwieriger Arbeitsmarkt

Die Gehälter steigen parallel zum günstigen Wachstum des Landes, wie die Studie betont. Das nationale Statistikamt Statec rechnet für das Großherzogtum mit einem Zuwachs von 2,4 Prozent im Jahr 2020. Auch die nationale Arbeitslosenquote ist im europäischen Vergleich sehr niedrig; den Hochrechnungen des Statec zufolge wird sie 2020 bei 5,3 Prozent liegen.


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Trotz günstigem Umfeld hebt die Personalvermittlungsfirma Robert Half hervor, dass der luxemburgische Arbeitsmarkt vor vielen Herausforderungen steht – allen voran der Fachkräftemangel. Damit „werden die Gehälter auch sicherlich in der Zukunft weiter steigen“, erklärt der Direktor der Luxemburger Niederlassung der Firma Robert Half, Joël Poilvache. „Luxemburg bleibt ein zentraler Finanzplatz und Talente gibt es hierzulande und in den Nachbarländen nur wenige.“ Besonders IT-Kenntnisse sind gefragt, und die Situation müsste sich künftig nicht verbessern: Laut Studie bieten nur ein Viertel der luxemburgischen Unternehmen ihren Mitarbeitern Schulungen zur Verbesserung der IT-Kenntnisse an.

Darüber hinaus zeigt die Studie, wie potenzielle Kandidaten auf Jobsuche am Luxemburger Finanzplatz punkten können. Neben einem Abschluss in Wirtschaft oder Finanzen müssen die Bewerber auch fließend Englisch, Deutsch und/oder Französisch sprechen und über immer mehr Berufserfahrung in den spezifischen Branchen des Finanzplatzes verfügen. Die Konkurrenz ist hart, so Amandine Bianchi, die für die Luxemburger Niederlassung der Firma Robert Half arbeitet: „Unternehmen sind zunehmend auf Bewerber aus dem Ausland angewiesen und müssen sich flexibel zeigen – sei es zum Thema Gehalt, Arbeitsstunden, Home-Office.“


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Zunehmend wichtig beim Einstellungsverfahren ist auch der sogenannte Quotient der emotionalen Intelligenz (EQ), wie aus der Studie hervorgeht. „Immer mehr Unternehmen berücksichtigen diese Fähigkeit“, erklärt Joël Poilvache. „Mitarbeiter mit einem guten emotionalen Quotienten sind in der Lage, Veränderungen am Arbeitsplatz sowie schwierige Situationen und Kollegen besser zu bewältigen. Und sie sind gute Manager.“


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