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"Eine Lösung gegen Greenwashing"
Wirtschaft 3 Min. 20.06.2019

"Eine Lösung gegen Greenwashing"

Zwei kommen, einer geht: Denise Voss folgt Thomas Seale (r.) als Vorstandsvorsitzende. Sachin Vankalas (m.), bereits seit 2011 bei Luxflag, übernimmt Geschäftsführer-Verantwortung.

"Eine Lösung gegen Greenwashing"

Zwei kommen, einer geht: Denise Voss folgt Thomas Seale (r.) als Vorstandsvorsitzende. Sachin Vankalas (m.), bereits seit 2011 bei Luxflag, übernimmt Geschäftsführer-Verantwortung.
Pierre Matgé
Wirtschaft 3 Min. 20.06.2019

"Eine Lösung gegen Greenwashing"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Die unabhängige Labelling-Agentur LuxFlag garantiert Anlegern die ökologische Nachhaltigkeit von Investmentfonds.

Der Stellenwert von Umwelt- und Klimaschutz ist in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Auch bei der Geldanlage gewinnen neben den ökonomischen Erwartungen ökologische und soziale Kriterien an Bedeutung – die Rendite soll nicht nur finanziell attraktiv, sondern auch für ein gutes Gewissen gut sein.

Wie sehr diese Kombination inzwischen gefragt ist, zeigen die gestern vorgestellten Zahlen der Labelling-Agentur LuxFlag: Im Jahr 2018 ist die Zahl der von ihr mit einem Label versehenen Investmentfonds um 30 Prozent gestiegen, das verwaltete Fondsvermögen um mehr als 50 Prozent. Die Agentur spricht von einer „bisher nicht gekannten Dynamik“.

„Bemerkenswerte Fortschritte sind in den vergangenen Jahren erreicht worden“, freut sich der ausscheidende Präsident Thomas Seale, der gestern sein Amt an Denise Voss weitergegeben hat.

Die gemeinnützige Organisation LuxFlag wurde 2006 von sieben privaten und öffentlichen Mitgliedern gegründet. Als unabhängige Labelling-Agentur unterstützt LuxFlag die Finanzierung einer nachhaltigen Entwicklung, indem sie durch die Vergabe von Labels Klarheit für Investoren schafft, die ihr Geld in den Bereichen der Mikrofinanz, Umwelt, Klimafinanzierung, ESG (Environment, Social, Governance) und grüner Anleihen anlegen wollen. LuxFlag ist seit ihrer Gründung integraler Bestandteil der Luxemburger Investmentfondsbranche – die größte in Europa und weltweit nach den USA auf Platz zwei.

"Klarheit und Transparenz"

LuxFlag zertifiziert derzeit 63 ESG-Fonds, 32 Mikrofinanz-, neun Umwelt-, vier Klimafinanzfonds, sieben Fonds mit Antragstellerstatus sowie 21 grüne Anleihe-Fonds.

"Vier Trends unterstützen die positive Entwicklung der Branche", stellt der neue Geschäftsführer Sachin Vankalas fest, "das politische und öffentliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit, die Suche der Anleger nach nachhaltigen Finanzprodukten, die anstehenden regulatorischen Änderungen und das große Wachstumspotenzial – dies sorgt für eine enorme Dynamik am Markt."


Marc Bichler wurde 2014 von der luxemburgischen Regierung zum „Ambassadeur itinérant pour le changement climatique“ ernannt.
"Nachhaltige Entwicklung braucht nachhaltige Finanzierung"
Seit vier Jahren verfolgt Luxemburgs Regierung unter dem Schlagwort „Green Finance“ das Ziel, Investoren für weltweite Projekte im Klimaschutz unter einem Dach zu versammeln. Geleitet wird die Arbeitsgruppe von Marc Bichler.

Eine wichtige Rolle spielt aber auch ein anderes Phänomen: "Greenwashing". Gemeint ist die dunkle Seite der Nachhaltigkeit, auf die vor allem große Umweltsünder setzen, um Anleger bewusst in die Irre zu führen. Denn: Nicht alles, was sich ökologisch nennt, ist tatsächlich nachhaltig. Viele Unternehmen bemühen sich um ein grünes Image, ohne ernsthafte Interessen an nachhaltigen Geschäftsaktivitäten zu verfolgen.

"Je mehr Greenwashing, desto höher ist die Nachfrage nach zuverlässigen Labels", sagt Sachin Vankalas, "wir sind eigentlich eine Lösung, um Greenwashing zu bekämpfen. Gütesiegel von LuxFlag garantieren den Anlegern Klarheit und Transparenz."

Um ein LuxFlag-Label zu erhalten, muss ein Investmentfonds strikte Auswahlkriterien einhalten und sich einer internen detaillierten Kontrolle unterziehen. "Wir verlangen unter anderem die Offenlegung oder Einsicht in Dokumente über die detaillierten Prozesse und Investitionen des antragstellenden Investmentfonds", sagt Thomas Seale.

Zusätzlich zu der internen Analyse ist anhand der eingereichten Unterlagen die Überprüfung durch eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und unabhängige Auswahlgremien Voraussetzung. Diese Gremien setzen sich aus Akademikern, Analysten und Branchenexperten zusammen. "Wir schreiben strenge Kriterien vor. Wer diese nicht erfüllt, kassiert eine klare Absage", so Seale.

Dass die Europäische Kommission derzeit an nachhaltigen Kriterien für Investmentsfonds arbeitet, sieht er als eine positive Entwicklung. "Wie wir uns gegenüber den künftigen europäischen Kriterien positionieren werden, kann ich noch nicht genau sagen. Wir werden uns die europäischen Pläne genauer anschauen und versuchen eine Brücke zwischen beiden Modellen zu bauen."

"Werden immer internationaler"

LuxFlag hat sich bereits als internationale Labelling-Agentur einen Namen gemacht. Das luxemburgische Modell findet Anklang bei weltweiten Vermögensverwaltern, da die Labels für international vertriebene, regulierte Investmentfonds vergeben werden – unabhängig von ihrem Herkunfts- oder Ausgabeland.

LuxFlag zertifiziert bereits Investmentfonds aus Deutschland, Frankreich, Belgien Luxemburg und Irland. Das ursprüngliche Ziel der Luxflag-Idee, weltweit anerkannt zu sein, rückt dem Vernehmen nach näher: "Unser Handeln trägt allmählich Früchte, wir werden immer internationaler", freut sich Thomas Seale.


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