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Deutsche Wirtschaft stürzt in eine Rezession
Wirtschaft 2 Min. 15.05.2020

Deutsche Wirtschaft stürzt in eine Rezession

Teile eines Getriebes in der Produktionshalle der ThyssenKrupp Aufzugswerke.

Deutsche Wirtschaft stürzt in eine Rezession

Teile eines Getriebes in der Produktionshalle der ThyssenKrupp Aufzugswerke.
picture alliance / dpa
Wirtschaft 2 Min. 15.05.2020

Deutsche Wirtschaft stürzt in eine Rezession

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart. Europas größte Volkswirtschaft wächst nicht mehr, sondern schrumpft. Eine rasche durchgreifende Erholung erwarten Ökonomen nicht - im Gegenteil.

(dpa) - Deutschland ist im Zuge der Corona-Krise in eine Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Berlin mitteilte. Der Rückgang sei im Quartalsvergleich der mit Abstand stärkste seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Im März hatte sich die Pandemie in Europa ausgebreitet. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben in großen Teilen zum Erliegen.


Construction workers wearing PPE (personal protective equipment), some including face masks, work to build new apartments and a retail complex at Nine Elms in south London on May 14, 2020 following an easing of the novel coronavirus COVID-19 lockdown guidelines. - Prime Minister Boris Johnson has urged people to continue to work at home if they can but said those in sectors such as manufacturing and construction could return if it is safe. (Photo by JUSTIN TALLIS / AFP)
Nach dem Virus die Pleite
Die wirtschaftlichen Folgeschäden der Corona-Krise könnten zu einer Abwärtsspirale führen, die nur schwer zu stoppen ist.

Im Schlussquartal 2019 ging die Wirtschaftsleistung nach neuer Berechnung der Wiesbadener Behörde gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurück. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer „technischen Rezession“.

Mit dem Konjunktureinbruch im ersten Vierteljahr ist nach Einschätzung von Volkswirten die Talsohle allerdings noch nicht erreicht. Die Bundesregierung rechnet im Gesamtjahr 2020 mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft Europas dürfte demnach um 6,3 Prozent schrumpfen, obwohl es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen soll. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 5,7 Prozent gesunken. Die weltweite Corona-Krise mit unterbrochenen Lieferketten belastet vor allem den Export, aber auch den privaten Konsum.

Ökonomen gehen davon aus, dass der Absturz im zweiten Quartal, als die Corona-Maßnahmen erst richtig durchschlugen, dramatisch ausfallen wird. „Der Tiefpunkt der Krise dürfte mit dem April jetzt zwar hinter uns liegen, der Anstieg wird sich aber nur allmählich vollziehen, und von Normalität kann noch für längere Zeit keine Rede sein“, erläuterte jüngst Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Volkswirte der Deutschen Bank rechnen im zweiten Vierteljahr mit einem BIP-Einbruch um 14 Prozent zum Vorquartal. Ökonomen der staatlichen Förderbank KfW sagen der deutschen Wirtschaft „einen langen Weg aus dem Corona-Tal“ voraus.


ARCHIV - 17.12.2019, Frankreich, Straßburg: Paolo Gentiloni (PD), Mitglied der Europäischen Kommission von der Leyen, Kommissar für Wirtschaft und Währung sowie Kommissar für Steuern und Zollunion, sitzt während einer Pressekonferenz im Gebäude des Europäischen Parlaments.  Mitten in der schweren Corona-Wirtschaftskrise legt die EU-Kommission am Mittwoch (06.05.2020) ihre Konjunkturprognose vor. Erwartet werden Annahmen zum Bruttoinlandsprodukt, zur Inflation und zur Arbeitslosigkeit in der Eurozone und der gesamten Europäischen Union. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
EU vor Rezession historischen Ausmaßes
Die Corona-Pandemie hat die europäische Wirtschaft zur Vollbremsung gezwungen. Der Schock sei so groß wie nie zuvor seit der großen Depression in den 1930er Jahren, sagt die EU-Kommission.

Die Angst vor Kurzarbeit oder gar Arbeitsplatzverlust dämpft die Stimmung der Verbraucher. Das Konsumklima sank nach Angaben der Marktforscher der Nürnberger GfK auf einen historischen Tiefstand. Die Corona-Pandemie könnte die Kauflaune der Menschen noch längere Zeit beeinträchtigen: Jeder Dritte glaubt einer GfK-Befragung zufolge, dass sich seine finanzielle Situation in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird.

In der Vergangenheit hatte vor allem die Kauflaune der Verbraucher Europas größte Volkswirtschaft am Laufen gehalten. Der deutsche Export hatte bereits 2019, belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der Weltkonjunktur, an Tempo verloren.


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Wie Corona die Weltwirtschaft infiziert hat
Ob sich 2020 zu einer „beispiellosen Krise“ entwickeln wird, die die 1920er- und 1930er-Jahre in den Schatten stellen wird, lässt sich noch nicht klar absehen. Alles hängt von der Dauer der Pandemie und der Wirkung staatlicher Rettungspakete ab.
The Fearless Girl statue  is seen in front of the New York Stock Exchange (NYSE) on April 30, 2020 in New York City. - Wall Street stocks opened lower Thursday following another spike of jobless claims in the wake of coronavirus shutdowns, offsetting strong results from tech giants. Another 3.84 million US workers filed for unemployment benefits last week and the total has now passed 30 million in six weeks, according to the Labor Department data. (Photo by Johannes EISELE / AFP)