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Deutsche Bank Luxembourg mit solidem Ergebnis
Wirtschaft 3 Min. 06.05.2020

Deutsche Bank Luxembourg mit solidem Ergebnis

Frank Krings leitetet die Deutsche Bank Luxembourg seit 2016.

Deutsche Bank Luxembourg mit solidem Ergebnis

Frank Krings leitetet die Deutsche Bank Luxembourg seit 2016.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 06.05.2020

Deutsche Bank Luxembourg mit solidem Ergebnis

Marco MENG
Marco MENG
Anders als der Gesamtkonzern verbuchte die Deutsche Bank Luxembourg 2019 einen Gewinn. Der war zwar geringer als im Vorjahr, doch das hat vor allem mit der Risikovorsorge zu tun.

Die Deutsche Bank Luxembourg verbucht für das Jahr 2019 einen Überschuss von 88 Millionen Euro. Das sind 34 Prozent weniger als im Vorjahr (133 Millionen Euro). Als Hauptgrund dafür nannte das Kreditinstitut am Mittwoch bei der Präsentation der Jahresbilanz eine um 48 Millionen Euro gestiegene Risikovorsorge. Dabei ist auch zu beachten, dass 2018 durch den Verkauf der Versicherungsagentur Cardif Lux Vie S.A. ein einmaliger Ertrag in Höhe von 8,8 Millionen Euro eingenommen wurde. 

Das Luxemburger Tochterunternehmer steht mit dieser Bilanz besser da als der Gesamtkonzern, der für letztes Jahr einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro auswies, allerdings für die ersten drei Monaten des laufenden Jahres überraschend ein Nachsteuerergebnis von 66 Millionen Euro erwirtschaftete.

Zur aktuellen Krise meint denn auch Frank Krings, der die Deutsche Bank Luxembourg seit April 2016 leitet, dass sie zwar auch in gewissen Branchen zu Kreditausfällen führen wird, doch eine Bankenkrise werde dadurch nicht entstehen. Für das eigene Haus sei er optimistisch, so Krings: „Wir haben in der Vergangenheit schon einige andere schwere Krisen durchgestanden.“ Von den 300 Mitarbeitern arbeiten seit Mitte März 90 Prozent von zu Hause aus; etwa 30 sind im Gebäude auf Kirchberg präsent.

Bei einem Eigenkapital von rund sechs Milliarden Euro belief sich die Bilanzsumme des Luxemburger Hauses zum 31. Dezember 2019 auf 30 Milliarden Euro und ist damit im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Auch die Forderungen an Kreditinstitute und Kunden liegen mit insgesamt 23 Milliarden Euro zum Bilanzstichtag auf dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig hat sich der Wertpapierbestand zum Ende des Jahres 2019 auf 1,8 Milliarden Euro verdreifacht. 

Die Deutsche Bank Luxembourg betreibt die drei Geschäftssparten Investmentbanking, grenzüberschreitende Unternehmensfinanzierung und Private Banking, wobei die letzten beiden die Hauptpfeiler des Unternehmens sind. Separate Gewinnzahlen zu den einzelnen Segmenten weist das Geldhaus nicht aus.

Kredite über zwölf Milliarden Euro vergeben

Ende 2019 hatte die Deutsche Bank Luxemburg Darlehen über 12,3 Milliarden Euro vergeben, darunter Lombard-Darlehen und Hypothekendarlehen an Privatkunden sowie Kredite an Unternehmen und institutionelle Kunden. Die Forderungen gegenüber Kreditinstituten betrug 10,8 Milliarden Euro. 

Der Zinsüberschuss verzeichnete 2019 einen Rückgang um 14,2 Millionen Euro im Jahresvergleich auf 160,3 Millionen Euro (2018: 174,5 Millionen Euro). Die Zinserträge sanken um 192,6 Millionen Euro im Jahresvergleich auf 642,2 Millionen Euro, knapp 200 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.


Blick in die Kundenhalle des von Stararchitekt Gottfried Böhm konzipierten Sitzes.
Alle Ziele erreicht
Abbau der Bilanz, Modernisierung der Informatik, Umschichtung des strategischen Portfolios: Die drei Ziele, die sich die Deutsche Bank Luxemburg vor zwei Jahren gesteckt hat, sind erreicht.

Der Standort Luxemburg gilt im Deutsche Bank-Konzern als Kompetenzzentrum für die mittel- bis langfristige Finanzierung von börsennotierten, eigentümergeführten und sonstigen größeren Unternehmen. Die Sparte Investment Banking war zuletzt auch bei der Emission der Luxemburger Staatsanleihen über 2,5 Milliarden Euro beteiligt.

Auch das Geschäftsfeld „Betreuung Privater Vermögen“ (Wealth Management) ist im Gesamtkonzern Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum innerhalb der EU sowie für ausgewählte Märkte der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA).

Ausblick für das Jahr 2020

Nachdem sich die Weltwirtschaftskonjunktur bereits 2019 eingetrübt hatte, ging die Deutsche Bank Luxembourg zu Beginn das Geschäftsjahr 2020 von einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt aus. Seitdem hat sich das durch die Pandemie und die Aussicht auf sinkende Unternehmensgewinne nicht verbessert. 

Insgesamt geht die Bank aber „auch für das Jahr 2020 von einer weitgehend stabilen strukturellen Nachfrage von Kunden nach Finanzierungen und Finanzierungslösungen aus“. Das Finanzierungsgeschäft werde folglich auch im Jahr 2020 einen maßgeblichen Einfluss auf das Gesamtergebnis der Bank haben.

Die Bank werde im Geschäftsjahr 2020 ihre Rolle als Kompetenzzentrum für die Kreditvergabe an Unternehmen, Privatpersonen und Familienverbünde sowie als EU-Dienstleistungszentrum bei der Betreuung internationaler Vermögen unverändert wahrnehmen. 

„Wir gehen davon aus, auch im Jahr 2020 ein positives und qualitativ zufriedenstellendes operatives Ergebnis zu erzielen”, so Krings.

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