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Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz: "Mobilität neu denken"
Wirtschaft 2 Min. 02.07.2019

Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz: "Mobilität neu denken"

Seltener Ausblick: Erst, wenn der Berufsverkehr weg ist, läuft es reibungslos in Schengen.

Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz: "Mobilität neu denken"

Seltener Ausblick: Erst, wenn der Berufsverkehr weg ist, läuft es reibungslos in Schengen.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 2 Min. 02.07.2019

Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz: "Mobilität neu denken"

Mara BILO
Mara BILO
Die Mobilität der Zukunft war Thema bei der 18. Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftskonferenz, die am Montagabend in der Handelskammer stattgefunden hat.

Der individuelle Autoverkehr hat immer schwerwiegendere Folgen – sei es für die Umwelt oder gar die Gesundheit der Menschen. Das ist besonders in Luxemburg mit seinen rund 200 000 Pendlern, die jeden Morgen die Grenze des Großherzogtums überqueren, ein Thema. Die 18. Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz widmete sich am Montagabend in der Handelskammer diesem Problem; diskutiert wurden verschiedene Ansätze von Vertretern der luxemburgischen und der deutschen Politik – „Ansätze, die die Politik, die dafür zuständig ist, umsetzen kann“, wie es der Handelskammerpräsident Luc Frieden formulierte.


(v.l.n.r.) François Bausch, Anke Rehlinger, Elisabeth Borne, Andreas Scheuer und Etienne Schneider
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„Heute entscheiden sich immer noch mehr als zwei Drittel der deutschen Pendler für das Auto“, stellte der deutsche Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft, fest. Insgesamt zählt Luxemburg etwa 50 000 Pendler aus Deutschland; das entspricht jedem vierten Grenzgänger. „Das Verkehrsaufkommen ist kaum zu bewältigen.“

Transportminister François Bausch (Déi Gréng) legte seinerseits drei Aktionsschwerpunkte fest: Mobilität anders planen, Verkehrsmittel kombinieren und große Investitionen in die Infrastruktur. „Es hat keinen Sinn, eine Autobahn von zwei auf drei Spuren auszubauen. Es geht ja nicht darum, mehr Fahrzeuge, sondern mehr Menschen zu bewegen“, sagte der Minister. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Lösung eine Kombination aller Verkehrsmittel sein wird – dazu sollten andere Wege wie zum Beispiel Home-Office gefördert werden. Dafür muss allerdings mehr Geld in die Infrastruktur fließen.“

Aus deutscher Sicht betonte die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr im Saarland, Anke Rehlinger, dass es für beide Länder wichtig sei, „einen gegenseitigen Profit zu erzielen.“ Immerhin sei es für ein Bundesland wie das Saarland nicht unbedingt von Vorteil, viel in die Transportwege nach Luxemburg zu investieren, wenn im Saarland dadurch ein Fachkraftmangel entsteht. Aber: „Wir müssen den Wirtschaftsraum zusammen konstruktiv gestalten.“


Stau auf der A6 ist zu Stoßzeiten Alltag. Die Herabsetzung der Geschwindigkeit morgens und abends während der Woche soll nun Abhilfe schaffen.
Ein neues Konzept für die Autobahn A6
Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung und der Möglichkeit die Pannenspur zu Stoßzeiten zu nutzen, soll der Verkehr auf der Autobahn A6 in Zukunft besser fließen.

Die Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler, setzte einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Transportwege. „Es gilt, in diesem Bereich noch Hürden abzubauen“, erklärte sie. „Ich sehe aber viel Potenzial – besonders auf ländlichen Flächen. Viele Menschen müssten nicht zwangsweise in die Stadt, um zu arbeiten.“

Konkrete Beispiele

Während es auf Regierungsebene etwas langsamer zugeht, werden auf Unternehmensebene allerdings bereits eigenständig Lösungen gefunden. Beispiel Deloitte: Die Beratungsgesellschaft, die rund 2 200 Angestellte in Luxemburg beschäftigt, will zeigen, wie man mit einfachen Maßnahmen und ohne große Investitionen, den Verkehrsdruck abfedern kann. „In Luxemburg sind Parkplätze zu einer Mangelware geworden. Wir haben uns dafür entschieden, Car-Pooling zu fördern, indem wir den Mitarbeitern, die andere Kollegen mit zur Arbeit nehmen, einen Parkplatz zur Verfügung stellen“, erklärt Jan Van Delden, „Partner Audit“ bei Deloitte. „Darüber hinaus bieten wir flexible Arbeitszeiten an, damit unsere Mitarbeiter außerhalb der Stoßzeiten unterwegs sind.“

Obendrein hat die Firma auch an der französischen Grenze, in Esch/Belval, Co-Working-Büros eröffnet. Dort ist Platz für 250, jenseits der luxemburgischen Grenze lebende Mitarbeiter, wie Jan Van Delden erklärt: „180 Angestellte sind dauerhaft dort angesiedelt; weitere 70 bis 80 Mitarbeiter können für ein bis zwei Tage in der Woche von Belval aus ihre Arbeit erledigen.“ Ganz von zu Hause – sprich in Frankreich – ist aus Steuergründen nicht möglich; das Doppelsteuerabkommen zwischen Luxemburg und Frankreich sieht nur eine begrenzte Anzahl von Arbeitstagen im Ausland vor. Bislang ist die Deloitte-Initiative in Esch/Belval ein voller Erfolg, so Jan Van Delden. „Wir überlegen, ein ähnliches System nahe der belgischen und deutschen Grenze einzuführen.“


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