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Die Putzfrau online buchen
Wirtschaft 3 Min. 02.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Schweizer Firma startet in Luxemburg

Die Putzfrau online buchen

Viele Putzfrauen arbeiten schwarz. Hier will Batmaid die Arbeitgeber überzeugen, auf ihr Angebot umzusteigen.
Schweizer Firma startet in Luxemburg

Die Putzfrau online buchen

Viele Putzfrauen arbeiten schwarz. Hier will Batmaid die Arbeitgeber überzeugen, auf ihr Angebot umzusteigen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 02.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Schweizer Firma startet in Luxemburg

Die Putzfrau online buchen

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Was bisher mehr über Mund-zu-Mund-Empfehlung lief, soll nun über eine Online-Plattform laufen. So stellt es sich zumindest Batmaid vor, ein junges Unternehmen, das in Luxemburg startet. Es will den Kunden Papierkram ersparen.

(las) - Online-Plattformen nutzen heute viele im Alltag: Etwa um einzukaufen oder einen Termin zu buchen. Das Start-up-Unternehmen Batmaid bietet seit Kurzem eine Webseite an, auf der man eine Putzfrau für seinen Haushalt buchen kann.

Das Schweizer Unternehmen nennt sich das "Uber" der Haushaltshilfen, doch das Prinzip ist etwas anders als jenes des umstrittenen Fahrdienstes. Batmaid arbeitet mit Onet zusammen, mit 520 Mitarbeitern eine der größten Reinigungsfirmen in Luxemburg. Die Putzfrauen, die man über die Online-Plattform bucht, sind bei Onet angestellt.

Weniger Papierkram, höherer Preis

Das hat für die Kunden von Batmaid mehrere Vorteile, erklärt der Mitbegründer der Firma, Eric Laudet: "Sie sparen sich den Papierkram, der anfällt, wenn sie selbst der Arbeitgeber ihrer Putzfrau sind. Und falls die Putzfrau krank ist, dann ist es auch kein Problem sie zu ersetzen." Außerdem könne sich der Kunde sicher sein, eine kompetente Putzfrau zu haben: "Wir überprüfen die Erfahrung der Mitarbeiter und nicht zuletzt auch ihren 'casier judiciaire'", so Laudet.

Ein möglicher Nachteil ist ein höherer Preis: Batmaid verlangt zwischen 21 und 23 Euro pro Stunde, je nachdem wie häufig, die Kunden eine Reinigungskraft buchen. Das sind 336 Euro pro Monat, wenn ein Haushalt eine Putzfrau für vier Stunden pro Woche haben will. Beschäftigt man dagegen selbst eine Putzfrau für die gleiche Stundenzahl, dann kommt man auf mindestens knapp 275 Euro pro Monat. Eingerechnet sind alle fälligen Sozialabgaben und ein Stundenlohn, der dem Mindestlohn entspricht. Eric Laudet schließt aber nicht aus, dass die Preise von Batmaid noch sinken könnten.

Allerdings verlangen viele Putzfrauen mehr als den sozialen Mindestlohn. Der Online-Rechner des "Centre commun de la sécurité sociale" bietet den Überblick über die Sozialabgaben. Laut den Zahlen der Sozialversicherung meldeten 2015 18.000 Haushalte ihre Putzfrau über die vereinfachte Prozedur an. Das betraf 7.875 Putzfrauen, die insgesamt 134.431 Stunden pro Woche leisteten.

Der Schwarzarbeit Konkurrenz machen

Batmaid starte in Luxemburg mit einem sehr aggressiven Preis, betont Eric Laudet, der das Unternehmen zusammen mit Andreas Schollin-Borg vor zwei Jahren gründete. Während Batmaid in der Schweiz für seine Plattform eine Marge von 15 Prozent einbehält, seien es in Luxemburg eher 10 Prozent, so Laudet. Das Unternehmen wolle in Luxemburg schnell wachsen: "Unser Ziel ist es, im Dezember 2.000 Stunden pro Monat an geleisteten Haushaltsdiensten zu erreichen", erklärt der Schweizer.

In der Schweiz setzte Batmaid vor allem darauf, der Schwarzarbeit Konkurrenz zu machen - sprich, dass Haushalte, die bisher eine Putzkraft schwarz beschäftigten zur Online-Plattform wechseln. "Wir wissen aus der Schweiz, dass vielen bewusst ist, dass Schwarzarbeit im eigenen Haus gefährlich und riskant ist", meint Laudet. Die Online-Plattform biete einen Komfort, für den viele bereit seien, den höheren Preis zu zahlen, so Laudet. "Wir haben viele Kunden, die ihre Putzfrau nie sehen", erklärt er.

Erste Expansion außerhalb der Schweiz

Über Batmaid kann man aktuell eine Putzfrau in der Hauptstadt, dem Speckgürtel (Mamer-Capellen, Walferdingen, Bridel, Strassen, Bartringen usw.) und im Süden des Landes buchen. Andere Teile des Landes sollen folgen.

Luxemburg ist das erste Land in das das junge Unternehmen aus Lausanne expandiert. Der Grund: Der französische Konzern Onet ist der Investor hinter Batmaid und ist seit 1977 in Luxemburg präsent.

Batmaid bringe sein Marketingkonzept und seine Online-Plattform in die Zusammenarbeit in Luxemburg ein, so Laudet. Luxemburg sei zwar klein, aber ein entsprechendes Angebot und damit einen Wettbewerber gebe es bisher noch nicht hier, betont Laudet.

Der Anbieter entspricht dem Profil, das sich die Regierung für neue Wirtschaftsformen wünscht: Das heißt, die Möglichkeiten von digitalen Plattformen der Sharing Economy nutzen, aber das mit Mitarbeitern, die regulär angestellt sind. Und nicht wie bei Uber oft scheinselbstständig sind.


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