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Dubiose Aktiendeals: Luxemburger Fonds im Visier
Investoren fühlen sich von der Baseler Bank Sarasin getäuscht.

Dubiose Aktiendeals: Luxemburger Fonds im Visier

Foto: LW-Archiv
Investoren fühlen sich von der Baseler Bank Sarasin getäuscht.
Wirtschaft 21.11.2016

Dubiose Aktiendeals: Luxemburger Fonds im Visier

Laurent SCHMIT
In Deutschland sorgten die sogenannten „Cum-Ex“-Geschäfte für einen Milliardenschaden. Der Luxemburger Fondsanbieter Sheridan war tief in diese Aktiendeals verwickelt und ist Gegenstand eines deutschen Untersuchungsausschusses.

(las/dpa) - Der deutsche Finanzinvestor Carsten Maschmeyer hat nach eigener Aussage nie wissentlich in die unter „Cum-Ex“-Geschäften bekannt gewordenen Aktiendeals zulasten der deutschen Staatskassen investiert. „Ich halte solche Gestaltungen für schlicht unmoralisch“, sagte der AWD-Gründer dem Magazin „Focus“.

Maschmeyer hatte in die von der Bank Safra Sarasin vertriebenen Fonds des Luxemburger Anbieters Sheridan investiert. Die Schweizer Bank habe jedoch „Geld zweckentfremdet und vertragswidrig wohl in einen Cum-Ex-Fonds investiert“. Dieser Fond sei ihm als reiner Dividendenfonds dargestellt worden, „mit der Bestätigung an meine Steuerberater, dass hier keine Leerverkäufe stattfinden“, sagte Maschmeyer nach Angaben des Blattes.

Schaden von zwölf Milliarden Euro

Maschmeyer sagt an diesem Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages zu den "Cum-Ex"-Deals aus. Er werde als Zeuge und Opfer aussagen, sagte er. Schließlich habe seine Anzeige die Razzia bei Safra Sarasin ausgelöst, „mit der dann der ganze Schwindel aufflog“.

Bei den auch „Dividendenstripping“ genannten komplizierten Geschäften wurden Aktien mit (cum) und ohne (ex) Ausschüttungsanspruch um den Dividendenstichtag eines Unternehmens rasch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Das führte dazu, dass Steuerbescheinigungen für Kapitalertragssteuern mehrfach ausgestellt wurden, die so aber gar nicht gezahlt wurden. Die Behörden kamen dem erst später auf die Schliche. Der Gesamtschaden wird auf zwölf Milliarden Euro geschätzt.

Schweizer Gericht weist Klage ab

Ein portugiesischer Investor hatte in der Schweiz gegen die Bank Safra Sarasin geklagt, berichtete die "Neue Zürcher Zeitung". Wie Maschmeyer sagte der Kläger, er sei nicht darüber informiert gewesen, dass der Sheridan-Fonds "Cum-Ex"-Geschäfte betrieben habe. Er forderte eine Entschädigung von rund 5,8 Millionen Euro.

Das Schweizerische Bundesgericht wies die Klage am 28. Oktober 2016 endgültig ab. Die Produktbeschreibung des Fonds erwähnte, dass die Gewinne auf der Ausnutzung von "Steuer-Ineffizienzen" beruhen würden. Der portugiesische Investor sei "sachkundig und erfahren" und hätte deshalb die fragwürdige Legalität der Aktiendeals hinterfragen müssen.

Sheridan wird von der Finanzaufsicht CSSF nicht mehr als aktives Institut aufgeführt. Die unterschiedlichen Sheridan-Gesellschaften in Luxemburg werden abwickelt, ist dem Handelsregister zu entnehmen.


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