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Die Gründer von "Drockmeeschter": Meister in der Garage
Druckfrisch: Maurice Nilles und Ben Hames mit ihrer Ware.

Die Gründer von "Drockmeeschter": Meister in der Garage

Foto: Guy Jallay
Druckfrisch: Maurice Nilles und Ben Hames mit ihrer Ware.
Wirtschaft 7 1 3 Min. 21.07.2017

Die Gründer von "Drockmeeschter": Meister in der Garage

Noch nicht volljährig aber schon dick im Geschäft: Zwei 17-jährige Luxemburger haben ihren eigenen Betrieb gegründet – weil sie etwas Neues ausprobieren wollten und eine Leidenschaft fürs Unternehmertum haben.

(miz) - Die Garage ist zwar ein unspektakulärer aber scheinbar entscheidender Ort für Firmengründungen. Steve Jobs, Bill Gates, Jeff Bezos – sie alle haben in Garagen angefangen, an ihren Ideen zu tüfteln. 

Auch in Reckingen bei Mersch wird in einer Garage an einem Projekt gearbeitet. Hier geht es aber nicht um Computer oder Softwaresysteme, sondern um Textilien. Seit zwei Jahren müssen die Autos von Familie Hames draußen parken, weil die Schulfreunde Ben Hames und Maurice Nilles das Untergeschoss des Hauses nutzen, um T-Shirts, Pullover, Hosen oder Jutebeutel zu bedrucken.

Seit dem 8. Februar ist ihr Unternehmen „Drockmeeschter“ auch offiziell als Ein-Euro-Gesellschaft eingetragen.

Sich selbst etwas beibringen

Die Idee für ihren Betrieb ist vor allem aus Frust entstanden. Ben und Maurice hatten genug von der vielen Theorie in der Schule und wollten nebenbei etwas Eigenes auf die Beine stellen.

Angefangen haben sie mit dem Design von Vintage-T-Shirts. Die haben sie bei einer Firma bedrucken lassen. „Doch dann kam uns die Idee, dass wir den Druck bestimmt auch selbst machen könnten“, so Maurice.

Als Startkapital investierten die beiden je 250 Euro, eine erste Drucksiebpresse wurde gekauft und dann legten sie mit ihrem Projekt los. Sie lernten mit Photoshop Logos zu entwerfen, wie sie Prints am besten matt oder glänzend hinbekommen und sie brachten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Drucktechniken selbst bei.

Bloß nicht zu schnell wachsen

Maurice und Ben sind Profis – nur eben sehr junge Profis. Einen Teil ihrer Gewinne haben sie in die Apparaturen reinvestiert, so dass im Keller von Familie Hames mittlerweile Geräte im Wert von 20.000 Euro stehen. Die Schüler sagen, sie hätten alles selbst gezahlt, ein Darlehen von einer Bank sei nie eine Option gewesen.

Hört sich alles wohlüberlegt an, und doch hatten sie am Anfang eine große Sorge: Dass ihnen alles über den Kopf wächst. „Wir hatten keine Probleme, Aufträge zu bekommen. In der Anfangszeit hatten wir eher Angst, dass zu viele Bestellungen eingehen“, erklärt Maurice. „Damals fehlten uns noch die richtigen Gerätschaften und wir waren auf große Bestellungen nicht wirklich vorbereitet“, sagt er weiter.

Trotzdem wollten sie ihren Kunden eine „konstant gute Qualität“ liefern. Doch dafür brauchten sie Zeit und eine gewisse Routine. „Einen einzigen Druck perfekt hinzubekommen, ist kein Problem. Aber 300 Exemplare alle gleich gut zu drucken und das in möglichst kurzer Zeit? Das ist gar nicht so einfach“, sagt Ben.

Mittlerweile können die beiden Aufträge von 400 Exemplaren problemlos meistern. Dafür haben sie sich eine Mehr-Stationen-Presse gekauft und arbeiten täglich nach der Schule an den Bestellungen. Unter der Woche drucken sie bis spät abends, am Wochenende auch schon mal bis in die Nacht hinein.

Noch sind die beiden auf einer 3e D im Lycée de Garçons, wie es aber nach der 1ère mit „Drockmeeschter“ weitergeht, wissen sie noch nicht. „Wir versuchen einfach im Moment zu leben. Unsere Eltern machen sich da schon mehr Gedanken“, sagt Ben.

Endlich flügge werden?

Farbbecher stapeln sich auf dem Regal in der Garage.
Farbbecher stapeln sich auf dem Regal in der Garage.
Foto: Guy Jallay

Seit Ben und Maurice ihre Ein-Euro-Firma haben, ist ihre Verantwortung noch ein Stück weit größer geworden. Jetzt müssen sie über ihre Finanzen Buch führen, Bestellungen und Ein- oder Ausgaben alle schriftlich festhalten. „Davor haben uns unsere Eltern gewarnt. Sie meinten, ein richtiges Unternehmen zu gründen wäre zu kompliziert und mit zu viel Papierkram und Verpflichtungen verbunden“, so Maurice.

Sie wagten es trotzdem – und haben bis jetzt so viel Erfolg, dass sie mit dem Gedanken spielen, aus der Garage auszuziehen. Momentan suchen sie nach einer Lagerhalle von etwa 100 Quadratmetern. „Wenn wir uns dafür entscheiden, wird der Druck natürlich wieder ein bisschen größer“, so Ben. Dann müssen auch noch Miete und Nebenkosten gezahlt werden – egal, ob viele oder wenige Bestellungen eingehen.

Trotzdem wird es wohl bald soweit sein. Und warum auch nicht? Andere haben den Sprung aus der heimischen Garage in die Selbstständigkeit auch geschafft.

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