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288 Millionen Schadenersatz an VW
Wirtschaft 2 Min. 09.06.2021
"Dieselgate"-Prozess

288 Millionen Schadenersatz an VW

Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, kommt 2017 als Zeuge zur Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin.
"Dieselgate"-Prozess

288 Millionen Schadenersatz an VW

Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, kommt 2017 als Zeuge zur Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin.
Foto: picture alliance / Bernd von Jut
Wirtschaft 2 Min. 09.06.2021
"Dieselgate"-Prozess

288 Millionen Schadenersatz an VW

In der „Dieselgate"-Affäre belangt VW eine Reihe früherer Topleute. Nun sind die Summen ausgehandelt. Es wird teuer für die früheren Manager.

(dpa) - Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn und drei weitere Ex-Topmanager zahlen wegen des Dieselskandals Rekord-Entschädigungen an Volkswagen. Ein Großteil der Gesamtsumme entfällt dabei auf spezialisierte Haftpflichtversicherungen. Die Grundsatzentscheidung, Winterkorn und einige von dessen Kollegen nach „Dieselgate“ finanziell zur Mitverantwortung zu ziehen, war bereits Ende März gefallen. Nun liegen die Details vor.

Laut der abschließenden Einigung wurde ein Betrag von knapp 288 Millionen Euro vereinbart, hieß es am Mittwoch aus dem Unternehmen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende persönlich zahlt 11,2 Millionen Euro. Ex-Audi-Chef und -VW-Konzernvorstand Rupert Stadler soll selbst 4,1 Millionen Euro überweisen. Bei ihm und Winterkorn geht es um die Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten. Der frühere Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz steuert zudem 1,5 Millionen Euro bei, der ehemalige Audi-Manager Stefan Knirsch 1 Million Euro.


ARCHIV - 27.04.2020, Niedersachsen, Wolfsburg: Das Logo von Volkswagen ist auf dem Dach des Markenhochhauses auf dem Werksgelände zu sehen. Volkswagen muss in der «Dieselgate»-Affäre weitere empfindliche Bußgelder in den USA fürchten. Foto: Swen Pförtner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Winterkorn-Schadenersatz an VW steht
Volkswagen will sich von Ex-Topmanagern wenigstens etwas von den „Dieselgate“-Kosten zurückholen - es wird aber nur ein minimaler Bruchteil sein.

Daneben gibt es zusätzliche Versicherungsleistungen, die weit über den privaten Beträgen liegen. Sie summieren sich nach Angaben von VW auf insgesamt 270 Millionen Euro. An den Verhandlungen waren neben den Anwälten der einstigen Manager mehr als 30 Versicherer beteiligt.

Sowohl die persönlichen Zahlungen als auch die versicherte Abdeckung ergäben „mit Abstand die höchste Summe, die ein solches Konsortium in Deutschland jemals auf den Tisch gelegt hat“, hieß es aus Kreisen der Unterhändler.

VW hatte auch von Ex-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg Schadenersatz verlangt. Dieser sei aber „nicht zu einer Einigung bereit“, weshalb nun „gerichtliche Schritte“ gegen ihn vorbereitet werden sollen.

Die vereinbarten Zahlungen, die außerhalb zivil- oder strafrechtlicher Prozesse besprochen wurden, könnten einen vorläufigen Schlusspunkt in der jahrelangen Aufarbeitung individueller Verantwortlichkeiten in der Abgasaffäre setzen. Die für den 22. Juli angesetzte Hauptversammlung muss die Beschlüsse noch billigen. Vor den Gerichten selbst sind in bereits laufenden oder in demnächst anstehenden Verfahren jedoch weitere Fragen zu klären.

Ein internationaler Gerichtsmarathon

Nach dem Auffliegen der Stickoxid-Manipulationen an Dieselmotoren in den USA im Herbst 2015 kam es zu Verfahren rund um den Globus. Auch Strafjustiz und Verbraucherschützer befassten sich mit dem Ursprung des Skandals, der die Autoindustrie in eine Vertrauenskrise stürzte und den VW-Konzern bisher weit über 30 Milliarden Euro kostete.


(FILES) In this file photo taken on February 28, 2020 The logo of German car maker Volkswagen (VW) is pictured at the company's headquarters in Wolfsburg on February 28, 2020. - A British court ruled in favour of tens of thousands of motorists on April 6, 2020 who were suing Volkswagen for compensation over the "dieselgate" emissions cheating scandal. (Photo by Ronny Hartmann / AFP)
Britisches Gericht: Volkswagen verbaute illegale Software
Volkswagen hat nach Auffassung eines Londoner Gerichts im Dieselskandal auch in Großbritannien Autos mit illegaler Abschalteinrichtung verkauft.

Relativ früh räumte Volkswagen gegenüber dem US-Justizministerium seine prinzipielle Schuld an der Täuschung von Kunden und Behörden ein. Der Aufsichtsrat beauftragte jedoch zusätzlich die Kanzlei Gleiss Lutz, um die internen Abläufe in der Zeit vor der Dieselaffäre zu untersuchen. Diese Prüfung dauerte mehr als fünf Jahre.

Winterkorn hatte beteuert, sich vor Bekanntwerden der Vorwürfe stets nach bestem Wissen korrekt verhalten zu haben. Er habe „alles Erforderliche getan und nichts unterlassen, was dazu geführt hätte, den entstandenen Schaden zu vermeiden oder geringer zu halten“.


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In der VW-Abgasaffäre soll der zurückgetretene Vorstandschef Martin Winterkorn schon im März 2015 vom damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch auf US-Ermittlungen wegen überhöhter VW-Abgaswerte angesprochen worden sein.
Der Konzern aus Wolfsburg stand hart in der Kritik.