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Die Verantwortung der Verbraucher
Wirtschaft 4 Min. 10.08.2021
Fair gehandelte Produkte

Die Verantwortung der Verbraucher

Etwa die Hälfte der Rosen, die in Luxemburg verkauft werden, stammt aus Fairtrade-zertifizierten Plantagen.
Fair gehandelte Produkte

Die Verantwortung der Verbraucher

Etwa die Hälfte der Rosen, die in Luxemburg verkauft werden, stammt aus Fairtrade-zertifizierten Plantagen.
Foto: Getty Images
Wirtschaft 4 Min. 10.08.2021
Fair gehandelte Produkte

Die Verantwortung der Verbraucher

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Der Anteil fair gehandelter Waren bleibt in Luxemburg stabil. Konsumenten können helfen, die Folgen der Pandemie im globalen Süden zu lindern.

Trotz der Covid-Krise gibt es auch gute Nachrichten aus dem Bereich des fairen Handels. So wurden in Luxemburg laut der NGO Fairtrade Lëtzebuerg im vergangenen Jahr Produkte im Wert von 24,38 Millionen Euro mit dem Fairtrade-Label verkauft, ein Plus von 11,58 Prozent im Vergleich zu 2019. Im Durchschnitt gaben Luxemburger Verbraucher im Jahr 2020 39 Euro pro Person für fair gehandelte Waren aus, was sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. 

Denn in nur fünf anderen Ländern kauften die Konsumenten pro Kopf mehr faire Waren. Spitzenreiter ist die Schweiz mit 99 Euro gefolgt von Irland (79 Euro) und Schweden (46 Euro). Besonders etabliert ist der faire Handel bei den Verkäufen von Rosen aus Fairtrade-zertifizierten Plantagen. Inzwischen trifft das auf fast die Hälfte der im Großherzogtum verkauften Rosen zu. 

Ebenso positiv entwickelte sich der Verkauf von Textilprodukten mit Fairtrade-Baumwolle im Jahr 2020. Mit einem Umsatz von 1,65 Millionen Euro konnte das Segment ein Wachstum von 282 Prozent verzeichnen. Der Fairtrade-Kakaomarkt ist zwischen 2019 und 2020 um zwölf Prozent gewachsen, wobei der Marktanteil mit 4,34 Prozent immer noch gering sei, gab Fairtrade Lëtzebuerg auf der Jahrespressekonferenz am Dienstag bekannt. 

Obwohl durch die pandemiebedingten Maßnahmen weniger Menschen in Restaurants und Cafés gingen, blieb der Anteil des fair gehandelten Kaffees in Luxemburg stabil bei einem Marktanteil von knapp über zehn Prozent, was 421 Tonnen Kaffee entspricht. 

Jean-Louis Zeien von „Fairtrade Lëtzebuerg“ ist besorgt über die Situation in den Erzeugerländern.
Jean-Louis Zeien von „Fairtrade Lëtzebuerg“ ist besorgt über die Situation in den Erzeugerländern.
Foto: Gerry Huberty

Auf den Bereich der Fruchtsäfte hatte die zeitweise Schließung der Gastronomie hingegen spürbare Auswirkungen: Hier ist ein Rückgang von 25 Prozent zu verzeichnen. Rückläufig waren auch die Verkäufe von Reis (sechs Prozent), Zucker (3,7 Prozent) und Bananen (zehn Prozent) im Vergleich zu 2019. Laut Fairtrade Lëtzebuerg waren Ende 2020 in Luxemburg insgesamt 2 919 Fairtrade-Produkte registriert, was einem Wachstum von 9,50 Prozent mit 253 neuen Fairtrade-zertifizierten Produkten entspricht. 

Teilweise katastrophale Lage in den Erzeugerländern

Aber bei dem Fairtrade-Konzept gehe es natürlich nicht nur um die nackten Zahlen und die Steigerung der Marktanteile, sondern darum, den Menschen in den Erzeugerländern eine Stimme zu geben und ihnen einen gerechten Anteil der Erlöse zu verschaffen, erklärt Jean-Louis Zeien, Präsident von Fairtrade Luxemburg. „Jedes Produkt aus fairem Handel, was hier in Luxemburg gekauft wird, eröffnet Entwicklungschancen für Menschen im Süden. Er hinterlässt in diesem Sinne einen positiven Fußabdruck in Richtung nachhaltiger Entwicklung und Respekt der Menschenrechte“, sagt er. 

Während nämlich die negativen Auswirkungen der Covid-Krise auf die Nachfrageseite nach fair gehandelten Waren höchstens moderat ausfielen, ist die Lage in den produzierenden Ländern teilweise katastrophal. So wurden zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 Aufträge in Bekleidungs- und Schuhfabriken in Süd- und Südostasien in Milliardenhöhe storniert. Allein im Kambodscha verloren Beschäftigte in diesem Sektor 109 Millionen Dollar an Löhnen. Einbrechende Nachfrage und unterbrochene Lieferketten sorgten dafür, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Bananen, Zucker, Tee oder Rosen in Lagern oder auf den Feldern verkamen.


Labourers work in a clothing factory in Huaibei, north China's Anhui province on May 23, 2013. Manufacturing activity in China contracted in May for the first time in seven months, HSBC said on May 23, in another sign of the weakness of recovery in the world's second-largest economy. CHINA OUT     AFP PHOTO
Vorbehalte gegen ein luxemburgisches Lieferkettengesetz
International tätige Unternehmen sollen mehr Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards tragen – ob dazu ein nationales Gesetzeswerk taugt, bezweifeln Unternehmensverbände.

„Es kam zu bis dahin ungeahnten Stresssituationen in den Lieferketten mit zum Teil dramatischen Auswirkungen“, so Zeien. Die Folge: Mit sinkenden Exporten der Erzeugerländer kam es zu Massenentlassungen. „Und wenn Stellenangebote knapp sind, neigen die Arbeitnehmer dazu, unangemessene Löhne und Arbeitsbedingungen zu akzeptieren“, so die NGO in ihrer Pressemitteilung. „Zum Beispiel in der Textilindustrie wurden Arbeiter zum Teil nicht mal mehr ausbezahlt für die Arbeit, die sie schon geleistet hatten. Tausende von Wanderarbeitern mussten auf den Straßen Indiens Hunderte von Kilometer zu Fuß zurücklegen, da sie plötzlich kein Einkommen mehr hatten.“ 

Anstieg der Kinderarbeit

Da die verfügbaren Einkommen der Familien so schrumpften, ist auch erstmals seit langem wieder der Anteil der Kinderarbeit gestiegen. Laut dem im Juni 2021 veröffentlichten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation und von Unicef liegt die Zahl der Opfer von Kinderarbeit weltweit bei 160 Millionen. „Durch die Pandemie könnten rund neun Millionen Kinder zusätzlich in die Kinderarbeit hineinrutschen“, befürchtet Zeien. 

Um diese schwerwiegenden Folgen mit ihrer Arbeit etwas abzufedern, habe Fairtrade daher sein System innerhalb kürzester Zeit umgestellt, sagt Zeien. „So wurde es möglich, dass von der Fair-Trade-Prämie auch Schutzkleidung wie Masken oder auch Desinfektionsmittel oder Covid-Tests gekauft werden konnten“, sagt er. „Ein anderer Teil der Prämie wurde für direkte Auszahlungen an die Arbeiter verwendet. Das hat dazu beigetragen, die Situation zumindest etwas zu lindern.“ Darüber hinaus hat die Fairtrade-Bewegung zwei Fonds in Höhe von über 15 Millionen Euro aufgelegt, um Produzenten und Arbeiter im globalen Süden in der Zeit nach der Pandemie zu unterstützen.


Bananes_-®Fairtrade_Letzebuerg
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Letztlich liege es auch in der Verantwortung der Konsumenten, etwas dafür zu tun, dass die Lieferketten unter menschenwürdigen Bedingungen aufrechterhalten werden. „Beim Fairen Handel steht Luxemburg schon ganz gut da, aber bei Ausgaben von 39 Euro pro Person ist da sicher noch Luft nach oben“, sagt er. 

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