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Die Jagd nach Kobalt
Wirtschaft 7 Min. 10.12.2019

Die Jagd nach Kobalt

Die kasachisch-luxemburgische "Eurasian Resources Group" betreibt Minen und Werke in 15 Ländern.

Die Jagd nach Kobalt

Die kasachisch-luxemburgische "Eurasian Resources Group" betreibt Minen und Werke in 15 Ländern.
Foto: ERG
Wirtschaft 7 Min. 10.12.2019

Die Jagd nach Kobalt

Marco MENG
Marco MENG
Ein Unternehmen mit Firmensitz Luxemburg will mit der "Global Battery Alliance" Standards setzen.

Es ist graublau, sehr begehrt und wird als Nebenprodukt bei der Kupfer- oder Nickelförderung abgebaut: Kobalt. 

Die Nachfrage nach diesem Schwermetall wird sich, getrieben durch die Elektromobilität, bis 2025 auf rund 240.000 Tonnen verdoppeln. Verwendet wird Kobaltoxid in Lithium-Ionen-Akkumulatoren, wie sie in Smartphone-Akkus und Batterien für Elektroautos eingesetzt werden. Die wichtigsten Erzlagerstätten befinden sich im Kongo.

Dort ist das luxemburgisch-kasachische Unternehmen Eurasian Resources Group (ERG) aktiv – neben vielen „Selbergräbern“, zumeist illegale Kleinstminen, in denen oft auch Kinder arbeiten und die bis zu zwanzig Prozent des Kobalts schürfen sollen. 

Nicht zuletzt das macht diesen Rohstoff, den man früher nahezu gar nicht brauchte, zu einem aktuell viel diskutierten Thema. Gibt es überhaupt genug Kobalt? Wie sind die Abbaubedingungen? Warum wird er kaum recycelt? Ein Smartphone enthält etwa acht Gramm Kobalt, ein Elektroauto zwischen acht und zwölf Kilogramm.

Begehrtes „Nebenprodukt“

Die Nachfrage nach Kobalt hat sich in den letzten fünf Jahren wahrscheinlich verfünffacht. Fast zwanzig Prozent der globalen Produktion geht heute in den Automobilsektor für E-Auto-Batterien, ein Sektor, den es vor einigen Jahren noch gar nicht gab. 

Vor wenigen Jahren noch ein unbedeutendes Nebenprodukt ist Kobalt heute sehr gefragt.
Vor wenigen Jahren noch ein unbedeutendes Nebenprodukt ist Kobalt heute sehr gefragt.
Foto: ERG

„Das heißt, das Wachstum ist ganz erheblich“, sagt Benedikt Sobotka, Chef von ERG. Sobotka ist nach langem Flug aus China wieder mal in Luxemburg. Eines der vielen Büros, die der 39-Jährige weltweit hat, denn er verbringt sein Berufsleben zumeist auf Reisen. 

„Es kann ja gar nicht so viel Kobalt produziert werden, wie gebraucht wird“, meint der in Köln geborene Bergbaumanager und deutet damit an, dass neue Arten von Batterien entwickelt werden müssen.

Das beste Kobalt und das sauberste ist das recycelte, so Sobotka. Bis es aber neue Batteriearten gibt, wird es wohl noch zehn Jahre und länger dauern, und so lange könnte es auch dauern, bis es effiziente Wiederverwendungsmethoden für Kobalt gibt. Das heißt: Man wird noch viele Jahre Kobalt abbauen müssen.


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Sobotkas Bergbaukonzern ERG, ein weltweit tätiger Rohstoffförderer und -verarbeiter mit rund 85.000 Mitarbeitern in 15 Ländern und Bergwerke von Zentralasien, Russland, China bis Südamerika, fördert Bauxit und stellt daraus Aluminium her, ebenso gewinnt es Kupfer, Mangan, Eisenerz und Chrom, das verwendet wird, um Edelstahl herzustellen. 

Ein Kunde von ERG ist beispielsweise ArcelorMittal, daneben Autokonzerne und Batteriehersteller.

Manche Rohstoffe verarbeitet ERG bis zum Endprodukt wie zum Beispiel Aluminium aus dem Rohstoff Bauxit.
Manche Rohstoffe verarbeitet ERG bis zum Endprodukt wie zum Beispiel Aluminium aus dem Rohstoff Bauxit.
Foto: ERG

„Im Bereich Chrom sind wir weltweit der größte Produzent“, sagt ERG-Chef Sobotka.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Teelöffel, den man in den Händen hält, Chrom von ERG enthält, ist hoch. Darüber hinaus ist ERG einer der größten Lieferanten von Material, das für Elektrobatterien benötigt wird, darunter Kobalt. Größter Verarbeiter von Kobalt: China. Dort traf Sobotka gerade Kunden und Geschäftspartner.

ERG mit Ursprung Kasachstan unterhält auch in China ein großes Büro, denn im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“-Strategie Pekings hat ERG Kooperationen mit chinesischen Bauunternehmen und finalisierte in Zusammenarbeit mit diesen einige Großprojekte in Afrika, Kasachstan und Brasilien, wo ERG gerade für rund drei Milliarden US-Dollar ein Eisenbergwerk mit Hafen baut. 

Auch die Mine in Zentralafrika, derzeit etwa so groß wie der Flughafen Luxemburg, wird erweitert: Es soll etwa so viel Kobalt liefern wie für drei Millionen Elektroautos gebraucht wird.

„Unser Fokus in Afrika liegt bei Kupfer und Kobalt“, erläutert Sobotka. Daneben fördert das Unternehmen, das eine der größten Logistikorganisation in Zentralafrika mit etwa 600 Lastwagen betreibt, dort auch Platin und Titan.

ERG fördert und verarbeitet Kupfer und Kobalt im Kongo.
ERG fördert und verarbeitet Kupfer und Kobalt im Kongo.
Foto: ERG

Während ERG aus dem Rohstoff Bauxit in eigenen Fabriken Aluminiumbarren herstellt, verfolgt das Unternehmen nicht bei allen Materialien den Produktionsprozess bis zum Endprodukt. 

Das würde sich beim billigen Eisenerz wegen der Transportkosten kaum lohnen. Größtenteils verkauft ERG darum sein Eisenerz an russische und chinesische Stahlunternehmen. Beim gefragten Kobalt macht ERG beides: Es verkauft den Rohstoff entweder als Kobalt-Hydroxid oder als Metall für Legierungen, beispielsweise für Turbinen. 

Schwierigkeiten bereitet ERG dabei vor allem der Preis, genauer gesagt, die enormen Preisschwankungen, die Kobalt zuletzt zeigte. Kostet die Tonne derzeit rund 35.000 US-Dollar, so war es im Mai 2018 sogar 90.000 US-Dollar. Anfang 2016 waren es 22.000 Dollar.

Die nachhaltige Batterie-Wertschöpfungskette

Es gibt keinen Weg zu nachhaltiger erneuerbarer Energie ohne Energiespeicher, meint Sobotka. Gerade wenn man als Kunde ein Elektroauto kaufe, dann aber nicht sicher sein könne, dass das Material, das dort verwendet wird, sauber hergestellt wurde, sei das ein Widerspruch. 

ERG garantiere darum, dass deren Material „auf keinen Fall“ mit sogenannten „Kleinstbergwerken“, wie es sie in Zentralafrika viele gibt und wo auch Kinderarbeit vorkommt, gefördert wurde. 

Das Unternehmen hat dazu das Programm „Clean Cobalt Initiative“ initiiert, bei der das Beratungsunternehmen PwC unabhängig die Lieferkette analysiert. Derzeit arbeitet der kasachisch-luxemburgische Konzern daran, dass mithilfe der Blockchain-Technologie der einzelne Sack Kobalt vom Bergwerk bis hin zum Endkunden, zum Beispiel dem Autohersteller, nachverfolgt werden kann.

Und was ist mit Afrika und seiner Bevölkerung? Sobotka meint, Rohstoff-Investitionen führten immer auch zu sekundären Investitionen, die sehr wertvoll für die Region seien. 

ERG-Chef Benedikt Sobotka (Mitte) mit Mitarbeitern in Zentralafrika.
ERG-Chef Benedikt Sobotka (Mitte) mit Mitarbeitern in Zentralafrika.
Foto: ERG

„Wenn Projekte sehr lokal sind und gemeinsam mit Unternehmen in der Region geschehen, sind sie sehr erfolgreich“, so Sobotka. ERG hat darum eine Kooperation mit dem katholischen Nonnenorden „Schwestern vom Guten Hirten“, der Schulen und Frauenbetreuungszentren betreibt.  „Das heißt, wir unterstützen den Bau und den Unterhalt von Schulen und solchen Zentren für Frauen und Kinder. 

Frauen wie Kinder erhalten dort ihre Ausbildung und sind damit weitgehend raus aus einem Milieu, das anfällig für Missbrauch wie beispielsweise Kinderarbeit ist“, erklärt Sobotka. Das sehe sein Unternehmen als moralische Verpflichtung. „Und es ist auch, glaube ich, langfristig das Richtige.“


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