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Diese Daten aus der Wirtschaft machen Hoffnung
Wirtschaft 4 Min. 13.07.2021
Vincent Hein von Idea

Diese Daten aus der Wirtschaft machen Hoffnung

Die Corona-Pandemie hat die Industrieproduktion in Luxemburg überraschend stark beflügelt.
Vincent Hein von Idea

Diese Daten aus der Wirtschaft machen Hoffnung

Die Corona-Pandemie hat die Industrieproduktion in Luxemburg überraschend stark beflügelt.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 4 Min. 13.07.2021
Vincent Hein von Idea

Diese Daten aus der Wirtschaft machen Hoffnung

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Mit den Lockerungen erholt sich die Luxemburger Wirtschaft rasant schnell. Neben Licht gibt es allerdings auch eine ganze Reihe von Risiken.

Die Corona-Lage hat sich entspannt, die Impfungen gehen voran, Hotels und Gastronomie haben wieder geöffnet und europaweit kommt der Tourismus in Schwung. Davon profitiert die Wirtschaft in der gesamten Europäischen Union, und darunter auch Luxemburg. 

Nachdem sich die Konjunktur hierzulande bereits in den ersten Monaten des Jahres deutlich verbessert hatte, setzt sich die Erholung in den Monaten Mai und Juni weiter fort. „Die aktuelle Datenlage spricht für einen V-förmigen Aufschwung“, sagt Vincent Hein von der Fondation Idea. „Die Indikatoren, die seit dem Frühjahr schon äußerst positiv waren, verbesserten sich nochmals in den vergangenen zwei Monaten.“

Es wird wieder mehr gependelt

In diesem Zusammenhang sind die vom US-Internetkonzern Google veröffentlichten Bewegungsdaten hervorzuheben. Die „Community Mobility Reports“ basieren auf anonymisierten Zahlen, die über die Mobiltelefone gesammelt werden. „Die Daten zeigen, dass Luxemburg im Juni einen Rekord in Sachen Mobilität verzeichnet hat. Das heißt, seit Beginn der Krise haben sich noch nie so viele Menschen bewegt, sei es an Arbeitsstätten, Einkaufszentren oder Unterhaltungseinrichtungen“, erklärt Vincent Hein. Laut den Google-Daten sind die Fahrten an Arbeitsstätten zwar immer noch um elf Prozent niedriger als am 15. Februar 2020. Allerdings betrug der Rückgang im Mai noch 23 Prozent. „Es pendeln wieder mehr Menschen ins Büro“, stellt Hein fest. 

Vincent Hein: „Es pendeln mehr Menschen ins Büro.“
Vincent Hein: „Es pendeln mehr Menschen ins Büro.“
Foto: Idea

Bei den Besuchen zu Geschäften und Freizeiteinrichtungen ist mehr oder weniger der gleiche Trend zu beobachten: „Wir liegen bei minus neun Prozent im Vergleich zu minus 22 Prozent im Mai. Und bei Lebensmittelgeschäften und Apotheken haben wir sogar die Werte vom Februar 2020 überschritten, wobei hier natürlich auch saisonale Effekte mit ins Spiel kommen.“ Nach Ansicht von Hein sind diese Mobilitätsdaten alles andere als anekdotisch, sondern veranschaulichen den wirtschaftlichen Aufschwung und die Erholung des Geschäftsklimas.

Zum ersten Mal seit Ende 2018

Der zunehmende Optimismus macht sich auch bei der Beurteilung der aktuellen Situation der Unternehmen bemerkbar. „Zum ersten Mal seit Ende 2018 erwarten alle Sektoren einen günstigen Geschäftsverlauf“, stellt Hein fest. „Vor allem in der Industrie liegt das Aktivitätsniveau deutlich über dem Vorkrisenniveau“, sagt der Wirtschaftsexperte und fügt hinzu: „Im Jahr 2019 gab es wichtige Debatten rund um die Lage der Industrie in Europa. Dabei ging es oft um die eher düsteren Aussichten für die Branche in der EU. Heute stellen wir fest, dass die Industrieproduktion durch die Corona-Krise regelrecht aufgewacht ist. Ein Grund dafür ist, dass sich der Verbrauch der Haushalte von Dienstleistungen zu Waren verlagert hat. Auch in Luxemburg weist die Industrie ein deutlich höheres Aktivitätsniveau auf als vor der Pandemie“, betont Hein.


ARCHIV - 08.07.2019, Niedersachsen, Hannover: Ein Bauarbeiter trägt auf einer Baustelle auf einem Hausdach ein Brett. Die Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft Ökonomen zufolge im ersten Quartal ausgebremst. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben seit Mitte März in Teilen zum Erliegen. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Positiv zu beurteilen ist auch die Lage bei den öffentlichen Finanzen sowie die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Heins Kollegin Narimène Dahmani weist darauf hin, dass Luxemburg unter den 27 Ländern der Europäischen Union eines der wenigen ist, das im Jahr 2020 einen Anstieg der Beschäftigung von zwei Prozent erreicht hat; nur Malta schneidet mit 2,9 Prozent besser ab. Allgemein ist die Beschäftigung in der Europäischen Union im Durchschnitt um 1,5 Prozent gesunken. Der positive Trend in Luxemburg hat sich in den vergangenen Wochen bestätigt. „Allein im Mai wurden rund 2.900 neue Stellen geschaffen. Beim Arbeitsamt waren 8.865 offene Stellen gemeldet – ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vormonat“, sagt Dahmani.

Eine ganze Reihe von Risiken

Neben viel Licht sieht Idea allerdings auch noch eine ganze Reihe von Risiken. Zum Beispiel die möglichen Insolvenzen, die in den ersten sechs Monaten des Jahres um 3,2 Prozent gestiegen sind. Oder auch die Milliarden-Ersparnisse der privaten Haushalte, die langfristig zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung führen könnte. Vor allem aber auch könnte die sich ausbreitende Delta-Variante den Aufschwung zunichtemachen. „Man sieht jetzt schon in Europa unterschiedliche Antworten auf die neuen Corona-Varianten. Das könnte wieder zu einer Unsicherheitsphase in der kohärenten Erholung der europäischen Wirtschaft führen“, sagt Hein. Der Experte ist sich auch sicher, dass die Corona-Krise das bis dato ohnehin schon akute Problem des Fachkräftemangels in Luxemburg weiter verschärfen wird.


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An den Märkten spielt das Thema Inflation wieder eine große Rolle. Klar ist: „Die Inflation ist wieder stark angestiegen“, sagt Wirtschaftsexperte Thomas Valici. „Aber es nähert sich lediglich dem Ziel von zwei Prozent, zumal die Inflation während der Corona-Krise stark gesunken ist.“ So etwa fiel die Erdölsorte Brent während der heißen Krisenphase im April 2020 teilweise unter 20 US-Dollar je Barrel, nachdem sie zu Jahresbeginn noch bei rund 70 US-Dollar gelegen hatte. Verantwortlich für den sprunghaften Anstieg der Inflationsrate zu Jahresbeginn sind vor allem drei Faktoren. Zum einen sind die Energiepreise in den letzten zwölf Monaten um 80 Prozent gestiegen. Zum anderen hat die starke Nachfrage zu Lieferengpässen bei Holz, Plastik und Halbleitern geführt. Der dritte Hauptgrund für die sprunghafte Preisentwicklung ist die Tatsache, dass die im Rahmen des Konjunkturpaketes der deutschen Bundesregierung für das zweite Halbjahr 2020 vorgenommene Senkung der Mehrwertsteuer im Januar ausgelaufen ist. 

Diese Sonderfaktoren dürften das Preisgeschehen in naher Zukunft weiterhin stark beeinflussen. Längerfristig aber sollte sich die Inflation in Grenzen halten, meint Thomas Valici. Die EZB prognostiziert für die Eurozone eine Inflationsrate von 1,9 Prozent im Jahr 2021 und 1,5 Prozent im Jahr 2022. In Luxemburg dürfte sie laut Statec bei zwei Prozent liegen und 2022 bei 1,6 Prozent.  

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