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„Ein effizientes Management muss jederzeit gewährleistet sein“
Wirtschaft 2 Min. 15.03.2012

„Ein effizientes Management muss jederzeit gewährleistet sein“

Marc Hoffmann

„Ein effizientes Management muss jederzeit gewährleistet sein“

Marc Hoffmann
Marc Wilwert
Wirtschaft 2 Min. 15.03.2012

„Ein effizientes Management muss jederzeit gewährleistet sein“

Das „Luxemburger Wort“ sprach mit dem Präsidenten des Cargolux-Verwaltungsrats, Marc Hoffmann, über den nicht ganz unerwarteten, aber dennoch aufsehenerregenden Wechsel an der Spitze des Frachtunternehmens.

Herr Hoffmann, warum trennt sich Cargolux von Herrn Ogiermann?

Ulrich Ogiermann bleibt bei der Gesellschaft angestellt. Er wird „special advisor“. Die Entscheidung, ihn von seinem bisherigen Posten abzulösen, wurde vom Verwaltungsrat in Einvernehmen mit Herrn Ogiermann getroffen. Nach der Anklageerhebung gegen ihn am 28. Oktober in Miami war es klar, dass es ihm nicht mehr möglich sein würde, seine Aufgaben als CEO wahrzunehmen, und zur gleichen Zeit sich um seine Verteidigung in den Vereinigten Staaten so zu kümmern, wie es nötig ist. Ein effizientes Management von Cargolux muss jederzeit gewährleistet sein.

Es waren also nicht die Kartell- affären an sich, sondern die Anklageerhebung, die zur Ablösung des CEOs führten?

Erst von dem Augenblick an, an dem es eine Anklage gab, wurde es nötig, zu handeln. Ohne Anklage wäre Herr Ogiermann nicht mit seiner Verteidigung beschäftigt.

Ulrich Ogiermann ist nicht allein angeklagt. Wie steht es um die berufliche Zukunft von Verkaufschef Robert Van de Weg?

Herr Van de Weg ist Leiter einer Abteilung. Seine Verantwortung ist bei weitem nicht mit der von jemandem zu vergleichen, der in der ersten Reihe steht. Robert Van de Weg ist durch die Anklageerhebung nicht im gleichen Maß in seiner Handlungsfähigkeit als Manager eingeschränkt wie Ulrich Ogiermann.

Cargolux hat sich gegenüber dem Justizministerium in Washington schuldig bekannt und die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 119 Millionen Dollar akzeptiert. Wenn die Gesellschaft sich schuldig bekennt, dann sind es ihre Manager doch auch? Wozu also der Prozess in Miami?

Teil der Vereinbarung und des Schuldeingeständnisses vom April 2009 war eine Amnestie für alle Mitarbeiter der Cargolux, mit Ausnahme von vier – darunter Ulrich Ogiermann und Robert Van de Weg. Ein derartiges Schuldbekenntnis ist in den USA eine übliche Vorgehensweise. Es handelt sich um eine rein prozedurale Frage, bei der es für eine Firma um die Vorhersehbarkeit geht. Ein Gerichtsprozess birgt Unwägbarkeiten und Risiken, die sich nicht abschätzen lassen. Unser Eingeständnis erfolgte aus rein pragmatischen Überlegungen. Mit einer Schuld der Firma, und mit persönlicher Haftbarkeit einzelner Personen hat das nichts zu tun.

Ist Herr Reimen der Mann, den die Cargolux jetzt im Cockpit braucht? Müsste der Chef einer Frachtairline nicht ein ausgewiesener Experte im internationalen Cargo-Geschäft sein?

Frank Reimen ist in meinen Augen ein Mann, dessen Fähigkeiten außer Frage stehen. Er verfügt über eine langjährige Erfahrung und über ein profundes Insider-Wissen in der Luftfahrt. Zudem hat er die Entwicklung der Cargolux in den letzten Jahren nahe begleitet. Als Mitglied des Verwaltungsrats hat er an wichtigen Entscheidungen, bei denen die Zukunft der Cargolux vorbereitet wurde, mitgewirkt. Während der Wirtschaftskrise mussten wir 2008 eine komplexe Restrukturierung des Kapitals vornehmen. Frank Reimen hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Kapitalerhöhung ein Erfolg wurde. Für mich ist er ein ausgezeichneter Kandidat. Wir freuen uns darüber, dass er diese Herausforderung annehmen will.

Herr Reimen ist Staatsbeamter. Seine Nominierung erfolgte doch sicherlich auch aus politischen Erwägungen?

Herr Reimen wurde nicht von der Regierung auf seinen Posten beordert. Er wird CEO, weil er ein hervorragend geeigneter Kandidat für diese Aufgabe ist. Das ist meine Meinung, und auch die des ganzen Verwaltungsrats.