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Die Nacht, als Premier Santer seine Karriere riskierte
Wirtschaft 1 2 Min. 10.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Die Nacht, als Premier Santer seine Karriere riskierte

10. Dezember 1988: Im RTL-Fernsehstudio in der Villa Louvigny warten SES-Sprecher Carlo Rock, CLT-Präsident Gaston Thorn und Staatsminister Jacques Santer gespannt auf den historischen Augenblick.

Die Nacht, als Premier Santer seine Karriere riskierte

10. Dezember 1988: Im RTL-Fernsehstudio in der Villa Louvigny warten SES-Sprecher Carlo Rock, CLT-Präsident Gaston Thorn und Staatsminister Jacques Santer gespannt auf den historischen Augenblick.
Foto: LW-Archiv
Wirtschaft 1 2 Min. 10.12.2013 Aus unserem online-Archiv

Die Nacht, als Premier Santer seine Karriere riskierte

Anfang Dezember 1988 verbrachte der damalige Regierungschef Jacques Santer schlaflose Nächte: Bei einem Fehlstart des ersten Astra-Satelliten hätte der CSV-Premier seinen Hut nehmen müssen.

(rar/lc) - Als vor 25 Jahren der erste Astra-Satellit gestartet wurde, ahnte niemand, dass damit der Grundstein gelegt war für den Aufstieg der Betreibergesellschaft SES, die heute eine Flotte von 55 Satelliten betreibt.

Was aber auch heute kaum noch bekannt ist: Der damalige Regierungschef Jacques Santer (CSV) setzte in jener Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1988, beim Start der Ariane-IV-Rakete mit Astra 1A an Bord, seine politische Karriere aufs Spiel.

"Ich hatte eine schlaflose Nacht", so Santer im Rückblick. "Der Start war nur teilweise durch Versicherungen abgedeckt, es bestand ein echtes finanzielles Risiko."

Santer hatte per Gesetz eine Staatsgarantie in Höhe von umgerechnet 90 Millionen Euro ausgestellt. Damit war der Luxemburger Staat mit haftbar für den enormen finanziellen Schaden, falls die Rakete explodiert oder der Satellit im All verschollen wäre. "Dank dieser Garantie sind die anderen Investoren eingestiegen", so Santer. "Selbstverständlich verknüpfte ich meine politische Karriere mit dem Erfolg des Unternehmens." 

Bange Stunden vor dem Start

Der für den 9. Dezember 1988 anberaumte Ariane-Flug V27 wurde abgesagt und auf den folgenden Tag verlegt. Doch dann ging alles glatt. Die Rakete funktionierte einwandfrei, setzte Astra 1A im All aus und bescherte Luxemburg damit seinen "neie Feierwon", wie der damalige Erbgroßherzog Henri im Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana im Überschwang der Gefühle sagte. Santer: "Das war eine große Erleichterung!"

Pierre Werner, Santers Vorgänger im Staatsministerium und Initiator der Luxemburger Stalliten-Pläne, erlebte den Start im Kontrollzentrum mit. "Werner beschäftigte sich in den 1970er-Jahren mit der Zukunft des Landes. Er  war sich darüber im Klaren, dass wir uns nicht zurücklehnen konnten, sondern nach vorne blicken mussten", erinnert sich Jacques Santer.

Politischer Druck aus Frankreich

Doch Luxemburg sah sich bei der Verwirklichung seiner Satelliten-Ambitionen dem politischen Druck seiner europäischen Nachbarn ausgesetzt, allen voran Frankreich. Der französische Postminister Louis Mexandeau etwa verunglimpfte das Projekt Astra als "Coca-Cola-Satellit".

Bundeskanzler Helmut Kohl dagegen interessierte laut Jacques Santer vor allem, ob man Astra-Programme auch in der damaligen DDR empfangen könne. Gerade der Publikumszuspruch in Ost-Deutschland trug dann maßgeblich zum Siegeszug des Astra-Konzepts bei.

Dabei war das Gelingen des Luxemburger Unternehmens zu Beginn nicht ohne weiteres absehbar. "Ich hätte mir nie vorstellen können, dass die SES eine derartige Erfolgsgeschichte werden würde", so Santer im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

Jahre später habe er mit dem ehemaligen Direktor des Konkurrenz-Unternehmens Eutelsat gesprochen, das zu den schärfsten Widersachern des Astra-Projektes gehört hatte. Jean Grenier sagte zu Santer, dass er ihn schon damals für seinen politischen Mut bewundert habe. "Ich selber hätte das niemals gemacht."

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