Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Ein Diplom bekommen, ohne die Schulbank zu drücken
Wirtschaft 3 Min. 12.10.2016 Aus unserem online-Archiv
VAE-Verfahren macht es möglich

Ein Diplom bekommen, ohne die Schulbank zu drücken

Jeder kann durch das VAE-Verfahren ein Diplom in Angriff nehmen.
VAE-Verfahren macht es möglich

Ein Diplom bekommen, ohne die Schulbank zu drücken

Jeder kann durch das VAE-Verfahren ein Diplom in Angriff nehmen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 12.10.2016 Aus unserem online-Archiv
VAE-Verfahren macht es möglich

Ein Diplom bekommen, ohne die Schulbank zu drücken

Für ein Diplom ist es nie zu spät. Denn auch wer berufstätig ist, kann seine Qualifikationen dokumentieren und anerkennen lassen. VAE-Verfahren sei Dank.

Eine Dame wartet im Konferenzraum der Chambre des Salariés. Sie arbeitet im Finanzbereich, hat während ihrer Karriere jede Menge Erfahrungen gesammelt – das einzige was ihr fehlt, ist ein Diplom. „Ich bin wirklich schon lange in meinem Beruf tätig und kann jahrelange Berufserfahrung nachweisen. Doch ich habe keinen offiziellen Schulabschluss – und das wurde mir schon oft zum Verhängnis“, so die Frau. Vielleicht hätte sie mit einem Diplom ganz andere Möglichkeiten gehabt.

Deshalb spielt sie jetzt mit dem Gedanken, sich ihre Kompetenzen anerkennen zu lassen und ein VAE-Verfahren (Validation des acquis de l'expérience) anzugehen.

Kompetenzen sollen endlich anerkannt werden

Mit diesem Wunsch ist sie nicht alleine. 48 Personen haben sich für den Infoabend zum Thema VAE in der Chambre des Salariés angemeldet. Das Publikum ist gemischt, einige Teilnehmer stehen noch am Anfang ihrer Karriere, andere sind seit Jahren berufstätig.

Sie alle haben aber das gleiche Ziel: Sich ihre Kompetenzen durch die VAE-Methode beglaubigen lassen. VAE steht für die Validierung des nichtformalen und informellen Lernens.

Ein Beispiel: Ein Bäcker ist durch eine Lehre in seinem Job gestartet und hat sich seitdem hochgearbeitet. Er hat durch seine Berufserfahrung genau so viele Kompetenzen wie der Bäckermeister, er hat nur nie eine Meisterprüfung absolviert. Durch die VAE kann er sich seine Qualifikationen anerkennen lassen und durch ein paar Zusatzkurse sogar das Diplom eines Meisterbäckers anfragen.

„Der Prozess ist 
kein Honigschlecken“

Seit 2010 bietet das Ministère de l'Education nationale, de l'Enfance et de la Jeunesse das VAE-Verfahren an. Wer sich dafür interessiert, hat nicht nur die Chance, seine Fähigkeiten zertifizieren zu lassen, er hat auch die Aussicht auf eine bessere berufliche Perspektive.

Das hört sich verlockend an, doch der Weg bis zur VAE wird von Bewerbern oft unterschätzt. „Der Prozess ist kein Honigschlecken“, erklärt Claude Betzen vom Institut national pour le développement de la formation professionelle continue (infpc) während der Infoveranstaltung.

Interessenten müssen zunächst einmal nur ein Kriterium erfüllen: „Sie müssen 5 000 Stunden in dem Beruf gearbeitet haben, für den Sie die VAE beantragen wollen.“ Hat der Bewerber genug Stunden zusammen, stellt er einen Antrag auf Zulassung. Wird dem stattgegeben, stellt er in einem zweiten Schritt den Antrag auf Anerkennung. „Sie müssen wirklich viel Zeit und Arbeit in dieses Projekt investieren, um ans Ziel zu kommen“, so Betzen weiter.

Je mehr Informationen, 
desto besser

Dass viele während der Prozedur aufgeben, zeigen die Zahlen: Bis zum 6.Oktober diesen Jahres haben 1 983 Bewerber einen Antrag auf Zulassung gestellt, 1 490 dieser Anfragen wurden genehmigt. Davon haben aber wiederum 595 gar kein zweites Dossier für eine Validierung eingereicht, 194 haben ihr VAE bekommen, 47 eine Teilanerkennung und 306 wurden abgelehnt.  

Ob beim ersten Antrag oder bei der Validierungsakte, die Unterlagen müssen vollständig sein. Und: Je präziser die Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen beschrieben werden, desto besser. „Es ist besser, Sie verarbeiten zu viele Informationen in Ihren Unterlagen als zu wenige“, erklärt Claude Betzen.

Ein Ausschuss entscheidet dann anhand der Akte und nach einem persönlichem Gespräch oder einem Test, ob er dem Bewerber sein vorgesehenes Diplom voll anerkennt, teil anerkennt oder ablehnt. Bei einer Teilanerkennung hat der Bewerber drei Jahre Zeit fehlende Kompetenzen zu erwerben – sei es durch Weiterbildungen oder zusätzliche berufliche Erfahrung.

„Wichtig ist, dass Sie das können, was von Ihnen für die 
Anerkennung verlangt wird. Wenn Sie als Koch ein Diplom be
kommen wollen, müssen Sie natürlich wissen, wie man eine Sauce Béarnaise zubereitet“, scherzt Betzen.

Ein zweiter VAE-Infoabend am 20. Oktober ist bereits komplett ausgebucht. VAE-Nachfragen kämen von den unterschiedlichsten Personen, so Françoise Schmitt vom Luxembourg Lifelong Learning Center. „Letztes Jahr nahmen beispielsweise viele Religionslehrer an den Infoveranstaltungen teil.“ Sie hätten sich auf die Suche nach neuen Perspektiven gemacht.

Die Dame aus der Finanzbranche blickt einer möglichen VAE zuversichtlich entgegen. „Auch wenn sich für mich beruflich 
vielleicht nicht viel ändern wird, will ich es trotzdem versuchen – auch, um mir persönlich etwas Gutes zu tun.“

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Die Handelskammer will in den kommenden zwei Jahren eine eigene "Fachhochschule der Wirtschaft" schaffen. Beschäftigte sollen hier ein professionelles Bachelor-Diplom absolvieren können. Das anregende Projekt wirft dennoch viele Fragen auf.
Für 2016-2017 möchte die Handelskammer eine "Fachhochschule der Wirtschaft" in die Wege leiten.
Immer wieder hagelte es Kritik bei der Umsetzung der Reform der Berufsausbildung. Die Handelskammer will ihren Beitrag leisten, um das Problem der Jugendarbeitslosigkeit besser in den Griff zu bekommen.
Die Handelskammer stellt die Grundphilosophie der reformierten Berufsausbildung trotz Probleme bei der Umsetzung nicht in Frage.