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Der Blick in den eigenen Geldbeutel
Wirtschaft 8 Min. 07.09.2019

Der Blick in den eigenen Geldbeutel

Gewusst wie: Das eigene Budget verantwortungsvoll zu verwalten, ist nicht immer einfach.

Der Blick in den eigenen Geldbeutel

Gewusst wie: Das eigene Budget verantwortungsvoll zu verwalten, ist nicht immer einfach.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 8 Min. 07.09.2019

Der Blick in den eigenen Geldbeutel

Mara BILO
Mara BILO
Die Stiftung für Finanzbildung der Bankenvereinigung ABBL bietet erstmalig die „Zummer Academy“ an. Das zweiwöchige Seminar zielt darauf ab, den Teilnehmern den richtigen Umgang mit dem Geld bewusst zu machen.

Was auf Anhieb selbstverständlich scheint, stellt manche vor ein großes Problem – der richtige Umgang mit dem eigenen Geld. Zu ihnen gehört Maurizio. In Luxemburg geboren, 50 Jahre alt, italienische Wurzeln. Aus gesundheitlichen Gründen viele Jahre ohne Arbeit, verliert er schnell den Überblick, wenn es ums Finanzielle geht. Deshalb nimmt er während der zwei ersten Septemberwochen nun an der „Zummer Academy“, teil, die von der Bankenvereinigung ABBL organisiert ist.


19 Prozent der Luxemburger Haushalte investierten 2010 in Fonds.
Wissen über Bankprodukte: Schlagwort Finanzbildung
Die Luxemburger sind vergleichsweise offen für eine Vielfalt von Finanzprodukten, doch an Wissen darüber mangelt es oft. Die Initiativen in Luxemburg, die dies verändern wollen, stecken noch in den Kinderschuhen.

Eine der Aufgaben, die es für Maurizio und seine Mitstreiter zu lösen gilt, lautet: „Madame X“ verdient 3 500 Euro brutto pro Monat, nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge bleiben ihr noch 3 064,25 Euro. Wieviel bleibt ihr nach Abzug der Miete, der Versicherungen und den Rechnungen für Strom, Gas und Telefon fürs eigene Leben übrig?

Die „Zummer Academy“ – die bis zum 13. September in den Räumlichkeiten der ABBL von 12.15 Uhr bis 13.45 Uhr stattfindet – verfolgt das Ziel, die Teilnehmer mit dem wirtschaftlichen Kontext Luxemburgs vertraut zu machen. So stehen auf dem Programm verschiedene Themen zum Bank- und Finanzwesen – Bankkonten, Zahlungsmittel, Budgetverwaltung, Umgang mit Risiken, Sparen, Kreditaufnahme, Versicherungen. „Ich bin bislang sehr zufrieden mit dem Programm“, berichtet Maurizio. „Darüber hinaus herrscht eine freundliche Atmosphäre – dann macht Lernen Spaß!“

Derzeit noch Pilotprojekt

Die „Zummer Academy“, von der „Fondation ABBL pour l'éducation financière“ (siehe Kasten) veranstaltet, findet zum ersten Mal statt. „Derzeit handelt es sich noch um ein Pilotprojekt“, erklärt Catherine Bourin, Direktionsmitglied der Bankenvereinigung. „Wenn es aber Erfolg hat, möchte ich ein ähnliches Programm jedes Jahr anbieten. Das Feedback ist bislang sehr positiv.“


Woch vun de Suen - Intervention de Pierre Gramegna et Claude Marx dans une classe du cycle 4, Esch-Alzette, 14.03.2018, Foto: Laurent Ludwig
Gramegna spielt mit Geld
Im Rahmen der "Woch vun de Suen" erklärt Finanzminister Pierre Gramegna Schülern des Cycle 4, wie man verantwortungsvoll mit Geld umgeht. Teil der Aktion ist ein eigens dafür entworfenes Brettspiel.

Catherine Bourin hat das Projekt „Zummer Academy“ initiiert; Modell dafür war die „Woch vun de Suen“, die die Finanzbildung von Schülern fördert. „Wenn es für Kinder ein solches Programm gibt, dann sollte es auch für Erwachsene angeboten werden“, erklärt Bourin, „immerhin haben immer noch manche Schwierigkeiten mit bestimmten Geldfragen.“


Die Teilnahme ist kostenlos; das Seminar richtet sich vor allem an ausländische Bürger oder Menschen mit ausländischen Wurzeln, die erst vor Kurzem in Luxemburg angekommen sind oder bereits in Luxemburg leben und lernen müssen, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld umzugehen. Die diesjährige Ausgabe der „Zummer Academy“ zählt ein Dutzend Teilnehmer. Platz wäre für maximal 20, wie Catherine Bourin erklärt: „Wir wollen nicht zu viele im Seminar aufnehmen, sonst bleibt nicht genügend Zeit für alle Fragen.“ Auch der Schwierigkeitsgrad der Kurse wird jeweils angepasst, wie das Direktionsmitglied der ABBL versichert. „Das aktuelle Niveau ist sehr unterschiedlich – wir versuchen, unsere Kurse so zu gestalten, dass alle etwas lernen.“


Claude Marx, Generaldirektor CSSF - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Claude Marx: "Finanzplatz muss Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten"
CSSF-Chef Claude Marx spricht im Interview über die Aufgaben der Aufsichtsbehörde.

Das Pilotprojekt wird vom Ministerium für Familie und Integration finanziell getragen, da es im Einklang mit dem nationalen Aktionsplan für Integration (PAN) der Regierung steht, wie die ABBL-Vertreterin erklärt: „Wir arbeiten zusammen mit dem ,Office luxembourgeois d'accueil et d'inégration‘ (OLAI).“ Dabei handelt es sich um eine an das Ministerium für Familie und Integration eingegliederte Verwaltung, die für die Umsetzung der Aufnahme- und Integrationspolitik in Luxemburg zuständig ist.

Finanzen einfach erklärt

Das gesamte Programm wurde von der ABBL entwickelt – die Kurse werden von Mitarbeitern der Bankenvereinigung neben ihren eigentlichen Aufgaben geleitet. Insgesamt haben sich knapp die Hälfte der 40 Angestellten der ABBL dazu bereit erklärt. „Wir haben interne Schulungen organisiert und vermitteln, wie man komplizierte Konzepte vereinfacht und erklärt“, sagt Bourin.

So bieten Fabienne Lang und Jessica Thyrion gemeinsam einen Kurs zum Thema Budgetverwaltung an. „Geld und vor allem private Verschuldung ist immer noch ein Tabu“, weiß Jessica Thyrion, „viele trauen sich nicht, Fragen darüber zu stellen.“ Beide versuchen ihren Vortrag mit Video, Informationsmaterial und Gruppenarbeit so interaktiv wie möglich zu gestalten. „Es ist schön zu sehen, dass viele sich gegenseitig helfen“, kommentiert Fabienne Lang, „besonders wenn Verständigungsprobleme auftreten.“

Engagierte Mitarbeiter: Fabienne Lang und Jessica Thyrion (v.l.n.r.) stellen ihre freie Zeit für das Seminar zur Verfügung.
Engagierte Mitarbeiter: Fabienne Lang und Jessica Thyrion (v.l.n.r.) stellen ihre freie Zeit für das Seminar zur Verfügung.
Foto: Chris Karaba

Das zweiwöchige Seminar endet mit einem von der „Fondation ABBL pour l'éducation financière“ in Zusammenarbeit mit der französischen Stiftung „Crésus“ eigens für das Seminar entwickelten Brettspiel. „Dabei wird das, was in den vergangenen Tagen gelernt wurde, praktisch angewendet. Die Teilnehmer müssen die richtigen finanziellen Entscheidungen treffen und deren Auswirkungen verstehen“, erklärt Catherine Bourin.

Berufsbildung als Preis

Zum Ende des Seminars erhalten alle eine Teilnahmebescheinigung, unabhängig vom Ergebnis der Abschlussprüfung. Damit die Teilnehmer bis zum Abschluss des Seminars dabei bleiben, haben wir ihnen auch drei Preise in Aussicht gestellt“, erklärt Catherine Bourin. So werden die drei Besten mit einer Schulung bei der Weiterbildungseinrichtung „House of Training“ belohnt. Der erste Preis ist eine Weiterbildung im Wert von 500 Euro, der zweite eine Weiterbildung im Wert von 250 Euro, der Dritte bekommt einen Gutschein über 150 Euro.

Die Teilnehmer müssen die richtigen finanziellen Entscheidungen treffen und deren Auswirkungen verstehen.

Dabei sind die Ergebnisse der Prüfung dann aber ebenso ausschlaggebend wie der Fleiß und die aktive Beteiligung an den verschiedenen Kursen. „Die Gewinner können sich dann ihre Weiterbildung im Katalog an Kursen des ,House of Training‘ selbst aussuchen“, so die ABBL-Vertreterin.

Das macht das Seminar für manche Teilnehmer besonders interessant – zum Beispiel für Mery Nubia. Die Kolumbianerin, 58 Jahre alt, von Anfang an dabei, hat an den vergangenen Terminen bereits viel über Bankkonten und Zahlungsmittel gelernt und schreibt immer fleißig mit. „Werden in der Prüfung auch Fragen zu Einnahmen und Ausgaben des Privatbudgets gestellt?“, will sie von den Kursleitern wissen.

Mery Nubia macht keinen Hehl daraus: Es ist ihr wichtig, eine Ausbildung beim „House of Training“ zu gewinnen. „Ich stehe zwar kurz vor der Pension, aber habe schon längere Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gearbeitet“, erklärt sie die Motivation, am Seminar teilzunehmen. Ihr Ziel ist es, künftig von Zuhause aus Buchführungsarbeiten machen zu könne. Und die „Zummer Academy“ ist ein erster Schritt dahin – davon ist sie fest überzeugt.

Catherine Bourin ist Direktionsmitglied der Bankenvereinigung ABBL.
Catherine Bourin ist Direktionsmitglied der Bankenvereinigung ABBL.
Foto: Chris Karaba