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Ein Sechs-Punkte-Plan für den Einzelhandel
Wirtschaft 2 Min. 12.11.2020

Ein Sechs-Punkte-Plan für den Einzelhandel

Ein Sechs-Punkte-Plan für den Einzelhandel

Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 12.11.2020

Ein Sechs-Punkte-Plan für den Einzelhandel

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Neuer Tarifvertrag, Moratorium für Einkaufszentren und Einfrieren der Gewerbemieten - das OGBL-Syndikat Handel will den von der Corona-Pandemie stark getroffenen Einzelhändlern entgegenkommen.

Das OGBL-Syndikat Handel macht in einem Sechs-Punkte-Plan deutlich, wo die Knackpunkte für die Branche liegen. Um die Arbeitsbedingungen zu harmonisieren und Sozialdumping zu vermeiden, fordert die Gewerkschaft die Aushandlung eines Branchentarifvertrags, der alle Kleinunternehmen abdeckt, die weniger als 50 Mitarbeiter beschäftigen. „Viele  Beschäftigte arbeiten in solchen Kleinbetrieben und fallen nicht unter einen Tarifvertrag“, bedauert Gewerkschaftssekretär David Angel. Die Deckungsrate der Tarifverträge im Einzelhandel liegt derzeit unter 40 Prozent.

Die Gewerkschaft fordert weiterhin ein dreijähriges Moratorium für neue Einkaufszentren. „Luxemburg verfügt über rund 1,2 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche und ist damit das führende europäische Land in Bezug auf die Verkaufsfläche pro Einwohner“, so Angel. Dabei schaden die vielen Einkaufszentren dem traditionellen Kleinhandel, und: die neuesten Einkaufszentren haben es derzeit schwer, die von ihnen gewünschte Kundschaft anzuziehen. Der OGBL schlägt daher ein dreijähriges Moratorium für alle Bauprojekte von neuen Einkaufszentren vor, um den „bestehenden Unternehmen eine Atempause zu verschaffen.“

David Angel, Zentralsekretär Handel
David Angel, Zentralsekretär Handel
Foto: Guy Jallay

Die Gewerkschaft verlangt zudem ein dreijähriges Einfrieren der Gewerbemieten, d.h. „die Gewerbemieten dürfen in diesem Zeitraum nicht erhöht werden“, sagt David Angel und erinnert daran, dass die Mieten in Luxemburg derzeit bis zu 180 Euro pro Quadratmeter erreichen können.

Ein weiterer Punkt betrifft die Ausgabe von öffentlichen Gutscheinen, um „den Verbrauch in krisengeschüttelten Branchen wie etwa die Horesca zu unterstützen“. Konkret würde jeder in Luxemburg tätige Arbeitnehmer einen von der Regierung ausgestellten Konsumgutschein erhalten, der in einem luxemburgischen Einzelhandel ausgegeben werden kann.

Ein „Zukunftsdësch Commerce“  

Weiter fordert die Gewerkschaft einen sektoralen Plan zur Erhaltung der Arbeitsplätze, um die negativen Auswirkungen der Krise auf die Beschäftigung im Handel zu minimieren.

Schließlich fordert die Gewerkschaft klar geregelte Arbeitszeiten für alle Beschäftigte im Einzelhandel. „Für uns ist eine weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten und damit auch der Arbeitszeiten nicht hinnehmbar“, so der Gewerkschaftssekretär.


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Die sechs Vorschläge sind Teil der Kampagne „Eise Commerce, eis Aarbechtsplazen, eis Zukunft“ die am heutigen Donnerstag gestartet wurde. Die Lage der Einzelhändler hat sich durch die Corona-Krise verschärft, betont David Angel. Die Gefahr bestehe, dass sich der Leerstand in vielen Innenstädten beschleunigt und der Handel weiter an Attraktivität verliert. Es sei „jetzt der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden“. Rund 25.000 Menschen arbeiten in der Branche. „Wir wollen diese Arbeitsplätze langfristig sichern.“

Zusätzlich zu diesen sechs Vorschlägen fordert der OGBL die Einrichtung eines „Zukunftsdësch Commerce“, um zusammen mit anderen Akteuren, den zuständigen Ministerien und den Arbeitgebern, im Rahmen des sozialen Dialogs, über Lösungen für die gegenwärtige Krise zu diskutieren und die Zukunft des Luxemburger Handels zu sichern. „In diesem Rahmen werden wir unter anderem ein Treffen mit Arbeitsminister Dan Kersch und Mittelstandsminister Lex Delles anfragen“, so Angel.

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