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Ein Kampfjet für Europa
Wirtschaft 15 2 Min. 26.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Ein Kampfjet für Europa

Jets der spanischen Patrulla Aguila fliegen auf der Internationalen Luftfahrtaustellung ILA ein Element ihrer Flugshow.

Ein Kampfjet für Europa

Jets der spanischen Patrulla Aguila fliegen auf der Internationalen Luftfahrtaustellung ILA ein Element ihrer Flugshow.
Foto: dpa
Wirtschaft 15 2 Min. 26.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Ein Kampfjet für Europa

Zum Start der Luftfahrtmesse ILA vereinbaren die Konzerne Airbus und Dassault eine Kooperation für ein neues Kampfflugzeug. Es könnte das Mega-Rüstungsprojekt der kommenden Jahrzehnte werden.

(dpa) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch die Luftfahrtmesse ILA bei Berlin eröffnet. Rund 1.100 Aussteller zeigen bis Sonntag zum Beispiel Flugzeuge, Drohnen, Flugtaxis und Raketentechnik. Frankreich ist in diesem Jahr Partnerland der Messe, die neben Farnborough und Le Bourget als drittgrößte Luftfahrtmesse Europas gilt.

Nach den Fachbesucher-Tagen öffnet die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) am Samstag für Privatleute. Insgesamt werden 150.000 Besucher auf dem Messegelände in Schönefeld erwartet, wo 200 Fluggeräte stehen. Themen sind Kerosinsparen, elektrisches Fliegen und Flugtaxis. Auch mehrere Rüstungskonzerne stellen aus.

Angela Merkel will die militärische Zusammenarbeit in Europa vertiefen. „Wir beschaffen gemeinsam Luftfahrzeuge, wir bilden gemeinsame Staffeln, wir führen gemeinsame Auslandsmissionen durch“, sagte sie mit Blick auf die Partnerschaft mit Frankreich. „Daher ist es nur konsequent, wenn wir auch Ausbildung und Betrieb gemeinsam gestalten.“

Die Flugzeugbauer Airbus und Dassault vereinbarten nun eine Kooperation zum Bau eines neuen europäischen Kampfjets. Die beiden Firmen hätten ein Abkommen zur Entwicklung und Produktion von Kampfflugzeugen der nächsten Generation geschlossen, erklärten Dassault-Chef Eric Trappier und Airbus-Rüstungsvorstand Dirk Hoke.

Industrie reibt sich schon die Hände

Die deutsche Kanzlerin sieht darin einen kräftigen Schub für Europa. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach gar von einer „Revolution“. Und auch die Industrie reibt sich schon die Hände. „Das wird viel mehr als nur ein neues Flugzeug“, verkündet Airbus-Rüstungsvorstand Dirk Hoke.

Am Ende soll nicht nur ein einzelner Kampfflieger stehen, sondern ein fliegendes Gesamtsystem, das auch Drohnen und Satelliten steuern kann. Die Rede ist bereits vom besten Flugzeug der Welt. Die Konzerne Airbus und Dassault wollen den Kampfjet bauen und den amerikanischen Wettbewerbern damit Paroli bieten.

Letzter Versuch scheiterte in den 1980er Jahren

Merkel und Macron hatten sich bereits im Juli 2017 auf die Zusammenarbeit verständigt. Bislang gehen die engen Partner auf diesem Feld getrennte Wege. Der letzte ähnliche Versuch war in den 1980er Jahren geplatzt, als Frankreich bei der Entwicklung des Eurofighter-Jets nicht mitzog. Stattdessen entwickelten die Franzosen das Rafale-Flugzeug. Das neue System soll beide Flotten ersetzen.

Seit Jahren gibt es Forderungen, dass Paris und Berlin bei großen Rüstungsprojekten an einem Strang ziehen sollen - schon allein, um die enormen Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen. Der Markt auf dem Kontinent sei zu klein für zwei oder drei verschiedene Systeme, wird argumentiert. Befürworter halten es zudem für notwendig, dass Europa strategisch unabhängig bleibt.

Merkel zitiert Jules Verne

Bei der Eröffnung der ILA zitierte Merkel den französischen Schriftsteller Jules Verne. Er habe im 19. Jahrhundert geschrieben: „Alles, was ein Mensch, sich vorzustellen vermag, werden andere Menschen verwirklichen können“. Daraus spreche viel Zutrauen in die Gestaltungskraft des Menschen. „Und in der Tat. Was früher utopisch erschien, das ist heute Realität“.

Vor der Entwicklung eines neuen Kampfjets hat Airbus diese Woche auch den Eurofighter in Stellung gebracht, um das in die Jahre gekommene Kampfflugzeug Tornado bei der Bundeswehr ab 2025 abzulösen. Dafür sind auch amerikanische Modelle im Gespräch. Es geht um 90 Flugzeuge.

Boeing buhlt um Milliardenauftrag

Auch Boeing buhlt um einen milliardenschweren Auftrag der deutschen Luftwaffe und nimmt beim Lasthubschrauber H-47 Chinook deutsche Partner an Bord. Zehn Firmen sollen bei Auslieferung, Wartung und Training zum Zug kommen, sollte Deutschland Boeing den Auftrag geben.

Um den Auftrag für mindestens 45 Exemplare eines neuen Schwerlasthubschraubers bemüht sich auch der Rüstungskonzern Rheinmetall gemeinsam mit dem US-Helikopter-Produzenten Sikorsky.



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The aerobatic demonstration team of the Spanish Air Force "Patrulla Aguila" performs during an airshow at the International Aerospace Exhibition (ILA) in Berlin Sch�nefeld on April 28, 2018.
According to the organisers, over 1,000 exhibitors are showcasing their expertise � from civil aviation to defense, security and space, and from major corporations to highly specialized suppliers. The fair is running from April 25 to 29, 2018. / AFP PHOTO / Tobias SCHWARZ