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Einjähriges Bestehen : "Meng Drogerie+ will die Marktlücke schließen"
Wirtschaft 4 Min. 09.06.2015

Einjähriges Bestehen : "Meng Drogerie+ will die Marktlücke schließen"

„Meng Drogerie +“ zählt heute 24 Läden und hofft, eine luxemburgische Stammkundschaft heranzubilden.

Einjähriges Bestehen : "Meng Drogerie+ will die Marktlücke schließen"

„Meng Drogerie +“ zählt heute 24 Läden und hofft, eine luxemburgische Stammkundschaft heranzubilden.
(Foto: Pierre Matgé)
Wirtschaft 4 Min. 09.06.2015

Einjähriges Bestehen : "Meng Drogerie+ will die Marktlücke schließen"

Nach Schlecker, der Drogeriekette, die mehr als zehn Jahre in Luxemburg aktiv war, musste vor knapp 18 Monaten auch ihr Nachfolger, Dayli, schließen. Den Neustart versucht nun seit einem Jahr „Meng Drogerie +“. Interview mit dem Geschäftsführer Dirk Kucht, der die Höhen und Tiefen der Schlecker- und Dayli-Zeiten selbst miterlebt hat.

Interview: Laurence Bervard

Im Januar 2014 schlossen die 28 Luxemburger Dayli-Filialen. Mit „Meng Drogerie +“ haben neue Investoren einige Monate später sämtliche Geschäftslokale übernommen und auch ein ähnliches Konzept aufgebaut. Die Geschäftsleitung hat Dirk Kucht übernommen.

Herr Kucht, ist das Resultat der neuen Drogeriefilialen für Sie nach einem Jahr zufriedenstellend?

Wir sind mit dem Stand, wie wir ihn jetzt zu unserem ersten Geburtstag haben, durchaus zufrieden. Blickt man auf das Jahr zurück, ist sicherlich festzustellen, dass wir in den ersten Monaten zu lange gebraucht haben, um ein wirklich gut funktionierendes Warensortiment für Luxemburg auf die Beine zu stellen. Für die Kunden in Luxemburg ist der Vergleich mit den Schleckergeschäften quasi obligatorisch. Das heißt, dass Kunden Erwartungshaltungen gegenüber dem Sortiment und den Preisen haben. Um dies gewährleisten zu können, haben wir die Lieferanten teilweise wechseln müssen. Dies hat, aus meiner Sicht und aus Sicht der Kunden, sicherlich dazu geführt, dass man zeitweise mit der Auswahl der Produkte so noch nicht ganz zufrieden sein konnte. Mittlerweile haben wir ein Sortiment, das mit Schlecker vergleichbar und teilweise noch größer ist. 

Wie schwer war es, nach dem Konkurs von Dayli eine neue Drogeriekette aufzubauen?

Dayli ist eine Episode, die uns als Neuunternehmen schon einige Mühe gekostet hat. Bei Dayli war die Eigentümerschaft in Österreich, d. h. es hat lange gedauert, bis sie eine reguläre Warenbelieferung nach Luxemburg hatten. Das Warensortiment war ähnlich wie bei Schlecker, aber vom Preis her zu hoch. Deshalb war das so, wie es in Luxemburg gelaufen ist, zum Scheitern verurteilt. Durch die finanziellen Schwierigkeiten war die Warenbelieferung zum Schluss ausgesprochen schlecht und Dayli ist in Konkurs gegangen. 

Für die Kunden in Luxemburg ist der Vergleich mit den Schleckergeschäften quasi obligatorisch."

Und dies hatte auch Konsequenzen für „Meng Drogerie + “...

Wenn Sie Läden mit leeren Regalen präsentieren und die Läden danach drei oder vier Monate gänzlich geschlossen sind, dann haben die Kunden natürlich viel Zeit gehabt, sich Alternativen zu suchen. Unsere Herausforderung ist es nun, diese Kunden zurückzugewinnen. Das Ziel haben wir noch nicht ganz erreicht und es bedarf noch vieler Mühe, um dahin zu kommen.

Dennoch hat es für Sie als neuer Geschäftsleiter sicher gewisse Vorteile, die Schlecker- und Dayli-Zeiten miterlebt zu haben, oder?

Ich habe das Wissen, um die Geschäfte, die zu guten Schlecker-Zeiten gemacht wurden, bei „Meng Drogerie +“ einzubringen. Dies war wichtig, um in Luxemburg überhaupt wieder einen Drogeriemarkt zu etablieren. Denn einen wahren Drogeriemarkt gab es nach dem Dayli-Aus nicht mehr. Mit dem Konzept und den historischen Zahlen, die zu SchleckerZeiten erzielt wurden, konnte ich Investoren von einer finanziellen Teilnahme überzeugen.

Ein wohlhabendes Land braucht einen Drogeriemarkt, so der Geschäftsführer von 
"Meng Drogerie+"
Ein wohlhabendes Land braucht einen Drogeriemarkt, so der Geschäftsführer von "Meng Drogerie+"
(Foto: Pierre Matgé)

Hatten Sie nach dem Dayli-Aus irgendwelche Unterstützung vom Insolvenzverwalter?

Der Insolvenzverwalter hatte sich Anfang 2014 vier Monate gegeben, um Investoren zu finden. Im Endeffekt hat das nicht geklappt. Wir haben die Dinge dann selbst in die Hand nehmen und uns sozusagen selbst helfen müssen, um einen Businessplan aufzustellen und die benötigte Liquidität aufzutreiben. Der Insolvenzverwalter hat allerdings die Mietverträge aufrechterhalten und hat diese an die neuen Investoren weitergegeben. Zusammen haben wir diese Verträge neu verhandelt. Für vier Standorte sind auch keine neuen Mietverträge abgeschlossen worden, was die unterschiedlichsten Gründe hat.

Das damalige Problem von Dayli lässt sich in zwei Wörtern resümieren: Preise und unzureichende Warenversorgung"

Besteht denn in Luxemburg überhaupt der Bedarf für eine Drogeriekette wie Ihre?

Luxemburg ist zwar ein kleines Land, aber ein vielfältiges. Ein wohlhabendes Land braucht einen Drogeriemarkt. Und der Kundschaft gefällt dies.

Gibt es einen Hauptunterschied zwischen „Meng Drogerie +“ und ihren Vorgängern?

Bei „Meng Drogerie +“ verkaufen wir gewisse Zusatzprodukte, die es weder bei Dayli noch bei Schlecker gegeben hat. Als Beispiel haben wir in unserem Geschäft an der Schmiede mit „Inglot“ einen Shop-in-Shop eröffnet. „Inglot“ ist eine Weltmarke der dekorativen Kosmetik, für die wir die Vertriebsrechte exklusiv für Luxemburg erworben haben. Wir werden sicherlich noch weitere „Inglot“-Shops eröffnen. In manchen Geschäften gibt es zudem, je nach Nachfrage, einige Snacks für die Mittagspause. Auch im Bereich Non-Food versuchen wir ein paar Marktlücken zu schließen und beispielsweise kleine Elektrogeräte und Haushaltsartikel anzubieten.

Sind Sie jetzt positiver eingestellt?

Wir haben versucht, das weiterzuführen, was Schlecker gut gemacht hat. Dadurch, dass wir einen Teil der alten Bezugsquellen benutzen konnten, haben wir jetzt viel bessere Preise als Dayli. Wir können jetzt als eigene luxemburgische Gesellschaft mit 24 Läden natürlich nicht die Preise anbieten, wie es Schlecker mit 1 000 Läden, oder ein DM über der Grenze. Aber wir versuchen, dem Kunden ein attraktives Angebot zu machen. Und es ist natürlich ein Rechenexempel. Wenn die Kunden nach Trier oder nach Perl zum Einkaufen fahren, kostet das ja auch Geld. Und wenn ich etwas im Land kaufen kann, selbst wenn es etwas teurer ist, ist es ja unter dem Strich immer noch günstiger.



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