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Die Seidenstraße beginnt in Bettemburg
Wirtschaft 4 Min. 04.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Die Seidenstraße beginnt in Bettemburg

Auf nach China: Der erste direkte Zug zwischen Luxemburg und dem Reich der Mitte ist mit Waren von 15 verschiedenen Kunden geladen.

Die Seidenstraße beginnt in Bettemburg

Auf nach China: Der erste direkte Zug zwischen Luxemburg und dem Reich der Mitte ist mit Waren von 15 verschiedenen Kunden geladen.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 4 Min. 04.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Die Seidenstraße beginnt in Bettemburg

Mara BILO
Mara BILO
Endlich geht es los: Der erste direkte Zug, der Luxemburg mit China verbindet, ist am Donnerstag los gefahren.

15.59 Uhr, es ertönt ein lautes Hupsignal. Wie gebannt schauen etwa 90 Menschen auf den mit Blumen und Fahnen geschmückten Zug, der gerade aus dem Intermodalterminal in Bettemburg-Düdelingen abfährt. Es handelt sich nämlich dabei um einen speziellen Zug: Nach Monaten harter Arbeit und Vorbereitungen ist der Direkt-Zug, der Luxemburg mit China verbinden soll, endlich unterwegs. Mit einem Ziel: Chengdu, die Hauptstadt der Provinz Sichuan.


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Am Donnerstag wurde mit feierlichem Empfang, Reden und Sekt der Startschuss für diese erste direkte Containerverbindung gegeben; mit von der Partie waren CFL-Generaldirektor Marc Wengler, Vizepremier Félix Braz und Yin Li, Gouverneur der chinesischen Provinz Sichuan. Mehr als 10 000 Kilometer werden die in Bettemburg auf die Schienen gebrachten Waggons zurücklegen müssen: Von Bettemburg aus geht es über Deutschland nach Małaszewicze in Polen, weiter nach Brest in Weißrussland, dann nach Dostyk, an der Grenze zwischen Kasachstan und China, und schließlich nach Chengdu – dort sollte der Zug voraussichtlich am 19. April eintreffen; die gesamte Fahrtzeit beträgt etwa 15 Tage.

Am Mittwoch wurde mit feierlichem Empfang, Reden und Sekt den Startschuss für die erste direkte Containerverbindung gegeben.
Am Mittwoch wurde mit feierlichem Empfang, Reden und Sekt den Startschuss für die erste direkte Containerverbindung gegeben.
Foto: Pierre Matgé

Ein einziger Zug wird die gesamte Fahrt nicht zurücklegen. Wegen unterschiedlicher Spurbreiten unter anderem in Russland und China müssen die Container dort auf einen anderen Zug geladen werden.


Auf der Strecke geblieben
In Thionville hat das Warten ein Ende. Der angekündigte erste Containerzug mit Waren aus dem Reich der Mitte wird nicht mehr kommen.

Es handelt sich dabei allerdings um einen Test-Zug, wie Barbara Chevalier, Direktorin für Strategie und Geschäftsentwicklung bei CFL Multimodal, betont. „Erst zu einem späteren Zeitpunkt – voraussichtlich Anfang Juni – wird eine regelmäßige Verbindung eingerichtet. Ein konkretes Datum steht bislang noch nicht fest.“ Sollte sich die Testfahrt als Erfolg entpuppen, wird ein Zug einmal pro Woche die Reise von Europa nach China antreten. Ein weiterer Zug wird einmal pro Woche im Intermodalterminal in Bettemburg-Düdelingen eintreffen. Betrieben wird der Zug von der chinesischen Firma „Chengdu International Railway Service Co.“ (CDIRS).


Medizinische Geräte und Elektronik

Der Grund für die spätere Einrichtung der regelmäßigen Verbindung ist wirtschaftlicher Natur, denn: Um die Verbindung zu betreiben, benötigt es nicht nur Ladung für die Fahrt von China nach Europa, sondern auch für den Weg von Luxemburg nach Chengdu. „Die wirtschaftliche Aktivität in Luxemburg reicht nicht aus“, so Barbara Chevalier. Sie sieht aber Kundenpotenzial, unter anderem in Frankreich und Spanien – also dort, wo die Filiale CFL Multimodal der CFL-Gruppe bereits tätig ist. „Der Konkurrenzdruck ist groß“, beschreibt sie die Situation. „Direkte Eisenbahnverbindungen gibt es ja bereits zwischen China und Europa. Chinas erster Handelspartner in Europa heißt Deutschland.“ Regelmäßiger Containerverkehr zwischen China und dem größten Binnenhafen Europas, Duisburg, besteht tatsächlich schon seit der Jahrtausendwende.

Der gestern abgefahrene Zug wurde nun mit Waren von 15 Kunden geladen, „davon sind mehr als die Hälfte luxemburgische Unternehmen“, erklärt die Direktorin für Strategie und Geschäftsentwicklung. Die Firmen Villeroy & Boch, DuPont, IEE und Fresenius zählen zu den ersten Kunden; so wurden medizinische Geräte, Elektronik, Keramik und andere Güter wie Wein gestern nach China geschickt.


Lange Vorbereitungen

Bereits seit 2016 wollen die Luxemburger ihren direkten Zug nach China; damals hatte die luxemburgische Regierung eine Absichtserklärung über die Eisenbahnverbindung unterschrieben. Es standen noch mehrere Strecken zur Diskussion, unter anderem eine Route zwischen Zhengzhou in der chinesischen Provinz Henan – dort, wo auch die luxemburgische Luftfrachtgesellschaft Cargolux Geschäfte macht – und Bettemburg. „Parallel dazu haben wir aber auch Gespräche mit Chengdu geführt; sie haben sehr schnell ihr Interesse gezeigt“, erklärt Barbara Chevalier.


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