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Die Elektromechaniker
Wirtschaft 6 Min. 31.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Elektromechaniker

René Elvinger kaufte 2011 das Unternehmen Elth und machte darauf Cebi - Komponentenhersteller für die Auto- und Haushaltsgeräteindustrie.

Die Elektromechaniker

René Elvinger kaufte 2011 das Unternehmen Elth und machte darauf Cebi - Komponentenhersteller für die Auto- und Haushaltsgeräteindustrie.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 6 Min. 31.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Elektromechaniker

Marco MENG
Marco MENG
Von Thermostatventilen bis Scheibenwischermotoren - kaum ein Auto und kaum eine Waschmaschine läuft ohne Komponenten von Cebi. Der Konzern mit Sitz in Steinsel ist seit neun Jahren ein Familienunternehmen.

In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, kaufte René Elvinger 2011 die Elektronikfirma Elth. Zu dieser Zeit hatte er schon mehr als 30 Jahre in dem Unternehmen gearbeitet, deren Generaldirektor er seit 1985 war. 

Elvinger war damals 60 Jahre alt, als er damit beauftragt wurde, das Werk in Luxemburg zu verkaufen – mit allen Gefahren, die das für die Mitarbeiter bedeutet hätte. Warum nicht selbst übernehmen, sagte sich Elvinger. Um die Gruppe zusammenzuhalten und nach kurzer Überlegung – und einiger Überzeugungsarbeit bei Banken – kaufte Elvinger die ganze Unternehmensgruppe selbst. 

Bereitet allmählich die Übergabe an die Tochter Lynn und den Sohn Paul vor: René Elvinger wird im März 69 Jahre alt.
Bereitet allmählich die Übergabe an die Tochter Lynn und den Sohn Paul vor: René Elvinger wird im März 69 Jahre alt.
Foto: Lex Kleren

„Es war damals keine leichtfertige Entscheidung“, sagt der Unternehmer, „aber heute kann ich sagen, es war eine gute und richtige Entscheidung.“

Obwohl jeder irgendwie ein Cebi-Produkt besitzt, sei es im Auto oder eingebaut in einem Haushaltsgerät, ist das Unternehmen nur den wenigsten ein Begriff. 

Wer ein europäisches Auto fährt und sein Auto verschließt, der schließt mit ziemlicher Sicherheit auch ein Tankklappenschloss und Heckklappenschloss, das von Cebi hergestellt wurde. Bei Waschsystemen, Temperatursensoren oder Schließsystemen für Tank- und Heckklappen ist Cebi europäischer Marktführer und gehört auch weltweit zu den größten Anbietern

Plötzlich nicht nur Chef, sondern auch Eigentümer 

Vom Angestellten zum Chef und Eigentümer war es ein gewaltiger Sprung. Elvinger konnte dabei von seiner Erfahrung zehren, schließlich hatte er bis dahin schon einige Werke der Elth-Gruppe aufgebaut. 

„Dann aber das alles zu übernehmen, das war schon anders“, gibt Elvinger zu. Doch der Übergang sei fast lautlos vonstatten gegangen, so Elvinger, sodass man im Werk Luxemburg eigentlich wenig spürte, dass ein Eigentümerwechsel stattfand. 

Die Rechtsanwältin Lynn Elvinger trat 2012 ins Unternehmen ein.
Die Rechtsanwältin Lynn Elvinger trat 2012 ins Unternehmen ein.
Foto: Lex Kleren

Was mit einer kleinen Fabrik in Steinsel 1976 für elektromechanische Komponenten begann, ist inzwischen eine Weltfirma mit Werken in Luxemburg, Brasilien, Italien, Schweiz, Polen Spanien, Mexiko und bis nach China und insgesamt 3.500 Mitarbeitern, davon etwas mehr als 600 in Luxemburg. Als neuer Eigentümer taufte Elvinger das Unternehmen in Cebi um. 

Das Unternehmen beliefert die gesamte europäische Automobil- und Haushaltsgeräteindustrie mit elektromechanischen Komponenten: Abnehmer sind Volkswagen, der größte Kunde, bis zu Herstellern von Kühlschränken, Öfen oder Waschmaschinen. Wichtigster Kunde bleibt aber die Autoindustrie: mit ihr macht Cebi 87 Prozent seines Umsatzes von zuletzt 471 Millionen Euro (2018). 


René Elvinger wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
René Elvinger  ist Unternehmer des Jahres 2013
Im Rahmen einer Galaveranstaltung im Casino 2000 in Mondorf wurde am Montagabend der Unternehmer des Jahres 2013 bekanntgegeben.

 Auf Haushaltsgeräte entfallen neun Prozent, auf Ventilation drei Prozent des Umsatzes. Bislang macht Elektromobilität ein Prozent der Geschäftstätigkeit aus. Allein das Werk in Steinsel stellt jeden Tag 300.000 Fertigprodukte her. Unter anderem produziert die Cebi-Gruppe Öldruckschalter, Thermostatventile, Umlaufpumpen, Vakuumpumpen, Lüftermotoren für Öfen und Kühlschränke, Temperatursensoren für Wasser, Diesel oder Öl, Expansionsbehälter für Kühlwasser und Behälter für Bremsflüssigkeiten. 

Elvingers Kinder Paul und Lynn sind inzwischen in das Unternehmen eingestiegen. Erst Paul, der Wirtschaft studierte, dann 2012 Lynn, die Jura studiert hat und gerade erste Erfahrungen als Rechtsanwältin sammelte. 

„Es war ja bei uns nicht so wie bei einem Familienunternehmen, wo es den Kindern schon früh klar ist, dass sie vielleicht in die Fußstapfen der Eltern treten.“ 

In Steinsel zählt Cebi 600 Mitarbeiter, die meisten davon Frauen.
In Steinsel zählt Cebi 600 Mitarbeiter, die meisten davon Frauen.
Foto: Lex Kleren

Als Kind, gibt Lynn zu, hatte sie nie den Berufswunsch, Unternehmerin zu werden. „2011 kam das dann natürlich etwas plötzlich für uns, aber wir wurden nicht gezwungen, ins Unternehmen zu kommen, wir waren frei in unserer Entscheidung.“ 

Elvinger tritt zwar allmählich kürzer; ein konkretes Datum für seinen Rückzug verrät er allerdings nicht. 

Millioneninvestition in den Standort Steinsel 

Beim Gang durch die Werkshallen fällt gleich auf: Man sieht deutlich mehr Frauen als Männer an den Maschinen. Und der Schein trügt nicht: Insgesamt arbeiten in Luxemburg rund 100 Frauen mehr als Männer, wobei die meisten Mitarbeiter, mehr als 300, aus Luxemburg selbst kommen. 

In Steinsel hat Cebi jetzt zwölf Millionen Euro investiert, unter anderem in ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum mit einer Fläche von 2.400 Quadratmetern. Auch in China, wo Cebi immerhin neun Prozent seines Umsatzes macht, entsteht gerade ein neues Gebäude. Die beiden größten Märkte für Cebi sind Deutschland und Frankreich. 

Von Thermosteckern bis Scheibenwischermotoren: Autoindustrie und Haushaltsgerätehersteller sind die wichtigsten Kunden.
Von Thermosteckern bis Scheibenwischermotoren: Autoindustrie und Haushaltsgerätehersteller sind die wichtigsten Kunden.
Foto: Lex Kleren

15 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen außerhalb Europas und Chinas. Da Cebi auch Teile herstellt, die für Dieselmotoren gebraucht werden, spürt das Unternehmen die derzeitige Unsicherheit auf dem Automarkt. „Es herrscht eine große Ungewissheit“, sagt Elvinger. „Das hat nicht nur mit der Elektromobilität zu tun, sondern insgesamt mit der Frage, welche Antriebe künftig gebraucht werden.“ So baue Toyota beispielsweise zwar Hybridautos, aber keine reinen Elektroautos, und forsche am Wasserstoffantrieb. 

Die große Frage sei deswegen, welcher Antrieb in zehn Jahren Vorrang habe. Für die Cebi-Gruppe bedeutet dabei E-Mobilität nicht unbedingt weniger Geschäft: Zwei Teile, die direkt im Verbrennungsmotor verwendet werden, zum Beispiel Temperaturschalter, könnten wegfallen und ersetzt werden von zehn Temperaturgebern für die Kühlung von Batterien. Und die Elektromotoren für Fensterheber, die Cebi herstellt, werden auch im E-Auto gebraucht. 

Bei Pumpen für Scheibenwischanlagen ist Cebi ebenfalls führend. Auch dieses Geschäft könnte wachsen: Denn kommt das selbstfahrende Fahrzeug, müssen die ganzen Kameras, die ein solches Auto hat, gereinigt werden. Das Kompetenzzentrum für Waschsysteme hat Cebi in Luxemburg. Auch die Klimaanlage wird bleiben. „Achtzig Prozent unserer Produktion findet in Westeuropa statt“, sagt Elvinger. 

Manche der Anlagen, an denen für die Autoindustrie produziert wird, laufen im 3-Schicht-System.
Manche der Anlagen, an denen für die Autoindustrie produziert wird, laufen im 3-Schicht-System.
Foto: Lex Kleren

Liegt denn nicht die Verlockung nah, in günstige Länder wie Vietnam oder Indien die Produktion zu verlagern? „Wir sind hier nahe am Kunden“, sagt Elvinger, gibt aber gleichzeitig auch zu bedenken: „Polen liegt aber näher an vielen Autoproduktionsstätten als Luxemburg.“ Elvinger weiter: „Wenn wir nichts mehr fertigen in Europa, wenn keine Autos mehr in Europa gebaut werden, wird das Ganze schwierig.“ 

Die Initiative der EU-Kommission für einen europäischen Mindestlohn begrüßt Elvinger, der 2013 vom Luxemburger Industrieverband Fedil zum „Unternehmer des Jahres“ gekürt worden war. Einige der Anlagen in den Cebi-Werkshallen in Steinsel laufen im 3-Schicht-System. Die Leuchtschrift über der Produktionslinien verrät, für wen gerade etwas hergestellt wird: Hier Ford, dort Daimler, und an der nächsten Linie für Chrysler. 

Die wichtigen Produktionsanlagen stellt Cebi selbst her: so bleibt das Know How im Haus.
Die wichtigen Produktionsanlagen stellt Cebi selbst her: so bleibt das Know How im Haus.
Foto: Lex Kleren

Neben elf Fabriken verfügt Cebi auch über ein Werk, wo das Unternehmen seine eigenen Spezialwerkzeuge und Fertigungslinien entwickelt und herstellt. So bleibt wichtiges Know how im Haus. „Man braucht eine bestimmte Menge, die man herstellt, um automatisieren zu können“, erklärt Elvinger. Und da die Sensoren, die in Steinsel produziert werden, leicht sind, kann man sie von hier aus auch einfach in alle Welt verschicken. 

Cebi ist führend bei Waschsystemen für die Autobranche.
Cebi ist führend bei Waschsystemen für die Autobranche.
Foto: Lex Kleren

Bei größeren Produkten wie Wasserbehälter muss man hingegen nah am Abnehmer sein. Sie werden darum nur noch zum Teil in Luxemburg hergestellt, aber auch in Polen, Spanien und Italien, Brasilien, China und Mexiko. „Es gibt auch Teile, für die wir die Produktion nicht automatisieren können.“ Das liegt auch an den Fahrzeugherstellern, die für bestimmte Stecksysteme keinen gemeinsamen Standard haben. 

Vater und Tochter: der Generationenwechsel soll lautlos vonstatten gehen.
Vater und Tochter: der Generationenwechsel soll lautlos vonstatten gehen.
Foto: Lex Kleren

Forschung und Entwicklung an sieben Standorten 

Neuerungen in Autoindustrie wie auch in der Haushaltsgeräteindustrie bedeuten für Cebi, neue Teile und modifizierte Teile, während andere wegfallen. 

„Alles ist in Bewegung, und das ist auch gut so“, sagt Elvinger. Waren in Waschmaschinen früher sechs Bimetallschalter eingebaut, läuft heute alles über einen Elektroniksensor. Das Teil, das übrigens von Cebi am häufigsten produziert wird – 14 Millionen Exemplare pro Jahr – , ist ein Temperatursensor für die Fahrzeugindustrie. 


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Förderung von Innovation und Forschung.
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René Elvinger avait 60 ans quand il est devenu chef d'entreprise. Il a racheté Cebi International, le groupe dans lequel il travaillait depuis 35 ans. Cinq ans plus tard, il bénéficie d'une expérience dans la reprise d'entreprise... qu'il utilise pour préparer sa succession.
A 65 ans, René Elvinger est encore un jeune enterpreneur. Il est devenu son propre patron il y a seulement cinq ans. Entré à 25 ans dans la jeune usine Elth de Steinsel, il en avait pris la direction générale en 1985. Avant de la racheter en 2011.
René Elvinger kauft Elth
Die Elektronikfirma Elth hat einen neuen Besitzer. Direktor René Elvinger übernahm nicht nur Elth in Luxemburg, sondern auch die übrigen Unternehmen des Partnernetzes Cebi.
Das Herz von René Elvinger hängt an „seiner“ Firma: Er ist seit dem Anfang von Elth 1976 dabei und stieg 1985 zum Generaldirektor der Luxemburger Firma mit Sitz in Steinsel auf.