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Die Wissensschmiede

Die Wissensschmiede

Foto: Lex Kleren
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 11.12.2018

Die Wissensschmiede

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Zu ihrem 15. Geburtstag hat sich die Uni Luxemburg selbst das schönste Geschenk gemacht. Sie gibt sich einen anspruchsvollen Vierjahresplan.

Zu ihrem 15. Geburtstag hat sich die Uni Luxemburg selbst das schönste Geschenk gemacht. Sie gibt sich einen anspruchsvollen Vierjahresplan für den Zeitraum 2018-2021, der insgesamt 767 Millionen Euro umfasst, eine Steigerung von 30 Prozent im Vergleich zu den vier Jahren davor. Im neuen Uni-Gesetz, das im Juni vom Parlament verabschiedet wurde, wird im Artikel 3 ihre Mission klar umrissen. Sie soll, abgesehen von ihren Kernaufgaben, Forschung und Lehre, „zur sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung Luxemburgs beitragen“. 

Ein klarer Auftrag, und genügend finanzielle Mittel, um ihn zu erfüllen. Wer Rektor, Dekan, Professor oder Studierender an einer solchen Uni ist, kann sich glücklich schätzen.

Die Universität hat ehrgeizige Pläne: Das Medizinstudium wird ausgebaut, das Ingenieurstudium anspruchsvoller und attraktiver. Ein gewaltiges, 2,5 Millionen Euro-schweres Projekt im Bereich „Data Science“ soll Banken, Versicherungen und Industrie zugutekommen. Die neue Bibliothek – besser gesagt das „Luxembourg Learning Centre“ – ist ein architektonisches Meisterstück. Kein Zweifel, nach einer langen Aufbauphase, wo es darum ging, ihre Unabhängigkeit zu etablieren, bewegt sich die Universität nun auf die Luxemburger Gesellschaft zu. Die Frage ist, wie weit sie dabei gehen sollte.

Was genau ist eigentlich ihre Aufgabe? Lieferant hoch spezialisierter Fachkräfte oder Ideenschmiede, die kritisches Denken fördert? Schließen beide Möglichkeiten sich gegenseitig aus, oder sind sie komplementär? Es geht um die Grundfrage, welche Universität Luxemburg braucht. Sie muss immer wieder neu gestellt werden, und eine definitive Antwort gibt es nicht, weil sich ja auch die Gesellschaft weiterentwickelt, an der sie Teil hat.

Zur Rolle der Universität gibt es mehrere Denkschulen. Die eine, zu der wohl nicht wenige Professoren zählen, verteidigt die Freiheit von Forschung und Lehre vor jeder staatlichen Einflussnahme, die andere, zu der mehrheitlich Unternehmer und Banker gehören, verlangt ein „return on investment“ für die mehrere hundert Millionen Euro, die der Staat jedes Jahr in die Uni und in die Forschungszentren steckt.

Wer dabei recht hat – Elfenbeinturm hier, pure Nützlichkeit da – lässt sich nicht abschließend sagen. Die Wahrheit sollte irgendwo in der Mitte liegen. Forschung am Gängelband ist nicht mehr als eine Dienstleistung. Die Uni braucht Freiheit und Autonomie, so wie es bei ihrer Gründung 2003 gedacht war. Freiheit und Autonomie finden allerdings nicht im luftleeren Raum statt. Wer die Musik bezahlt, bestimmt die Melodie. Damit die aber gut klingt, müssen die Musiker ihre Ideen verwirklichen können.

Im neuen Vierjahresplan, der den Rahmen vorgibt, wird „Interdisziplinarität“ großgeschrieben. Es könnte das Schlüsselwort werden, durch das sich die Uni Luxemburg von vielen anderen Bildungseinrichtungen in der Großregion unterscheidet. Wer nämlich Interdisziplinarität sagt, meint Zusammenarbeit. Dadurch, dass Lehrende und Studierende über die Grenzen ihres Fachbereichs blicken müssen, weitet sich ihr Horizont. So können neue Erkenntnisse entstehen. Es wäre fatal, wenn nur Informatiker an künstlicher Intelligenz arbeiten würden. Auch Philosophen sind gefragt. Gegenseitige Befruchtung zwischen Universität und luxemburgischer Gesellschaft – auch das ist Interdisziplinarität.


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