Die USA und Luxemburg

Arendt & Medernach: Big Apple, Big Business

Vor zehn Jahren eröffnete die Luxemburger Kanzlei ihr New Yorker Büro

Der Sitz von Arendt & Medernach.
Der Sitz von Arendt & Medernach.
Foto: Lex Kleren

Von Laurent Schmit

Zwischen Fifth Avenue und Sixth Avenue liegt mitten in Manhattan das imposante Rockefeller Center. Seit 2005 hat Arendt & Medernach dort ihr New Yorker Büro. Es war Zufall, dass die Luxemburger Kanzlei gerade in diesem Gebäude ihr erste Niederlassung in Übersee eröffnete, erzählt Guy Harles, einer der Gründer. „Die Sparkasse hatte dort Büroräume und fragte, ob wir nicht interessiert seien, die Räumlichkeiten zu übernehmen. Unter Luxemburgern haben wir uns selbstverständlich schnell geeinigt.“

Eine Boomphase

Der Zeitpunkt, um den Sprung über den Atlantik zu wagen, war jedoch alles andere als zufällig. Die Jahre zwischen dem Platzen der Dotcomblase und der Finanzkrise gelten als „Goldenes Zeitalter“ des Private Equity. Es handelt sich dabei um Kapitalgeber, die in nicht börsennotierte Unternehmen investieren, um die Beteiligung anschließend möglichst gewinnbringend zu verkaufen.

„Ab diesem Moment haben die amerikanischen Player des Private Equity Europa und Luxemburg entdeckt“, so Harles. Sie nutzten Luxemburger Gesellschaftsformen und Fondsstrukturen, um in Europa zu investieren. Ein maßgeschneidertes Instrument bot die 2004 per Gesetz geschaffene „Société d'investissement en capital à risque“ (SICAR). Ein Vorteil dieser Gesellschaftsform ist ihre fast vollständige Steuerbefreiung.

Guy Harles und Laurent Schummer sind Partner bei Arendt & Medernach.
Guy Harles und Laurent Schummer sind Partner bei Arendt & Medernach.
Foto: Lex Kleren

Die Zahl der SICAR wuchs in den folgenden Jahren sehr schnell: 2005 waren es 47, 2006 bereits 115 und 2007 hatte sich deren Zahl fast vervierfacht. Viele Private-Equity-Akteure nutzen jedoch andere Gesellschaftsformen. Doch auch die Fondsindustrie als Ganzes erlebte in diesen Jahren einen Boom: Das von Luxemburg aus investierte Kapital stieg von 1.106 Milliarden Euro 2004 auf 2.060 Milliarden drei Jahre später, bevor die Finanzkrise 2008 einen Einbruch verursachte. Heute sind es 3.600 Milliarden Euro.

Vielfalt des Finanzplatzes

Zwar fiel die Gründung des New Yorker Büro in den Boom des Private-Equity-Sektors, aber Arendt & Medernach beschränkt sich nicht darauf. „Wir versuchen dort die Kompetenzen zu reproduzieren, die wir in Luxemburg haben: von der Fondsindustrie, über Dienstleistungen für multinationale Konzerne bis zum Steuerrecht“, erläutert Guy Harles.

Die Mitarbeiter in New York haben vor allem als Aufgabe, den ersten Kontakt zum Kunden herzustellen. Diese stammen aus unterschiedlichen Wirtschaftszweigen: „Es bleiben viele Kontakte mit multinationalen Konzernen aus Handel und Industrie, die in Luxemburg seit langem präsent sind“, sagt Laurent Schummer, Partner bei Arendt & Medernach.

Die Fondsindustrie ist jedoch ein wichtiger Wirtschaftszweig gerade im Austausch mit New York. Innerhalb der Fondsindustrie sind Private Equity und Real Estate die Zweige, die sich am stärksten entwickeln“, erklärt Schummer. Auch aus Gründen der Rentabilität würden sich amerikanische Fonds in Richtung alternativer Produkte diversifizieren. Sind sie in Luxemburg präsent, dann entwickeln sie diese neuen Aktivitäten von hier aus. Neue Tendenzen mitzubekommen und sich darauf vorbereiten zu können, ist für Laurent Schummer einer der größten Vorteile am New Yorker Finanzplatz direkt vertreten zu sein.

Anders als viele seiner Konkurrenten bietet der Luxemburger Finanzplatz eine recht vollständige Palette an Dienstleistungen.

Guy Harles und Laurent Schummer beobachten, dass Luxemburg immer öfter eine strategische Wahl ihrer amerikanischen Kunden ist. „In vielen Dossiers, die wir heute behandeln, haben Konzerne eine Präsenz etwa in Brüssel und in Luxemburg. Jetzt wollen Unternehmen diese verstreuten Präsenzen in Luxemburg zusammenführen“, sagt Schummer. Für Guy Harles hat das einen einfachen Grund: „Anders als viele seiner Konkurrenten bietet der Luxemburger Finanzplatz eine recht vollständige Palette an Dienstleistungen. Die Niederlande sind der Konkurrent bei den multinationalen Konzernen und dem Private Equity, Irland ist präsent in der Fondsindustrie, London zieht vor allem Holdinggesellschaften an. Luxemburg ist dagegen in all diesen Feldern stark.“

Standortvorteile wahren

Bei der Umsetzung der EU-Richtlinien bleiben Spielräume, die Luxemburg aus Sicht der beiden Anwälte gezielt nutzen sollte. „Ich hoffe, dass die Regierung in Zukunft wieder mehr Wert darauf legt, jene Richtlinien zeitnah und wenn möglich auch als erstes Land umzusetzen, die wichtig für den Standort sind“, wünscht sich Guy Harles. „Zweitens sollten Richtlinien in einer Art und Weise umgesetzt werden, die für die Wirtschaft so liberal wie möglich ist, damit u. a. amerikanische Investoren sich darin wiederfinden.“

Laurent Schummer sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, stärker eine Richtung in den Texten vorzugeben. Das beste Beispiel sei hier die Einführung der „limited partnership“, die sogenannte „société en commandite spéciale“. „Wir hatten sehr attraktive Fonds, aber wir stellten fest, dass uns ein Element fehlte. Im Bereich des Private Equity oder Real Estate konnten wir uns damit ganz klar positionieren, und das obwohl diese Gesellschaftsform nicht so viele neue Möglichkeiten gegenüber der damals bestehenden Gesetzgebung bietet“, so Schummer. Für ihn ist es wichtig, klar und deutlich zu kommunizieren, was geht und was nicht.

Ich hoffe, dass die Regierung in Zukunft wieder mehr Wert darauf legt, jene Richtlinien zeitnah und wenn möglich auch als erstes Land umzusetzen, die wichtig für den Standort sind.

Aggressive Akteure

In Zukunft wird es wohl vor allem darum gehen, was nicht geht. Private-Equity-Fonds sind bekannt dafür, die Regeln bis zu Anschlag und darüber hinaus auszureizen. „Ja, das ist ihr Job“, meint Laurent Schummer. Beide Anwälte gehen davon aus, dass es am Finanzplatz zunehmend Rechtsstreitigkeiten geben wird. Guy Harles selbst ist in einen Rechtsstreit um den griechischen Telekommunikationsbetreiber Hellas verwickelt. Zwei in Luxemburg ansässigen Private-Equity-Fonds wird vorgeworfen, dass sie sich eine Dividende von fast einer Milliarde Euro auszahlen ließen, obwohl das Unternehmen hohe Verluste machte. Guy Harles wollte sich nicht zu diesem Fall äußern.

Dass es zu mehr Rechtsstreitigkeiten kommen wird, sei an sich nichts Schlechtes, sagt Harles. „Ein Finanzplatz wie London verkauft sich mit dem Argument, dass sie über exzellente Richter und eine hervorragende Gesetzgebung verfügen.“ Wolle Luxemburg attraktiv bleiben, dann müsse man für eine solide Jurisprudenz sorgen. Es sei deshalb Zeit für eine Neuorientierung: „In der Vergangenheit hatten wir die Angewohnheit, lediglich das französische oder belgische Recht abzuschreiben, weil dort die Jurisprudenz bestand. Wollen wir wettbewerbsfähig bleiben, dann müssen wir uns eine Qualitätsgesetzgebung aufbauen und in unsere eigene Gerichtsbarkeit vertrauen“, so Harles.

Und tatsächlich läuft der Transfer heute auch in die andere Richtung: Die im Sommer verabschiedete „Loi Macron“ führt in Frankreich eine „société de libre partenariat“ ein, die sich ganz klar an der Luxemburger Gesetzgebung inspiriert.