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Echter Champagner aus Luxemburg
Wirtschaft 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Echter Champagner aus Luxemburg

Straßenschilder erinnern heute im Bahnhofsviertel an die Luxemburger „Champagnerzeit“.

Echter Champagner aus Luxemburg

Straßenschilder erinnern heute im Bahnhofsviertel an die Luxemburger „Champagnerzeit“.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Echter Champagner aus Luxemburg

In Luxemburg wurde bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg echter französischer Champagner von der im Jahre 1858 gegründeten „Compagnie des Grands Vins de Champagne E. Mercier & Cie“ aus Epernay hergestellt.

(jne) - In Luxemburg wurde bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg echter französischer Champagner von der im Jahre 1858 gegründeten „Compagnie des Grands Vins de Champagne E. Mercier & Cie“ aus Epernay hergestellt.

Anfang des Jahres 1885 machte die Neuigkeit des Champagnerproduzenten in Luxemburg die Runde und am 18. September des gleichen Jahres hatte das Unternehmen aus Epernay das Festungswerk Dumoulin auf Fetschenhof angemietet. Im Nachhinein stellte es sich heraus, dass der Transport vom Bahnhof bis auf den Fetschenhof schwieriger war als angenommen und ebenfalls viel teurer als geplant.

So kam es 1886 zum Kauf eines Grundstücks in der Nähe des Bahnhofs. Der Grund für die Luxemburger Mercier-Filiale war der folgende: Luxemburg war damals Mitglied im Zollverein und es gab große Unterschiede, was die Besteuerung der Importware aus Frankreich betraf. Der Steuersatz für importierte Fässer betrug ein Viertel im Gegensatz zu den bereits abgefüllten Champagnerflaschen. So erfolgten die Traubenlese, Pressung und erste Gärung des Weines in Epernay. Mit der Eisenbahn wurden die Fässer nach Luxemburg transportiert, wo die Flaschen abgefüllt wurden.

Luxemburg als Ausgangspunkt

Ein Sondergleis führte vom Bahnhof in die Produktionsanlagen. Auf der einen Seite gab es so eine direkte Verbindung mit dem Mutterhaus und auf der anderen Seite einen direkten Anschluss zu den restlichen Teilen Europas. „Mercier“ nutzte Luxemburg als Ausgangspunkt für die Vermarktung ihrer Produkte, hauptsächlich auf dem deutschen Markt.

Als Keller dienten die Kasematten und die Produktion startete im September 1886. Im Jahre 1890 betrug die Weinexpedition 404 151 Flaschen von einem Liter, 71 361 Flaschen (0,5 Liter) und 85 Arbeiter waren das ganze Jahr über beschäftigt. Fünf Jahre später wurden sogar bis zu 30 000 Flaschen täglich abgefüllt.

1899 beschloss das Unternehmen, die Keller auszubauen und so lagerten später zeitweise über vier Millionen Flaschen. Die Flaschen wurden u.a. in Körben aus Weiden verpackt. Anfangs wurde die Ware aus Antwerpen importiert. 1895 kaufte „Mercier“ die bei Kopstal gelegene „Altmühle“ mit Gelände auf. Neben der Restaurierung wurden hier Weidenpflanzen angelegt. Nicht nur Kopstal, sondern auch das Bahnhofsviertel profitierte vom Champagnerboom.

Nach dem Krieg versuchte „Mercier“ in Luxemburg wieder Fuß zu fassen, was aber nicht gelang. Neben der politischen und wirtschaftlichen Neuordnung Luxemburgs begann man auch an der Luxemburger Mosel mit der Produktion von Schaumweinen.