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Eigene Dienste bevorzugt: EU-Kommission droht Google mit Milliardenstrafe
Google droht ein Bußgeld von aktuell bis zu 6,6 Milliarden Euro sowie Auflagen für sein Geschäftsmodell in Europa.

Eigene Dienste bevorzugt: EU-Kommission droht Google mit Milliardenstrafe

Foto: AFP
Google droht ein Bußgeld von aktuell bis zu 6,6 Milliarden Euro sowie Auflagen für sein Geschäftsmodell in Europa.
Wirtschaft 15.04.2015

Eigene Dienste bevorzugt: EU-Kommission droht Google mit Milliardenstrafe

Brüssel greift im Wettbewerbs-Verfahren gegen Google härter durch. Vor allem die prominent platzierten Treffer aus der Preissuchmaschine Google Shopping und Probleme beim Betriebssystem Android sind der EU-Kommission ein Dorn im Auge.

(dpa) - Im Streit um die Marktmacht von Google droht die EU-Kommission dem Suchmaschinenbetreiber mit einer Milliardenstrafe. Die EU-Behörde wirft Google nun offiziell die Benachteiligung der Konkurrenz vor und verschickte am Mittwoch die Beschwerdepunkte an den US-Konzern. Damit verschärfte sie das seit 2010 laufende Verfahren. In letzter Konsequenz drohen Google ein EU-Bußgeld von aktuell bis zu 6,6 Milliarden Euro sowie Auflagen für sein Geschäftsmodell in Europa.

Nach Ansicht der EU-Kommission bevorzugt Google bei seiner Suchmaschine in der Trefferliste die eigenen Dienste gegenüber Konkurrenzangeboten, etwa beim Preisvergleich im Online-Handel. Dies schade Wettbewerbern, aber auch Verbrauchern.

EU nimmt Android unter die Lupe

Zudem weitet die EU-Kommission das Verfahren aus und nimmt auch die Dominanz von Googles Betriebssystem Android unter die Lupe, das auf Smartphones und anderen mobilen Geräten läuft. Dabei geht es um die Frage, ob Google wettbewerbswidrige Vereinbarungen getroffen oder seine Dominanz ausgenutzt hat.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, sie habe die Befürchtung, dass Google sich „einen unfairen Vorteil verschafft“ habe. Der Suchmaschinenbetreiber hat in Europa einen Marktanteil von 90 Prozent. Bei Android wolle sie „sicherstellen, dass die Märkte in diesem Bereich sich entwickeln können, ohne dabei von einem Unternehmen durch wettbewerbswidrige Handlungen behindert zu werden.“

Googles Reaktion

Google verteidigte in einer ersten Reaktion das Vorgehen bei seiner Shopping-Suchmaschine. „Die Ergebnisse von Google Shopping haben dem Wettbewerb nicht geschadet“, hieß es in einem Blogeintrag. Es gebe viele populäre Preissuchmaschinen.

Google hat nun zehn Wochen, um zu antworten. Eine Frist für eine Entscheidung der EU-Kommission gibt es nicht, Experten rechnen aber mit mindestens einem Jahr.


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