Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der Brexit und seine Folgen: Luxemburg könnte für Jaguar "eine Option" sein
Wirtschaft 3 Min. 22.06.2016

Der Brexit und seine Folgen: Luxemburg könnte für Jaguar "eine Option" sein

Die britischen Autobauer werben massiv gegen einen Brexit.

Der Brexit und seine Folgen: Luxemburg könnte für Jaguar "eine Option" sein

Die britischen Autobauer werben massiv gegen einen Brexit.
(Foto: AFP)
Wirtschaft 3 Min. 22.06.2016

Der Brexit und seine Folgen: Luxemburg könnte für Jaguar "eine Option" sein

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Der britische Autobauer Jaguar Land Rover könnte im Falle eines Brexit eine Niederlassung in Luxemburg oder Brüssel eröffnen.

(ndp/dpa) -  Der britische Autobauer Jaguar Land Rover könnte im Falle eines Brexit eine Niederlassung in Luxemburg oder Brüssel eröffnen. Das berichtet die Agentur Reuters unter Berufung auf zwei nicht näher genannte Quellen.

Eine verstärkte Präsenz in Brüssel erlaube dem Autobauer Einfluss auf politische Entscheidungsträger auszuüben. Luxemburg sei aber auch "eine Option", heißt es in dem Bericht.

Jaguar Land Rover könnte seine Europazentrale in eine der beiden Hauptstädte verlegen. Laut einer zweiten Quelle hingegen würde der Autobauer seine Zentrale in Großbritannien behalten, heißt es weiter.

Ein Sprecher der Firma hat am Montag bekräftigt: "Jaguar Land Rover ist ein britisches Unternehmen und unsere Zentrale wird in Großbritannien bleiben."

Derzeit werben die britischen Autobauer massiv gegen einen Brexit. Landesweit beschäftigt die Industrie 800.000 Mitarbeiter und trägt somit 15,5 Milliarden Pfund pro Jahr zur britischen Wirtschaftsleistung bei.

Ein Austritt aus der EU könnte für Jaguar Land Rover zu einem jährlichen Verlust von einer Milliarde Pfund (1,47 Milliarde Dollar) bis zum Jahr 2020 führen.

Brexit könnte deutsche Autobauer ausbremsen

Der Brexit könnte aber auch deutsche Autobauer ausbremsen. Vor allem BMW ist betroffen: Die Münchner verkaufen nicht nur mehr Autos im Vereinigten Königreich als Audi und Mercedes, sie haben auch noch vier Werke in England.

Das größte Risiko droht allerdings auf dem Kontinent. Ein Brexit träfe die gesamte deutsche Exportwirtschaft, aber „die deutsche Automobilindustrie an allererster Stelle“, betont der Geschäftsführer der britischen Handelskammer in Deutschland, Andreas Meyer-Schwickerath. Jeder siebte Wagen aus einer deutschen Autofabrik wird nach Großbritannien ausgeführt. Das Land ist nach China und den USA der drittgrößte Auslandsmarkt für die deutsche Autoindustrie.

BMW hat in Großbritannien im vergangenen Jahr 236 000 Autos verkauft - das waren mehr als 10 Prozent des weltweiten Absatzes. Bei Audi waren es 9, bei Mercedes 8, beim VW-Konzern insgesamt 6 Prozent.

Für die deutsche Automobilindustrie sei das Vereinigte Königreich der größte Exportmarkt, sagte der Präsident des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann. „Der Wegfall des Binnenmarktes wäre gleichermaßen für große und kleine Unternehmen eine spürbare Handelshürde. Denn sie wären gezwungen, ihre Produkte an den jeweils anderen Markt anzupassen und zusätzliche Zulassungsverfahren zu durchlaufen. Das kostet Zeit und Geld.“ Es bestünde die Gefahr, dass sowohl in der EU als auch in Großbritannien die Nachfrage sinken und damit Handelsströme und Wertschöpfung zurückgehen würden.

„Großbritannien ist für die Autohersteller ein interessanter, lukrativer Markt, der stark gewachsen ist“, sagt Gerhard Wolf, Chef der Auto-Analysten bei der Landesbank Baden-Württemberg. Aber im Brexit-Fall sehen die meisten Volkswirte Großbritannien in die Rezession rutschen. „Das Pfund wird deutlich nach unten rauschen, um 10 bis 15 Prozent“, sagt Andersch. Importe würden teurer.

Die Landesbank in Stuttgart macht folgende Rechnung auf: Die Oberklasse-Hersteller verkaufen in Großbritannien 20 Prozent weniger Autos. Ihre Gewinnmarge, die dort höher ist als in Frankreich oder Italien, kommt massiv unter Druck. Und ihr Betriebsgewinn könnte um 4 bis 8 Prozent sinken, sagt Wolf. Ein Rückschlag, aber verkraftbar.

Der BMW-Konzern exportiert jedoch nicht nur Autos aus München, Dingolfing und Regensburg nach England. Er baut dort auch jährlich mehr als 200 000 Mini- und 4000 Rolls-Royce-Modelle.

Alle 68 Sekunden rollt im Werk Oxford ein Mini vom Band. Wenige Tage vorher noch kann der Kunde seine Bestellung ändern, Farbe, Motor, Ausstattungswünsche korrigieren. Die erforderlichen Teile werden „Just in time“ angeliefert - das spart Lagerkosten, erfordert aber ein ausgeklügeltes und zuverlässiges Netzwerk von Zulieferern.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.