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Der Corona-Crash trifft auch Luxemburg
Wirtschaft 3 Min. 09.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Der Corona-Crash trifft auch Luxemburg

Gleich nach Handelsbeginn sackte an der Wall Street der Kurs in den Keller - die Börsenleitung zog die Notbremse.

Der Corona-Crash trifft auch Luxemburg

Gleich nach Handelsbeginn sackte an der Wall Street der Kurs in den Keller - die Börsenleitung zog die Notbremse.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 09.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Der Corona-Crash trifft auch Luxemburg

Marco MENG
Marco MENG
Massive Kursverluste erschüttern die Börsen rund um den Globus. Angst vor dem Corona-Virus, Angst vor einem Preiskrieg der Ölförderer, Angst vor einer Rezession greifen um sich. Der Kurssturz trifft Luxemburgs Vorzeigebranche.

Weltweit sackten am Montag die Börsenkurse rund um den Globus in den Keller. An der Wall Street in New York ist der Dow-Jones zu Handelsbeginn um 7,2 Prozent eingebrochen. Um einen Kollaps abzuwenden, wurde der Handel am weltweit wichtigsten Börsenplatz kurzzeitig unterbrochen. 

Die Anleger verkauften massiv aus Angst vor einer globalen Wirtschaftskrise. Zum einen belastet die Corona-Virus-Epidemie die Stimmung, zum anderen wirft ein drohender Ölpreiskrieg seine Schatten auf die Wirtschaft. 

Die in der Opec versammelten führenden Ölstaaten hatten letzte Woche eine Drosselung der Förderung vereinbart. Russland zieht aber nicht mit. Die Aktienkurse von BP, Shell, Total und Saudi Aramco brachen infolgedessen zeitweise um jeweils mehr als 15 Prozent ein. Der Preis für Rohöl fiel um mehr als 30 Prozent, der größte Einbruch seit dem Golfkrieg 1991. Die US-Bank GoldmanSachs warnt nun vor einer Öl-Baisse auf 20 Dollar pro Barrel, was zur Belastungsprobe für die Produzenten würde. Gleichzeitig ist die Ölnachfrage aufgrund des Corona-Virus bereits erheblich gesunken.


FILE - In this May 29, 2009 file photo, an oil rig is seen at sunset in the desert oil field of Sakhir, Bahrain. Major stock indexes skidded 2 percent Tuesday, July 7, 2009, as crude fell for the fifth straight day, the latest indicator that investors think demand for energy and basic materials will remain soft. The Dow Jones industrial average fell 161 points to its lowest close since late April. (AP Photo/Hasan Jamali, file)
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Ob es tatsächlich weiter Richtung Rezession geht, hängt vor allem davon ab, wie schnell sich die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle bringen lässt und wie die Politik und die Notenbanken agieren. Zahlreiche Zentralbanken senkten bereits die Leitzinsen, um Banken die Vergabe günstigerer Kredite an Unternehmen zu ermöglichen. 

Andererseits belastet der Niedrigzins wiederum die Bankprofite: Große Verlierer an den Börsen waren am Montag in Frankfurt neben den Autoherstellern die Deutsche Bank und die Commerzbank. Chinas Exporte sind Januar und Februar im Vergleich zu den ersten zwei Monaten des Vorjahres um 17,2 Prozent zurückgegangen. Industrieunternehmen, die Vorprodukte aus dem Land beziehen, bekommen Lieferengpässe zu spüren. 

Dämpfer für Luxemburg  

Das hält sich zwar für Luxemburgs Produktionsgewerbe in Grenzen, analysiert das Statistikamt Statec am Montag in einer Studie, da nur rund ein bis zwei Prozent der gesamten luxemburgischen Waren- und Dienstleistungsexporte und -importe mit China abgewickelt werden. Dennoch sind die Folgen der Epidemie in China auch für die großherzogliche Wirtschaft von Bedeutung. 


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Deutschland, Luxemburgs erster Handelspartner sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen, leidet bereits unter einer Verlangsamung der chinesischen Nachfrage. Und die Viruserkrankung trifft die Wirtschaft gerade jetzt, nachdem sich deren Dynamik ohnehin bereits abgeschwächt hat: Die Volkswirtschaften des Euroraums befinden sich, wie die anderer Regionen der Welt, seit 2018 in einer Schwächephase, die sich 2019 noch ausgeprägt hat. 

In Luxemburg betrug das reale BIP-Wachstum in den ersten drei Quartalen 2019 insgesamt 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so Statec, nachdem es 2018 um 3,1 Prozent gestiegen war. „Das Auftreten und die Verbreitung von Covid-19 finden in einem bereits schwierigen globalen Wirtschaftskontext statt und stellen einen zusätzlichen Faktor der Verlangsamung dar“, sagen die Statec-Ökonomen. 

Noch liegen nur wenige Daten vor, um die realen wirtschaftlichen Auswirkungen zu beurteilen. „Dennoch stellt das neue Virus eine Bedrohung dar, die kurzfristig die globalen, europäischen und nationalen Aktivitäten erheblich beeinträchtigen könnte“, heißt es im Statec-Bericht. 

Kursverluste treffen Investmentfonds und Luxemburgs Steuereinnahmen.

Der Einbruch der Börsenkurse trifft Luxemburg im Gegensatz zu Handelszahlen der Realwirtschaft ganz direkt: „Das Börsenumfeld ist ein entscheidender Faktor für die luxemburgische Wirtschaft“, erklärt Statec. Die Börsen bedingten die Leistungsfähigkeit vieler Akteure im Finanzsektor, „angefangen bei den Investmentfonds und den damit verbundenen Aktivitäten, sowie die entsprechenden Steuereinnahmen“. 

In dieser Hinsicht sei der jüngste Abschwung an den Finanzmärkten ein schlechtes Omen. Im mittelfristigen Konjunkturszenario, das im Januar und Februar 2020 von Statec erstellt wurde, sinkt das BIP der Eurozone 2020 im Vergleich zum Vorjahr von 1,6 Prozent auf jetzt 0,8 Prozent. Laut Oxford Economics wird erwartet, dass die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie das Wachstum im Euroraum um etwa 0,1 Prozentpunkte verringern werden.

Globales Rezessionsszenario 

Bei einer Verschärfung der Corona-Virus-Krise, so ein hypothetisches Krisenszenario, würde das BIP der Eurozone in den Jahren 2020 und 2021 laut Statec 2,5 Prozentpunkte an Wachstum verlieren, während der Eurostoxx im Jahr 2020 um mehr als zehn Prozent fallen würde. 

Der Schock für die luxemburgische Wirtschaft wäre vergleichbar mit dem negativen Schock, der während der Staatsschuldenkrise der Eurozone 2012/2013 erlitten wurde“, erklärt Statec. Das nationale BIP-Wachstum würde sich dann auf 0,7 Prozent im Jahr 2020 und 1,7 Prozent im Jahr 2021 reduzieren.


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