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E-Commerce: Luxemburger Post steht vor wachsenden Herausforderungen
Postdirektorin Hjoerdis Stahl möchte in diesem Jahr das logistische Netz für den Paketversand optimieren.

E-Commerce: Luxemburger Post steht vor wachsenden Herausforderungen

Foto: Joaquim Valente
Postdirektorin Hjoerdis Stahl möchte in diesem Jahr das logistische Netz für den Paketversand optimieren.
Wirtschaft 5 Min. 12.05.2014

E-Commerce: Luxemburger Post steht vor wachsenden Herausforderungen

Warten auf den Paketboten war gestern. Immer mehr Internet-Kunden möchten ihre Sendung schnellstmöglich zugestellt bekommen. Postdirektorin Hjoerdis Stahl will nun die Paketlogistik ihrer Gruppe  optimieren.

Von Andreas Adam

Warten auf den Paketboten war gestern. Heute möchten immer mehr Kunden ihre Sendung am liebsten sofort zugestellt bekommen. Experten sehen ein riesiges Potenzial in der Auslieferung am Tag der Bestellung. Versandunternehmen wie die Luxemburger Post blicken wachsenden Herausforderungen entgegen.

Der florierende elektronische Handel sorgt für ein massiv steigendes Paketaufkommen. Immer mehr Fracht soll immer schneller bis zu den Endkunden geliefert werden. Bei der Luxemburger Post sind es jährlich zehn Prozent mehr Pakete. „Für uns ist das Gott sei Dank ein Wachstumszweig“, sagt Hjoerdis Stahl, seit 2013 zuständige Direktorin der Post-Gruppe. „Letztes Jahr lagen wir schon bei 1,7 Millionen Paketen. Nehmen sie zehn Prozent hinzu, dann können sie es hochrechnen.“ Vorhersehbar sei das in dieser Form nicht gewesen, sodass man in den letzten Jahren eher Business as usual gemacht habe. Derzeit befinde man sich in einer Umbruchphase.

Nur noch drei Verteilzentren

Wurden die Pakete früher von den Briefträgern mitgebracht, war das irgendwann nicht mehr machbar. Seit 2011 werden alle Postpakete von der Firma Michel Greco ausgeliefert, an der die Post zu 60 Prozent beteiligt ist. „Das ist neben den Briefträgern natürlich ein zusätzlicher Kostenblock“, so Hjoerdis Stahl. Gleichzeitig verliere man ein gewisses Synergiepotenzial. „2014 wollen wir nun unser logistisches Netz optimieren“, sagt die Managerin, die zuvor Direktorin der Luxair Cargo war.

Derzeit gelangen die Pakete vom zentralen Sortierzentrum der Post in Bettemburg an neun regionale Verteilzentren, wo sie von der Firma Greco für die Feinverteilung übernommen und in täglich neu festzulegende Routen integriert werden. „Wir möchten nun bis September diese Verteilstellen für Pakete von neun auf drei in Bettemburg, Ingeldorf und Hamm reduzieren“, so die Direktorin der Postaktivitäten. Durch die Konsolidation bei den Zentren könne man auch bei den Fahrten der Firma Greco konsolidieren. So will man die Qualität erhöhen und Kosten sparen. Ein weiterer Schritt betrifft die Briefträger, die in Zeiten von E-Mail, Instantmessengern und sozialen Medien immer weniger Briefe auszutragen haben. „Briefträger sollen besser ausgelastet werden und in manchen Regionen wieder Pakete mitnehmen. Wir untersuchen gerade, wo das möglich wäre. Das würde weitere Kosten einsparen helfen, da wir Leistungen unseres externen Partners Michel Greco in unser eigenes Netz zurückholen können“, erklärt Hjoerdis Stahl. Auch auf technischer Ebene wird optimiert. „Musste früher in Bettemburg ein Paket vielleicht dreimal in die Hand genommen werden, kommen wir durch neue Scanner, die vor einigen Wochen installiert wurden, mit einem Handgriff weniger aus – was den Prozess beschleunigt und wieder dazu beiträgt, die Kosten zu reduzieren.“

Gratisversand wird nicht von Post getragen

Große Internethändler bieten ab einer gewissen Bestellsumme meist einen Gratisversand an. Da liegt der Verdacht nahe, dass Marktmacht genutzt wird, um Druck auf die Logistiker auszuüben und die Preise zu drücken oder die Subventionen gar weiterzureichen. „Also wenn Firmen Lieferungen frei Haus anbieten, wird das von denen getragen. Das wird nicht an uns weitergegeben. Wir werden nach Stück bezahlt. Speziell bei Amazon ist es so, dass wir mit ihnen gewachsen sind. Wir sehen die Wachstumsraten jeden Monat. Darüber bin ich froh. Ein so großer Händler ist natürlich in der Lage, den Preis mit uns zu definieren. Wir verdienen aber letztlich über die Masse der Lieferungen. Umsonst machen wir es nicht. Das kann ich ihnen sagen“, so Hjoerdis Stahl.

Und wie wird bei all dem Wachstum mit den Paketboten umgegangen? Aus dem Ausland hört man immer wieder von abhängigen Subunternehmern, die mit eigenen Autos lange Schichten für wenig Geld fahren. „Wir machen derzeit alles mit Greco und mit Greco-Fahrzeugen“, versichert die Direktorin. „Die Fahrer sind fest angestellt. Wir verlangen nicht, dass über die zulässige Arbeitszeit von zehn Stunden hinausgearbeitet wird, und das wollen wir auch nicht. Die Touren sind in der Regel so angelegt, dass man in etwa acht Stunden fertig ist. Die Thematik im Ausland kennen wir natürlich. Deswegen hat sich die Post ja auch an Greco beteiligt.“

Die Herausforderung für die Versandbranche besteht nicht nur in der wachsenden Zahl der Pakete, sondern auch im Format. Neben CDs und Büchern gibt es heute fast nichts, das nicht online nach Hause bestellt wird – Stichwort Sperrgut. Für die Versandunternehmen ist das mit erheblichen Mehrkosten verbunden, wenn Waschmaschinen einzeln ausgeliefert werden, statt auf Palette an den Handel. „Wir haben bei uns derzeit das Paketgewicht auf 32 Kilo und bestimmte Maße begrenzt. Leider halten sich die Leute nicht immer dran. Bei unserem Dienst ,Pack Up Import‘ z.B. können Kunden Waren in Deutschland bestellen und an eine Adresse in Deutschland liefern lassen, wo das dann von uns abgeholt und ausgeliefert wird. Sind zu schwere Pakete dabei, rufen wir den Kunden an und bitten ihn, die Sendung selbst im Trierer Depot abzuholen. Für solches Sperrgut müssen wir uns aber bald eine andere Lösung einfallen lassen, da wir ja auch Geld daran verdienen könnten.“

Eine entscheidende Rolle im E-Commerce soll Experten zufolge künftig die Auslieferung am Tag der Bestellung spielen. Nach einer Umfrage von McKinsey steht die „Same-Day-Delivery“ vor dem Durchbruch.

„Same-Day-Delivery“ derzeit nur punktuell

„In Luxemburg wird sich dieses Business-Modell derzeit noch nicht tragen“, meint Hjoerdis Stahl. „Das kann man punktuell machen, z.B. an Weihnachten. Das bedeutet, wir sind schon dazu in der Lage. Allerdings muss die Arbeitszeit in die Nacht verlegt werden, es ist für die Angestellten sehr belastend und kostet mehr Geld. Mit einer stärkeren Automatisierung und optimierten Eingangsqualität der Pakete, also mit Barcodes und vordefinierten Größen, könnte das in Zukunft anders aussehen.“ Des Weiteren müsse man bedenken, dass die Post keinen Einfluss darauf habe, wann Lieferungen aus dem Ausland in Bettemburg eintreffen, mit Ausnahme von Amazon, die ihre Waren aus einem ihrer ausländischen Logistikzentren selbst nach Luxemburg brächten, so Stahl. „Generell werden Pakete, die bis Mitternacht in Bettemburg eintreffen, in eine Lieferroute von Greco integriert und in 85 Prozent der Fälle dem Empfänger ausgehändigt.“ Ist der nicht zu Hause, wird die Sendung in einem Postbüro bzw. Postshop zur Abholung hinterlegt – oder auch in einer Packup-Station, deren Zahl laut Stahl bis Ende 2014 auf 45 wachsen soll.

Dass Pakete von unbemannten Fluggeräten, sogenannten Drohnen, ausgeliefert werden könnten, wie Ende 2013 vielfach in der Presse zu lesen war, hält Hjoerdis Stahl in nächster Zeit für recht unwahrscheinlich. „Das war ein guter Marketing-Gag, und seitdem hat man auch nicht mehr viel darüber gehört. In zehn bis fünfzehn Jahren kann das natürlich schon wieder anders aussehen“.