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Die vielen ungelösten Fragen der Deutschen Bank
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv
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Die vielen ungelösten Fragen der Deutschen Bank

Ab Ende April muss Co-Chef Jürgen Fitschen einmal pro Woche im Landgericht München erscheinen und das bis mindestens Anfang August.
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Ab Ende April muss Co-Chef Jürgen Fitschen einmal pro Woche im Landgericht München erscheinen und das bis mindestens Anfang August.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 16.03.2015 Aus unserem online-Archiv
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Die vielen ungelösten Fragen der Deutschen Bank

Wohin steuert die Deutsche Bank? Im zweiten Quartal will das Management die Frage beantworten. Die Liste der Baustellen ist lang.

(dpa) - Anshu Jain und Jürgen Fitschen brüten über einer neuen Strategie. Knapp drei Jahre nach ihrem Amtsantritt Mitte 2012 bemüht sich die Doppelspitze, die Deutsche Bank neu auszurichten. Dabei geht es vor allem darum, aus welchen Geschäften sich das Institut zurückzieht. Im Vorstand sollen laut Medienberichten Privatbanker gegen Investmentbanker kämpfen. Ende dieser Woche tagt der Aufsichtsrat, nächste Woche (24.3.) veröffentlicht der Konzern seinen Geschäftsbericht für 2014. Alte Lasten und neue Regulierung engen den Gestaltungsspielraum für das Dax-Schwergewicht ein. Ein Überblick:

Fitschen auf der Anklagebank: Ab Ende April muss der Co-Chef einmal pro Woche im Landgericht München erscheinen und das bis mindestens Anfang August. Damit holt der Streit um die Pleite des Kirch-Medienkonzerns 2002 die amtierende Deutsche-Bank-Führung wieder ein. Der Vorwurf: versuchter Betrug in einem besonders schweren Fall. Die Staatsanwaltschaft wirft Fitschen, seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf Breuer, Ex-Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig sowie einem weiteren Ex-Vorstand vor, vor Gericht falsche Angaben gemacht zu haben, um Schadenersatz an die Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch zu verhindern. Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe stets zurück. Doch allein die Zulassung der Anklage gegen Fitschen ermunterte manche Kommentatoren zu der Frage, ob der 66-Jährige nun den «Kulturwandel» in der Bank noch glaubhaft verkörpern könne.

Postbank/Privatkundengeschäft: Seit Wochen halten sich Spekulationen über die Zukunft der erst vor wenigen Jahren übernommenen Postbank: von einem Verkauf bis zur Möglichkeit, dass die Deutsche Bank ein größeres Aktienpaket des Bonner Instituts an die Börse bringt. Bei der Bilanzvorlage der Deutschen Bank Ende Januar sagte Finanzvorstand Stefan Krause, derzeit laufe die Integration der Postbank weiter. Co-Chef Fitschen betonte, es sei noch keine Entscheidung gefallen. Dass der Wettbewerb im Privatkundengeschäft hart ist, bekommt auch der Branchenprimus zu spüren: Die Sparte verdiente 2014 als einzige im Konzern weniger als im Vorjahr. Das Geschäft leidet unter anderem unter den historisch niedrigen Zinsen. Zudem muss die Branche den Spagat zwischen Filialen und digitalen Angeboten schaffen.

Trennbankengesetz Das im Mai 2013 beschlossene deutsche Gesetz verlangt von großen Banken die Abtrennung des als riskant geltenden Wertpapierhandels auf eigene Rechnung vom klassischen Bankgeschäft. Dies muss bis Juli 2016 umgesetzt werden. Auf EU-Ebene liegt ebenfalls ein Gesetzentwurf auf dem Tisch. Die Deutsche Bank versteht sich als Universalbank mit sämtlichen Bankangeboten vom Sparvertrag über die Immobilienfinanzierung bis zu komplexen Derivaten. Co-Chef Jain betonte in den vergangenen Wochen noch einmal den Wert eines solchen umfassenden Geschäftsmodells für Kunden. Doch der Manager, der jahrelang oberster Investmentbanker des Konzerns war, räumte auch ein: Gerade das Universalbankmodell habe es mit besonders strengen Anforderungen der Aufseher zu tun. Unter Europas Großbanken ist die Deutsche Bank im Grunde das letzte Relikt in dieser Gruppe.

Aktienkurs und Bilanz Dank geringerer Kosten für Rechtsrisiken und guter Geschäfte im Investmentbanking konnte das Institut 2014 seinen Gewinn auf fast 1,7 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Dennoch sei die Bank noch «nicht so profitabel wie sie sein könnte», bilanzierte Fitschen Ende Januar. Und: «Die Belastung durch Rechtsstreitigkeiten ist nach wie vor zu hoch.» Noch immer schlägt sich der Konzern mit etwa 6000 Fällen herum, für drohende juristische Niederlagen wurden 3,2 Milliarden Euro zurückgelegt - und der Vorstand schloss nicht aus, dass es noch mehr werden könnte. Der Aktienkurs erholte sich zuletzt zwar in einem insgesamt boomenden Börsenumfeld wieder etwa, ist aber nach wie vor weit entfernt von Werten vor der Finanzkrise.

USA: In den USA gerät Deutschlands größtes Geldhaus zunehmend unter Druck. Immer neue Regeln für Auslandsbanken machen ihr das Leben schwer. Hinzu kommen auch dort zahlreiche juristische Auseinandersetzung - die Vorwürfe reichen von dubiosen Hypothekendeals über Marktmanipulationen bis hin zu Steuerhinterziehung und Ermittlungen wegen illegaler Geschäfte mit «Schurkenstaaten». Jüngst fiel eine wichtige Tochter beim jährlichen Stresstest der amerikanischen Notenbank Fed durch. Die Aufseher stellten im Fall der Deutsche-Bank-Tochter «zahlreiche signifikante Unzulänglichkeiten» beim Risikomanagement fest und lehnten die eingereichten Kapitalpläne wegen «qualitativer» Bedenken ab. Im Mai soll der neue Finanzchef Marcus Schenck das Ruder in den USA herumreißen. Er kommt vom US-Rivalen Goldman Sachs.


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