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Die Pharmaindustrie im Kampf gegen Corona
Wirtschaft 4 Min. 20.03.2020

Die Pharmaindustrie im Kampf gegen Corona

Schleswig-Holstein, Lübeck: Blick in eine Produktionshalle der "Zukunftsfabrik" der Drägerwerk AG.

Die Pharmaindustrie im Kampf gegen Corona

Schleswig-Holstein, Lübeck: Blick in eine Produktionshalle der "Zukunftsfabrik" der Drägerwerk AG.
Carsten Rehder/dpa
Wirtschaft 4 Min. 20.03.2020

Die Pharmaindustrie im Kampf gegen Corona

Wer könnte einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickeln? Wer liefert Beatmungsgeräte und Desinfektionsmittel im großen Stil? Die Corona-Krise setzt auch Pharma- und Gesundheitsfirmen unter Druck. Doch einige Produkte sind gefragter denn je.

(dpa) - Die Corona-Pandemie bringt der Wirtschaft immense Schäden, allen voran Luftverkehr, Tourismus, Gastronomie, Autobauer. Einige Firmen aus der Pharma-, Chemie- und Medizinbranche bieten aber wichtige Produkte im Kampf gegen das Virus an. Die Nachfrage ist groß - und die Forschung läuft auf Hochtouren. Eine Übersicht.

Drägerwerk

Der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik sorgte jüngst mit einem Auftrag der Bundesregierung über 10.000 neue Beatmungsgeräte für Aufsehen. Dazu will das Unternehmen seine Produktion in Lübeck erheblich ausweiten. Zudem liefert Drägerwerk persönliche Schutzausrüstung für das Personal in Krankenhäusern.

Beides soll helfen, die Versorgung im Gesundheitswesen während der Virusausbreitung zu sichern. Die bisherigen Beatmungskapazitäten auf Intensivstationen deutscher Kliniken könnten insgesamt zu gering sein, falls es zu einer rasanten Erhöhung schwerer Verläufe der Lungenkrankheit Covid-19 kommt. An der Börse schoss die Dräger-Aktie binnen eines Monats um mehr als ein Drittel hoch.

Treox

Der Mangel an Desinfektions- und Hygieneartikeln machte eine kleine Firma aus dem niedersächsischen Landesbergen bekannt: Treox bekam für das gleichnamige Mittel schon Großaufträge aus China. „Wir haben jetzt eine langfristige Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen“, sagt Co-Geschäftsführer Marc Heineking. In Deutschland sei die Nachfrage „förmlich explodiert“: Ursprünglich war das Mittel für Industriezwecke gedacht - nun suche man weitere Vertriebspartner.

Es geht um eine einfache, auf Salzlösung basierende Substanz. „Das Salz wird elektrochemisch aktiviert und dringt in schädliche Zellen oder Viren ein, die es dann abtötet“, erklärt Heineking. Ende Februar hatte die Europäische Chemikalienagentur laut dem Unternehmen ihre Zulassung gegeben. Krankenhäuser und Rettungsdienste nutzten Treox, eine explizit medizinische Zulassung stehe aber noch aus. „Wir haben jetzt auch erst mal einen großen Bedarf an Flächendesinfektion“, sagt Heineking. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) signalisierte bereits Interesse der Landesregierung an dem Produkt.

Sartorius

Der Göttinger Konzern stellt vor allem Ausstattungen für Forschungslabore und die Pharmaproduktion her. Derzeit gebe es eine „sehr intensive“ Zusammenarbeit mit deutschen und internationalen Unternehmen, die einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus in der Entwicklung oder auch bereits in den klinischen Testphasen haben. „Wir liefern unter anderem Zellkulturmedien, Bioreaktoren, Spezialfilter und analytische Instrumente“, hieß es dazu.

Eine Mitarbeiterin der Sartorius AG arbeitet in der Produktion für Laborinstrumente.
Eine Mitarbeiterin der Sartorius AG arbeitet in der Produktion für Laborinstrumente.
Swen Pförtner/dpa

Die Technik werde von Impfstoffentwicklern in aller Welt genutzt. „Wir fokussieren uns deshalb in der aktuellen Lage darauf, unsere Produktion und Lieferketten in vollem Umfang aufrecht zu erhalten.“ Mitte Februar hatte Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg die Ziele für die kommenden Jahre genannt. Die größten Wachstumschancen seien in China, Sartorius hat auch schon einen Produktionsstandort in Peking.

CureVac

Das Tübinger Pharmaunternehmen kann möglicherweise schon im Herbst einen Impfstoff bereitstellen. „Bei positivem Verlauf könnten wir ungefähr im Frühsommer mit klinischen Tests beginnen“, so Miteigner und SAP-Gründer Dietmar Hopp. Weil der Druck enorm hoch sei, sollte es mit der Behördengenehmigung rascher gehen als üblich. „Wir wären also in der Lage, den Impfstoff im Herbst zu liefern.“

Ein Blick ins Tübinger Labor des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac.
Ein Blick ins Tübinger Labor des biopharmazeutischen Unternehmens CureVac.
Sebastian Gollnow/dpa

Jüngst hatte es Berichte gegeben, wonach die USA exklusiv die Rechte an einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus von CureVac kaufen wollten - was die Firma jedoch ablehnte. Bereits seit Januar forscht das Unternehmen an einem Impfstoff gegen den Erreger. Die EU will bei der Entwicklung mit bis zu 80 Millionen Euro helfen.

Versandapotheken

Die Shop-Apotheke sprach zuletzt von temporärem „Auftragsschub“ wegen der Viruskrise. Aus Sorge kaufen Verbraucher verstärkt Erkältungsmedikamente wie Husten-, Schmerz- und Fiebermittel. Wer keine Apotheke um die Ecke hat oder das Haus nicht verlassen will, ordert gern im Internet. Auch die Versandapotheke Apotal berichtet von Andrang: Das Bestellvolumen sei bis zu drei Mal höher als üblich. Man bitte die Kunden um Geduld bei Bestellungen.


ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht vom 6. März 2020: Vor Fernreisen in tropische Länder sollten sich Urlauber über etwaige Reiseimpfungen beraten lassen - das gilt unabhängig vom Coronavirus. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
CureVac-Investor: Streit um Corona-Impfstoff
Medienberichten zufolge ist US-Präsident Donald Trump am Tübinger Pharmaunternehmen CureVac interessiert. Dieses lehnt aber einen Exklusivvertrag für die USA ab.

Der deutsche Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) erklärte, das Bestellaufkommen bei Online-Apotheken habe seit dem Ausbruch der Viruskrise um 60 Prozent zugenommen: „Alle arbeiten am Limit.“

BioNTech

Die Mainzer Biotech-Firma will mit einem chinesischen Partner einen Impfstoff gegen den Covid-19-Erreger entwickeln. BioNTech und Fosun Pharma in Schanghai vereinbarten dazu gemeinsame klinische Studien. Der Kandidat für einen geplanten Impfstoff soll Körperzellen anregen, Wirkstoffe zur Abwehr des Virus zu erzeugen.

Bei einer Zulassung soll Fosun Pharma den Impfstoff in China vermarkten, außerhalb der Volksrepublik hätte BioNTech dagegen die Vermarktungsrechte. An der Börse legten BioNTech-Aktien daraufhin stark zu. Die Firma gilt wegen ihrer breiten Entwicklungsplattform als gut aufgestellt im Rennen um einen Coronavirus-Impfstoff.

Siemens Healthineers

Der Chef des Medizintechnik-Konzerns, Bernd Montag, berichtet: „Teilweise sehen wir ein deutlich gesteigertes Interesse an unseren bildgebenden Geräten.“ Computertomografen kämen zum Einsatz, um Patienten mit akutem oder drohendem Lungenversagen zu überwachen und nötige Therapien sicherzustellen. Zudem arbeite Siemens Healthineers an der Entwicklung eines Coronavirus-Tests, der nicht an eine bestimmte Analyseplattform gebunden sei.

Das Unternehmen will auch mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) Systeme entwickeln, um Veränderungen des Lungengewebes im Computertomographen schneller erkennen zu können. Außerdem soll medizinisches Personal künftig Diagnosen mit digitalen Diensten ortsunabhängig - und damit ohne Ansteckungsrisiko - stellen können.


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