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Ein Exoskelett für das Rehazenter: Dank Robotik wieder auf den Beinen
Wirtschaft 3 Min. 19.02.2020

Ein Exoskelett für das Rehazenter: Dank Robotik wieder auf den Beinen

Die französische Firma Wandercraft verkauft Exoskelette unter dem Namen „Atalante“.

Ein Exoskelett für das Rehazenter: Dank Robotik wieder auf den Beinen

Die französische Firma Wandercraft verkauft Exoskelette unter dem Namen „Atalante“.
Foto: Wandercraft
Wirtschaft 3 Min. 19.02.2020

Ein Exoskelett für das Rehazenter: Dank Robotik wieder auf den Beinen

Mara BILO
Mara BILO
Es kann jeden treffen: Ein tragischer Unfall endet mit einer Querschnittslähmung. Dennoch ist es für betroffene Menschen möglich, wieder ein paar Schritte zu gehen – und zwar dank sogenannter Exoskelette. Das Rehazenter hat nun ein solches medizinisches Produkt von der französischen Firma Wandercraft erworben.

Gehen trotz Lähmung: Wunschdenken für viele Menschen, und doch möglich dank sogenannter Exoskelette – damit sind „mechanische, maschinelle, sprich: robotische Stützstrukturen“ gemeint. Das „Centre national de rééducation fonctionnelle et de réadaptation“ (Rehazenter) in Luxemburg hat nun vor Kurzem ein solches medizinisches Produkt gekauft – und es bereits für erste Patienten verwendet.

Die Medizintechnik der Zukunft kommt aus Frankreich: Dort wurde das Exoskelett von der Firma Wandercraft entwickelt. Die Firma mit Sitz in Paris beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter. Gegründet wurde Wandercraft im Jahr 2012 von drei Ingenieuren, die damals gerade ihr Studium bei der weltweit angesehenen Ecole Polytechnique abgeschlossen hatten: Nicolas Simon, Alexandre Boulanger und Matthieu Masselin. Letzterer kam erst 2013 dazu, sechs Jahre später übernahm er die Rolle des Geschäftsführers.

Matthieu Masselin ist der Geschäftsführer der französischen Firma Wandercraft.
Matthieu Masselin ist der Geschäftsführer der französischen Firma Wandercraft.
Foto: Wandercraft

Den drei Freunden kam die Idee eines Exoskeletts schon während der Studienzeit – Boulanger hatte sich bei der französischen Elitehochschule auf Mechanik konzentriert, Simon auf Elektronik, Informatik und Künstliche Intelligenz. „Uns ist aufgefallen, dass es für Menschen, die nicht mehr gehen können, keine guten Alternativen gab. Und das, obwohl schon viele technologische Fortschritte gemacht wurden – insbesondere im Bereich der Robotik“, erklärt Geschäftsführer Masselin.

Die erste Version des Exoskelettes, das die Firma unter dem Namen „Atalante“ verkauft, erhielt die sogenannte CE-Kennzeichnung im vergangenen Jahr. Dabei handelt es sich um ein europaweites Prüfzeichen, das darauf hinweist, „dass ein Produkt alle EU-weiten Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz erfüllt“, so heißt es offiziell. Damit darf „Atalante“ auf dem europäischen Markt verkauft werden – der Preis für ein solches Produkt liegt zwischen 100 000 Euro und 250 000 Euro.

Spende der Wonschstär-Stiftung

Die Zusammenarbeit mit dem Rehazenter fing Ende 2018 an: Damals war „Atalante“ noch nicht auf dem Markt. „Der Zertifizierungsprozess war zu diesem Zeitpunkt quasi abgeschlossen“, erinnert sich Masselin. Ein weiterer Termin fand ein paar Monate später statt; das Rehazenter erklärte sich bereit, ein Exoskelett für die Patienten in Luxemburg zu erwerben. Ende Dezember des vergangenen Jahres war es dann so weit: Die Firma verkündete den Verkauf – damit hat das junge Unternehmen den ersten Kunden außerhalb von Frankreich gewonnen. Zu den großen Kunden von Wandercraft zählen bekannte Gesundheitszentren wie Kerpape und Pionsat.


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Der Erwerb des Exoskeletts vom Rehazenter wurde durch die Wonschstär-Stiftung unterstützt. Die Stiftung investierte einen „beträchtlichen Betrag, der größtenteils durch private Mittel aufgebracht wurde“, wie Wandercraft erklärt. Die Fondation Wonschstär setzt sich in Luxemburg für schwer kranke, behinderte und sozial benachteiligte Menschen ein.

Erste Patienten

Seit einer Woche ist das Exoskelett nun im Rehazenter in Gebrauch; das Team dort, das mit „Atalante“ arbeitet, wurde von der Herstellungsfirma eigens geschult. Zwei Patienten konnten bereits mit dem Gerät physiotherapeutisch behandelt werden – eine Sitzung wird wie eine reguläre Physiotherapiebehandlung von der Krankenkasse abgerechnet.

„Das Exoskelett ist anpassbar, jeder Patient kann mit diesem Modell behandelt werden“, erklärt Wandercraft-Geschäftsführer Masselin. Um das medizinische Produkt einstellen zu können, müssen die Mitarbeiter des Rehazenters bestimmte Patientendaten an Wandercraft schicken – darunter Angaben zum Gewicht, zur Größe und zur Beweglichkeit des Patienten. „Die erfassten Informationen sind anonymisiert“, betont Masselin. „Auf Basis dieser Angaben werden dann individuelle, patientenspezifische Algorithmen generiert, die die Benutzung des Exoskeletts möglich machen.“

Das Besondere an „Atalante“: „Im Gegensatz zu anderen Exoskeletten ist das von Wandercraft entwickelte Modell in der Lage, für das Gleichgewicht der Patienten zu sorgen“, so Masselin. Damit sind weder zusätzliche Krücken noch ein Rollator notwendig. „Das macht einen großen Unterschied für Patienten“, bestätigen auch Gesundheitsexperten.

Medizin der Zukunft

Derzeit steht das Exoskelett „Atalante“ für Patienten in Luxemburg nur im Zusammenhang mit einer Physiotherapiebehandlung im Rehazenter zur Verfügung. „Das vermarktete Modell kann vorerst nur in einem Gesundheitszentrum verwendet werden“, sagt Matthieu Masselin. Seine Firma forscht jedoch an einer neuen Generation von Exoskeletten – diesmal für den Gebrauch zu Hause. „Diese Produkte müssen auf eine andere Umgebung eingestellt werden.“

Für das Rehazenter steht der Erwerb eines weiteren Exoskeletts noch nicht zur Diskussion. In Luxemburgs Nachbarländern Belgien und Deutschland erregt „Atalante“ allerdings schon Aufmerksamkeit; Wandercraft-Geschäftsführer Masselin bestätigt, dass erste Kontakte mit Gesundheitszentren dort aufgenommen wurden. Und: Jenseits des Atlantiks konnte Wandercraft auch schon überzeugen; zwei US-Forschungszentren – darunter das renommierte „California Institute of Technology“ (Caltech) in Los Angeles – haben jeweils ein „Atalante“-Exoskelett gekauft.

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